Fritz Dopfer: „Heim-WM – das ist echt lässig“

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In der erweiterten Weltspitze: Fritz Dopfer liegt im Gesamtweltcup derzeit an der 67. Stelle und in der Riesenslalom-Wertung an der 28. Position.

Garmisch-Partenkirchen - Im großen Interview vor der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen spricht Fritz Dopfer (SC Garmisch) über Erwartungen, den Vorteil die Strecken zu kennen, und Medaillenträume.

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Fritz Dopfer darf zur WM

Offiziell bräuchte Fritz Dopfer beim Weltcup- Riesenslalom in Hinterstoder am kommenden Wochenende noch ein Top-15-Resultat, um die Quali-Norm für die WM zu erfüllen. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier hat aber bereits für klare Verhältnisse gesorgt: „Der geht sicher mit zur WM“, sagt Maier über Dopfer. Für den 23-Jährigen ist damit ein Traum wahr geworden. Der Läufer des SC Garmisch ist er bei den Titelkämpfen ein echter Lokalmatador.

Was sagen Sie zu Ihrer Nominierung?

Es ist schön, wenn man hört, dass man bei der WM dabei ist. Das gibt eine gewisse Sicherheit. Generell gilt aber: Ich habe noch ein Weltcup- Rennen, bei dem ich die Qualifikationskriterien erreichen kann. Darauf liegt jetzt mein Fokus. Das Rennen ist auch wichtig, um bei den FIS-Punkten nach vorn zu kommen. Mein Ziel ist es, künftig eine bessere Startnummer zu haben. Im Riesenslalom fehlen mir noch einige Punkte, um unter die Top-30 zu kommen. Es ist eben sehr unwahrscheinlich, dass du im Weltcup mit Startnummer 57 immer unter die Top-30 fährst. Da sind 56 Fahrer vor dir, die es ebenfalls sehr gut können.

Welche Erwartungen haben Sie jetzt im Hinblick auf die WM?

Ich möchte das nicht an einem Ergebnis oder einem bestimmten Platz festmachen. Ich will einfach meine Leistung bestätigen. Ziel ist, in meinen beiden Disziplinen (Riesenslalom und Slalom, d. Red.) starten zu dürfen. Und ich will das Ganze genießen. Die Vorfreude ist riesig. Bei einer Heim-WM starten zu können, ist ein riesiges Privileg. Das ist echt lässig. Da kann ich in 20, 30 Jahren meinen Kindern davon erzählen.

Wie sieht konkret die Vorbereitung auf die WM-Rennen aus?

Es stehen jetzt am Montag und Dienstag Konditionseinheiten auf dem Programm. Danach sind drei Tage Training im Hinblick auf Hinterstoder angesagt. Vor den WM-Auftritten (Riesenslalom am 18. Februar, Slalom am 20. Februar, d. Red.) geht es noch nach Italien zu zwei Europacup- Rennen in Monte Pora. In meinem Fall ist es sehr wichtig, im Rennrhythmus zu bleiben. Auch will ich im Europacup vorn dabei bleiben, was wieder in Sachen FIS-Punkte wichtig ist.

Dann bekommen Sie neben Ihren Rennen von der WM gar nichts mit?

Ich denke, die Eröffnungsfeier werden wir noch mitmachen, aber dann liegt der Fokus klar auf den eigenen Rennen. Am Fernseher kann man ja vieles mitverfolgen.

Gibt es für einen Skirennläufer so etwas wie einen Heimvorteil?

Natürlich bin ich den Gudiberg und die Kandahar schon sehr oft runtergefahren, die letzten Tage haben wir noch drauf trainiert. Ob sich das wirklich in was Zählbares auswirkt, ist was anderes. Generell ist die Tagesform entscheidend. Die Beschaffenheit der Strecke ist auch nie gleich.

Sie haben zuletzt in Welt- und Europacup zehn Rennen binnen 19 Tagen absolviert, es ging dabei auch immer um die Qualifikation zur WM. Wie anstrengend war der Januar?

Ich bin seit vier Jahren im Weltcup unterwegs, ich kenne das jetzt schon. Natürlich war und ist eine nervliche Anspannung da. Man sollte sich aber immer aufs Hier und Jetzt konzentrieren und alles andere ausblenden. Körperlich ist es natürlich auch sehr anstrengend, aber es gibt ja Fahrer, die absolvieren alle fünf Disziplinen. Wenn man sieht, wie ein Ivica Kostelic in Kitzbühel erst die Abfahrt absolviert und dann am gleichen Tag noch Slalom trainiert – dagegen sind wir reine Techniker ja echte Weicheier (lacht).

Ski-WM: Diese Nationen holten die meisten Medaillen

Maria Riesch hat 2009 bei der Ski-WM im französischen Val d'Isère im Slalom Gold geholt. Hier erfahren Sie, welche Länder in der Geschichte der alpinen Ski-Weltmeisterschaften die meisten Medaillen geholt haben:  © dpa
Platz 22: Sowjetunion (Teilnahme bis 1991). Gold: 0, Silber: 0, Bronze: 2, Medaillen insgesamt: 2. © 
Platz 21: Polen. Gold 0, Silber: 1, Bronze: 1, Medaillen insgesamt: 2. © dpa
Platz 20: Japan. Gold: 0, Silber: 1, Bronze: 1, Medaillen insgesamt: 2. © dpa
Platz 19: Slowenien. Gold: 0, Silber: 1, Bronze: 2, Medaillen insgesamt: 3. © dpa
Platz 18: Australien. Gold: 1, Silber: 0, Bronze: 1, Medaillen insgesamt: 2. © dpa
Platz 17: Spanien. Gold: 1, Silber: 0, Bronze: 1, Medaillen insgesamt: 2. © dpa
Platz 16: Tschechien. Gold: 1, Silber: 1, Bronze: 1, Medaillen insgesamt: 3. © dpa
Platz 15: Finnland. Gold: 1, Silber: 2, Bronze: 2, Medaillen insgesamt: 5. © dpa
Platz 14: Jugoslawien (bis 1991). Gold: 1, Silber: 3, Bronze: 5, Medaillen insgesamt: 9. © dpa
Platz 13: Luxemburg. Gold: 4, Silber: 4, Bronze: 3, Medaillen insgesamt: 11. © dpa
Platz 12: Großbritannien. Gold: 4, Silber: 4, Bronze, 3, Medaillen insgesamt: 11. © dpa
Platz 11: Liechtenstein. Gold: 5, Silber: 8, Bronze: 7, Medaillen insgesamt: 20. © dpa
Platz 10: Kroatien (seit 1991). Gold:6, Silber: 0, Bronze: 1, Medaillen insgesamt: 7. © dpa
Platz 9: Kanada. Gold: 12, Silber: 5, Bronze: 6, Medaillen insgesamt: 23. © dpa
Platz 8: Schweden. Gold: 17, Silber: 6, Bronze: 13, Medaillen insgesamt: 36. © dpa
Platz 7: USA. Gold: 18, Silber: 21, Bronze: 28, Medaillen insgesamt: 67. © dpa
Platz 6. Norwegen. Gold: 19, Silber: 17, Bronze 13, Medaillen insgesamt: 49. © dpa
Platz 5: Italien. Gold: 19, Silber: 19, Bronze: 20, Medaillen insgesamt: 58. © dpa
Platz 4: Deutschland. Gold: 33, Silber: 31, Bronze: 38, Medaillen insgesamt: 102. © dpa
Platz 3: Frankreich. Gold: 37, Silber: 48, Bronze: 30, Medaillen insgesamt: 115. © dpa
Platz 2: Schweiz. Gold: 59, Silber: 64, Bronze: 55, Medaillen insgesamt: 178. © dpa
Platz 1: Österreich. Gold: 81, Silber: 86, Bronze: 84, Medaillen insgesamt: 251. © dpa

Wie schwierig ist es denn, sich von einem Europacup- auf ein Weltcup-Rennen umzustellen?

Weltcup ist eben die erste Liga. Für einen Athleten macht das aber keinen großen Unterschied, du musst dein Ding durchziehen. Es ist jedoch eine gewisse Umstellung, wenn du im Europacup eine vordere Nummer hast und im Weltcup mit der Nummer 50 startest. Heuer habe ich es von der skifahrerischen Qualität drauf, im Weltcup unter die Top-30 zu fahren. Das war in den Vorjahren noch nicht so.

Werden Sie von den Top-Stars der Szene bereits wahrgenommen?

Also, ob mich der Bode Miller kennt, weiß ich nicht (lacht). Mit dem Ivica Kostelic habe ich letzten Winter gemeinsam in Innerkrems trainiert, da kennt man sich dann vom Sehen. Bei den Rennen tauscht man sich oft mit anderen Läufern aus. Smalltalk gibt es auf jeden Fall.

Ein Kostelic gewann zuletzt in Kitzbühel 125 000 Euro Preisgeld. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

Für den 16. Platz in Schladming habe ich jedenfalls nichts bekommen. Bis zu welchem Platz man etwas und wie viel bekommt, hängt immer vom Veranstalter ab. Für einen Sieg im Europacup gibt es vom Ausrichter meist 500 Euro. Ich bin Angestellter beim Zoll und habe da im Ski-Team eine optimale Unterstützung, die kümmern sich wirklich brutal um uns. Zusätzlich habe ich noch ein zweites Standbein, studiere im siebten Semester Internationales Management in Ansbach.

Sie stammen aus Schongau. Besteht dorthin noch ein Draht?

Ich bekomme viele Glückwünsche. Die Region ist Skisport- affin, ich merke schon eine gewisse Unterstützung. Schongau ist nach wie vor meine Heimat, im Sommer spiele ich beim TC noch Tennis.

Ganz ehrlich: Wie oft haben Sie schon von einem Medaillengewinn bei der WM geträumt?

Definitiv noch gar nicht. Was mich und die Medaillen betrifft, lassen wir die Kirche doch mal lieber im Dorf.

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