US-Amerikanerin startet doch in Sölden

Geschlechterkampf im Skisport: Vonn will gegen Männer fahren

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Lindsey Vonn im Aktion.

Lindsey Vonn startet überraschend beim Saisonstart der Ski-Rennläufer in Sölden und steht gleich im Mittelpunkt. Ihr Vorhaben, gegen die Männer zu fahren, sorgt für heftige Reaktionen.

Sölden - Plumper PR-Gag, billige Effekthascherei, albernes "Kasperltheater" - Lindsey Vonn steht vor einer Wand der Ablehnung. Der Plan der Ski-Olympiasiegerin, sich bei einer Abfahrt mit den Männern zu messen, sorgt im Weltcup-Zirkus für anhaltend heftige Reaktionen. Auch vor dem Auftakt der Olympia-Saison am Wochenende in Sölden ist Vonns Geschlechterkampf Thema - vor allem, da die 34-Jährige am Samstag erstmals seit 2012 auf dem Rettenbachgletscher mitfahren will.

So sei der Plan, teilte Vonn am Donnerstag überraschend bei Eurosport mit. Nur "falls die Bedingungen nicht gut sind und es gefährlich sein wird, werde ich nicht starten", sagte sie. Es wäre ihr erster Riesenslalom seit 21 Monaten, nach schweren Verletzungen hatte sie sich zuletzt auf ihre Spezialdisziplinen Abfahrt und Super-G konzentriert.

Dort fühlt sie sich auch im 34. Lebensjahr noch stark genug für Siege, ja sogar zu stark für die eigentliche Konkurrenz. "Ich möchte mich in einem Umfeld bewegen, das mich an mein Maximum führt", sagt Vonn - deshalb die Idee mit den Männern.

Seit fünf Jahren kämpft sie um den Vergleich, der beim Weltcup im kanadischen Lake Louise - wegen ihrer 18 Siege dort auch "Lake Lindsey" - steigen soll. "Ich erwarte nicht, dass ich gewinne", sagt sie, "das Größte wäre schon, nur die Chance zu bekommen." Platz 20 hält sie für realistisch. Nicht nur die Männer verdrehen die Augen.

"Lindsey will nur Aufmerksamkeit", sagt ihre Teamkollegin Mikaela Shiffrin, "der Geschlechterkampf ist in den USA derzeit ein riesiges Thema - da will Lindsey die Gunst der Stunde nutzen." Tina Weirather, WM-Zweite im Super-G aus Liechtenstein, meint: "Diese Aktion riecht für mich stark nach PR." Sie wittert "ein Spektakel ganz im Sinne der Amerikaner". Olympiasiegerin Anna Veith sagt: "Sie will gesehen werden."

Lindsey Vonn: "Ich möchte mich in einem Umfeld bewegen, das mich an mein Maximum führt."

Veith kommt aus Österreich, der Großmacht im Ski-Rennsport, die Vonns Plan am entschiedensten ablehnt. "Die Österreicher halten mich für ein Prinzesschen, die denken, das alles sei ein Witz", sagt Vonn - und hat recht. Aus Sicht von Hannes Reichelt, 2015 Super-G-Weltmeister, würde sich der Weltcup "zum Kasperltheater" machen, würde er Vonn stattgeben. "Dann kannst du den Damen-Sport gleich abschaffen", sagt der Athletensprecher. Und überhaupt: Wenn Vonn wirklich zeigen wolle, was sie drauf habe, solle sie die Männer auf einer Klassikerstrecke wie Kitzbühel fordern.

Der amerikanische Skiverband unterstützt Vonn, er hat einen entsprechenden Antrag beim Weltverband FIS eingebracht. Vonn soll ihren Traum 2018 in Lake Louise verwirklichen können. Die FIS vertagte eine Entscheidung Anfang Oktober auf Mai, Vonn wertet das als Teil-Erfolg. "Jetzt bewegt sich endlich was", sagt sie, "ich hoffe, dass ich die Leute umstimmen kann, die denken, es wäre nur eine Show."

Zuspruch bekommt Vonn von ihrer alten Kontrahentin Mari Höfl-Riesch. "Ich glaube ich nicht, dass Lindsey so langsam wäre bei den Männern. In Kitzbühel oder Gröden würde sie wahrscheinlich nicht mitfahren, weil sie wüsste, dass sie dort keine Chance hätte", sagte die dreifache Olympiasiegerin im Interview mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten (Freitagsausgabe): "Aber in Lake Louise, wo sie schon sehr viele Rennen mit großem Vorsprung gewonnen hat bei den Damen, da traue ich ihr einiges zu."

Vonn ist bewusst, dass sie "gegen all die alten Herren" kämpft, "die selbst nie Teil dieses Sports waren. Sie verstehen es nicht. Sie respektieren nicht, wie viel ich erreicht habe." Olympia- und WM-Gold. Vier Gesamtsiege im Weltcup. 77 (!) Rennerfolge. Doch das ist Vonn nicht genug.

Was sie treibt? "Ich will sehen, wozu ich in der Lage bin, wissen, wo ich stehe", sagt sie. Wenn sie mit den Männern trainiere, fahre sie "auf einem anderen Niveau Ski". Ja, sie habe viel erreicht, "aber ich will noch viel mehr erreichen. Ich halte ein paar Rekorde, aber nicht alle ..."

SID

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