Ski-Legende im Heimat und Glamour

Hinterseer: "Begeisternd, wie die sich runterhauen"

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Fiebert dem Hahnenkammrennen entgegen: Hansi Hinterseer ist die legendäre Abfahrt auch in diesem Winter schon hinuntergedonnert.

München - Auch Jahrzehnte nach seiner aktiven Skifahrer-Karriere lässt Hansi Hinterseer das Hahnenkammrennen nicht los. Vor der erneuten Ausgabe des legendären Laufs sprach er mit der tz.

Wer an Kitzbühel und die Streif denkt, landet schnell bei Hansi Hinterseer. Der 61-Jährige wuchs auf der Seidlalm auf und war vor seiner Musikkarriere selbst ein begnadeter Skifahrer, der 1974 den Slalom am Ganslernhang gewann. Das tz-Interview.

Hansi, haben Sie je ein Hahnenkamm-Wochenende verpasst?

Hinterseer: Eigentlich habe ich seit meinem vierten Lebensjahr jedes Rennen gesehen, mit Ausnahme von drei oder vier Jahren, als ich als Profi die US-Tour gefahren bin.

Das Spektakel reizt Sie also auch nach 50 Jahren noch?

Hinterseer: Na klar, ich kenne die Verantwortlichen aus meiner aktiven Zeit, auch bei den anderen Nationen sind viele Leute dabei, mit denen ich befreundet bin. Das ist alles eine große Skifamilie, ich lebe diesen Sport und leide mit den Athleten, wenn es mal nicht läuft oder jemand stürzt.

Ihre Landsleute Franz und Scheiber haben Sie schon vorm Rennen leiden lassen.

Hinterseer: Bei den Deandln hat's auch eine geschmissen. Ich denke, es gibt derzeit massive Probleme in der Abstimmung mit dem Material, da muss man sich überlegen, wie man das besser in den Griff bekommt. Aber grundsätzlich ist der Skisport toll, und speziell in Kitzbühel ist es begeisternd, wie die Jungs sich runterhauen.

Gemeine Frage für den Ex-Techniker: Welcher Sieg ist mehr wert - Abfahrt oder Slalom?

Hinterseer: Jeder ist eine wahnsinnige Leistung und der Wunsch eines jeden Athleten.

Sehr diplomatisch…

Hinterseer: Naa, nicht diplomatisch, aber beides ist wichtig. Ein Abfahrtssieg ist toll, aber auch einen Slalomsieg muss man erst mal hinbringen. Ich bin froh, dass ich das geschafft habe.

Bode Miller, dem wilden Hund schlechthin, fehlt der Kitz-Sieg. Kommt er zurück?

Hinterseer: Ganz lustig, diese Frage, denn ich habe grad am Donnerstag lange mit Bode diskutiert. Wir standen in der Mausefalle und ich habe ihn gefragt, wie das damals 2008 war, als es ihn bei der Ausfahrt nach dem Steilhang mit den Ski an die Bande gedrückt hat und er darauf gefahren ist. Dass er die Streif nie gewinnen konnte, das zwickt ihn heut' noch an. Eigentlich ist das auch Wahnsinn, Bode war oft Favorit, aber er hat immer blöde Fehler gemacht und wurde "nur" Zweiter oder Dritter. Ob er es noch packt? Ich weiß es nicht, vielleicht fährt er nächstes Jahr, vielleicht kommt er in zwei Jahren wieder daher, bei ihm weißt du's nie.

Sie sind die Streif 2016 also schon gefahren. Bekommt ein Hinterseer immer Zugang zur Piste?

Hinterseer als Aktiver.

Hinterseer: Was für eine Frage, ich bin hier aufgewachsen, kenne die Menschen und habe hier gewonnen, klar kann ich rauf, wenn ich will.

1974 haben Sie die Streif sogar offiziell als Abfahrer bezwungen, richtig?

Hinterseer: Ich war im Gesamtweltcup Zweiter und wollte in der Kombi Punkte sammeln, musste deshalb ein Abfahrtstraining absolvieren. Vor mir sind die besten 15 Abfahrer gestartet - nur sechs von ihnen kamen ins Ziel, weil es so schlagig war. Ich dachte mir: Hansi, was machst du hier, wenn's von den Besten schon neun auf die Goschn haut? Ich habe mir eine entsprechende Linie gesucht und die vielen Löcher elegant umschwungen… Zum Rennen kam's nicht, weil sie den Slalom vorverlegen mussten und ich dort gestürzt bin.

Kitz ist Party und Glamour - da dürfte sich jeder freuen, wenn Sie vor der Türe stehen, oder?

Hinterseer: Ob die sich freuen, weiß ich nicht, aber sie würden mich wahrscheinlich nicht draußen stehen lassen. Partys hat's auch früher gegeben, nur war alles bescheidener. Heute wollen sich Firmen präsentieren, für unsere Wirtschaft ist das eine gute Sache. Ob man zu den Partys geht, ist jedem selbst überlassen, ich brauche es nicht.

Alberto Tomba hatte ein Party-Image. Viele erzählen aber, er sei vorne rein und nach ein paar Fotos schnell hinten raus. Kennen Sie das auch?

Hinterseer: Ich kenne Alberto ganz gut, der hat schon bewusst entschieden, wo er hingeht. Manchmal hat man Sponsoren, da lässt man sich dann blicken.

Abgesehen vom Rennen, wie froh sind Sie, dass endlich Schnee für den Ski-Twist da ist?

Hinterseer: Die weiße Pracht ist etwas sehr Schönes. Die ersten Monate und die Zeit um Weihnachten waren furchtbar, jetzt herrscht hier eine ganz andere Atmosphäre und man hat ein völlig anderes Gefühl. Hoffentlich lässt uns das Wetter auch am Wochenende nicht im Stich.

Interview: Mathias Müller

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