Fitness-Guru im tz-Interview

Haben Sie Maria Höfl-Riesch sehr gequält?

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Heinrich "Heini" Bergmüller

München - Maria Höfl-Riesch (28) ist fit wie nie. Der Grund ist das Training mit Fitness-Guru Heinrich Bergmüller, der schon Hermann Maier und viele andere zu Titeln geführt hat. Der Herminator stellte letztendlich auch den Kontakt her. Das tz-Interview.

Herr Bergmüller, mussten Sie lange überlegen, als Maria bei Ihnen angefragt hat?

Bergmüller: Nein, die Arbeit mit ihr ist eine große Herausforderung. Ich habe Maria schon längere Zeit verfolgt.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus?

Bergmüller: Maria war in Wien und ich war bei ihr in Kitzbühel. Wir haben im April eine Analyse ihres Ist-Zustands gemacht und geschaut, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Die Umsetzung des Trainingsprogramms erfolgte großteils unter der Aufsicht von Christian Schwaiger und seinem Team. Maria und ich stehen seitdem täglich in Telefon- und Mailkontakt.

Wie fit war sie im April?

Bergmüller: Ihre Ergometrie-Leistung war nicht so schlecht, aber Maria war trotzdem ziemlich ausgebrannt ihre Batterien waren nach der langen kräftezehrenden Saison leer.

Welche Schlüsse haben Sie gezogen?

Bergmüller: Wir haben mit einer umfangreichen Ausdauerphase begonnen, in welcher der Anteil des Kraftausdauertrainings kontinuierlich angehoben wurde. Daneben habe ich sehr viel koordinative Elemente und Gleichgewichtsübungen einfließen lassen. Außerdem haben wir uns gezielt der Rumpfkräftigung gewidmet, das spielt im Ski fahren eine wichtige Rolle. Ins Krafttraining ist Maria erst relativ spät eingestiegen, weil sich Kraft und Ausdauer nicht verträgt, beziehungsweise kontraproduktiv auswirken kann.

Braucht man als Skifahrer nicht viel Kraft?

Bergmüller: Am meisten lebt der Skifahrer von seiner Kraftausdauer, der Koordination und der Schnellkraft. Ski fahren hat wenig mit Schnelligkeit und Maximalkraft am Hut, die Geschwindigkeit macht diese Sportart schnell, und die Athleten müssen die Kraft mit sehr viel Feingefühl einsetzen können.

Sie haben den Spitznamen Schinderheini. Musste Maria sehr leiden, haben Sie sie sehr gequält?

Bergmüller (lacht): Nein, nein, der gilt schon lange nicht mehr. Armin Assinger hat mir den in den 80er-Jahren verpasst, aber seitdem hat sich sehr viel verändert.

Wie haben Sie Maria als Schützling kennengelernt?

Bergmüller: Sie ist ex­trem motiviert und akribisch. Das habe ich eigentlich noch bei keiner Skidame erlebt. Bezüglich ihrer Akribie, da hat sie eine Gemeinsamkeit mit Hermann, da sind sie sich sehr ähnlich. Maria setzt alles perfekt um und gibt genaue Rückmeldungen, so wünscht man es sich als Trainer.

Sie haben viele zu Titeln geführt. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Bergmüller: Ich will nichts kritisieren, aber es wird oft zu früh ins Krafttraining eingestiegen. Ein wesentlicher Punkt ist auch der Trainingsumfang und das begleitende Konditionstraining neben dem Ski fahren und das den ganzen Winter hindurch. Als Hermann früher bei jedem Rennen einen Fahrrad-Ergometer dabeihatte, das war eine Revolution. Inzwischen haben das alle kopiert.

Was wünschen Sie Maria in dieser Saison?

Bergmüller: Ich will natürlich, dass sie so erfolgreich wie möglich ist und sie ganz oben steht.

Kommt man da als Österreicher nicht in einen Konflikt?

Bergmüller: Den Vorwurf habe ich schon gehört, da ich mit Kathrin Zettel eine direkte Konkurrentin betreue, aber ich glaube sagen zu dürfen, dass ich in Österreich sehr viel bewegt habe. Jetzt reizt es mich, wenn eine Deutsche ganz oben steht. Interview:

Mathias Müller

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