Cuche und Kostelic die Könige von Kitzbühel

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Ivica Kostelic räumte in Kitzbühel richtig ab

Kitzbühel - Felix Neureuther blickte im Mekka des alpinen Ski-Rennsports traurig drein. Allen Grund zur Freude hatten diesmal ein Schweizer, ein Franzose und vor allem ein Kroate.

Altmeister Didier Cuche gewann bei den Weltcup-Rennen in Kitzbühel in überragender Manier zum vierten Mal eine Abfahrt auf der berüchtigten „Streif“, Jean-Baptiste Grange holte sich den Sieg im Slalom, Ivica Kostelic aber räumte richtig ab: Sieg im Super-G, Elfter in der Abfahrt, Zweiter im Slalom, Sieg in der Kombinationswertung, dazu 125.100 Euro Preisgeld und die überlegene Führung im Gesamtweltcup.

Die Österreicher gingen ausgerechnet an ihrem „heiligen Berg“ nahezu leer aus, nur Georg Streitberger als Zweiter im Super-G am Freitag und Romed Baumann als Dritter der Kombinationswertung fuhren aufs Siegertreppchen. Die Gastgeber standen seit Donnerstag freilich unter dem Eindruck des schweren Sturzes ihres Mannschaftskollegen Hans Grugger beim Training auf der „Streif“. „Unsere Läufer leiden mit ihm mit. Das sind auch nur Menschen“, sagte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum. Grugger liegt weiter im künstlichen Koma in der Uni-Klinik Innsbruck, die Ärzte sahen am Sonntag aber erstmals Grund für „vorsichtigen Optimismus“.

Zum Abschluss der 71. Hahnenkammrennen, bei denen die Stimmung unter den Rennläufern wegen Gruggers Sturz gedämpft war, hatte Grange seinen großen Auftritt. Im zweiten Lauf stürmte er mit einem Traumlauf von Rang vier noch auf Rang eins und lag am Ende 0,28 Sekunden vor Kostelic, der nach dem ersten Lauf geführt hatte. Auf Rang drei (0,69 Sekunden zurück) fuhr Olympiasieger Giuliano Razzoli. Kostelic gewann dafür die Kombination, sein Vorsprung im Gesamtweltcup auf den Norweger Aksel Lund Svindal beträgt nun 345 Punkte.

Neureuther hatte im vergangenen Jahr in Kitzbühel noch Freudentränen über den ersten Weltcup-Sieg in seiner Karriere vergossen, die Rückkehr als „Titelverteidiger“ freilich missriet. Fehler nach 15 Sekunden, Fehler kurz vor dem Ziel, Rückstand schließlich 8,74 Sekunden, Rang 71, den zweiten Durchgang deutlich verpasst. „Das steckt man locker weg“, sagte Neureuther tapfer, „ich bin trotzdem sehr positiv. Ich weiß, was ich kann, und das ist für mich das Wichtigste.“ Ein bisschen genervt wirkte er dennoch: Was er kann, hat er in dieser Saison noch nicht wie erhofft zeigen können.

Mit einer Fahrt fast wie von einem anderen Stern hatte Cuche nach seinem zweiten Rang im Super-G am Freitag tags darauf zum vierten Mal eine Abfahrt auf der berüchtigten „Streif“ gewonnen, der 36 Jahre alte Routinier zog damit mit der österreichischen Ski-Ikone Franz Klammer gleich. Der Abfahrts-Olympiasieger von 1976 war als Augenzeuge von Cuches grandiosem Lauf derart beeindruckt, dass er ins Schwärmen geriert: „Der ist da runtergetaucht - unglaublich. Es war eine Augenweide ihm zuzuschauen.“

Auf eine Stufe mit Österreichs „Kaiser Franz“ Klammer wollte sich Cuche aber nicht stellen. „Für mich sind es nur dreieinhalb Siege“, sagte er unter Hinweis auf seinen ersten Abfahrtssieg in „Kitz“ 1998, als das Rennen witterungsbedingt als Sprint-Wettbewerb in zwei Läufen ausgetragen wurde. Keine Diskussionen gibt es darüber, dass Cuche nun der älteste Sieger im Weltcup ist. Der Routinier ist 36 Jahre und fünf Monate alt, Marco Büchel aus Liechtenstein war zweieinhalb Monate jünger, als er am 18. Januar 2008 den Super-G von Kitzbühel gewann.

Im Ziel der ruppigen und eisigen Piste vom Hahnenkamm lag Cuche 0,98 Sekunden vor dem Amerikaner Bode Miller, Rang drei belegte völlig überraschend der Franzose Adrien Theaux (1,18 Sekunden zurück). „Wahnsinn, wie der mit der Strecke umgeht“, sagte Andreas Sander aus Ennepetal über Cuche. Sander belegte mit 4,83 Sekunden Rückstand auf sein Idol bei seiner Abfahrtspremiere auf der „Streif“ Rang 37. Er hatte am Start lange warten müssen, weil zuvor Siegmar Klotz nach einem schweren Sturz in die Fangnetze geflogen war. Der Südtiroler kam mit einer gebrochenen Hand und einer leichten Gehirnerschütterung noch vergleichsweise glimpflich davon.

sid

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