Paralympics-Star im tz-Interview

Anna Schaffelhuber über Sotschi, Glück und die Liebe

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Anna Schaffelhuber, fünffache Paralympicssiegerin.

München - Fünfmal Gold bei den Paralympics in Sotschi, vierter Platz bei der Wahl zum Sportler des Jahres und die große Liebe getroffen – das Jahr 2014 ließ sich gut an für Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber (21). In der tz lässt sie es Revue passieren.

Frau Schaffelhuber, ich muss Kritik üben. In der neuen Saison haben Sie bisher „nur“ acht von neun Europacups gewonnen.

Schaffelhuber: Unverzeihlich, nicht wahr?

Droht der Karriereabsturz?

Schaffelhuber: Es ist eben kein Selbstläufer, auch für mich nicht. Vergangenes Wochenende wurde ich in Kü­thai ausgerechnet im Slalom, meiner Lieblingsdisziplin, geschlagen. Die Piste war eisig, ich bin nicht so zurechtgekommen, es gibt immer etwas, woran man arbeiten kann.

In Sotschi haben Sie fünfmal Gold geholt. Jetzt können Sie es verraten: Wie viel Gold hatten Sie sich vorgenommen?

Schaffelhuber: Irgendwas Goldenes sollte schon dabei sein. Ich wusste, dass ich fünfmal Goldmedaillen schaffen kann. Aber wie man so schön sagt, da muss alles passen.

Woher nehmen Sie das Selbstvertrauen?

Schaffelhuber: Ich habe im Vorfeld 15 von 16 Europacups gewonnen. Ich wusste, das mir die Strecke liegt, im Jahr zuvor hatte ich beim Saisonabschluss alle drei Rennen in Sotschi gewonnen.

Und dann sind Sie Tag für Tag aufgewacht und hatten immer eine Goldene mehr um den Hals. Muss ein gutes Gefühl gewesen sein.

Schaffelhuber: Durchaus. Vor dem ersten Rennen war ich nervös, aber als es gleich in der Abfahrt, meiner schwächsten Disziplin, mit Gold geklappt hat, sind rund 400 Kilogramm Last von meinen Schultern abgefallen. In den technischen Disziplinen war ich favorisiert.

Beinahe hätte Ihnen ein Protest einer anderen Nation im Slalom, dem letzten Rennen, das fünfte Gold gekostet. Sie sollen einen Frühstart hingelegt haben.

Schaffelhuber: Diese zwei Tage bleiben im Gedächtnis, das werde ich nie vergessen. Ich war mir sicher, dass ich disqualifiziert bin. Ein paar Minuten vor dem zweiten Durchgang hieß es plötzlich, dass ich unter Vorbehalt doch starten darf. Die psychische Belastung war immens, zumal ich im Ziel weder meine Zeit wusste, noch ob sie überhaupt in die Wertung genommen wird. Das wurde erst tags darauf entschieden.

Bei Ihrer Rückkehr nach Deutschland brachen die Einladungen und Ehrungen nur so über Sie herein.

Schaffelhuber: Der Hype war riesengroß, ich bin von Interview zu Interview und Sendung zu Sendung geeilt. Aber auch danach ebbte das Interesse nicht ab. Das hat mich überrascht, aber auch gefreut, ich will unseren Sport ja bekannt machen.

Bei der Wahl zum Sportler des Jahres landeten Sie mit 1256 Stimmen auf Rang vier relativ weit hinter Siegerin Maria Höfl-Riesch (3147). Die hat in Sotschi „nur“ eine Goldmedaille gewonnen.

Schaffelhuber: Ich freue mich, der vierte Platz ist richtig gut, wenn man bedenkt, wo paralympische Athleten in den vergangenen Jahren gelandet sind. Aber objektiv gesehen, ist es schade, dass immer noch so ein großer Unterschied zwischen olympischen und paralympischen Sportlern gemacht wird. Hätte ich bei Olympia fünf Goldmedaillen gewonnen, wäre ich sicher auf dem Podium gestanden. Trotzdem denke ich, dass wir auf einem guten Weg sind und die Akzeptanz langsam steigt.

Abgesehen davon lief das Jahr 2014 aber ziemlich perfekt, oder?

Schaffelhuber: Das stimmt, ich hatte mich nach 2013 schon gefragt, wie man das noch toppen kann. Nach den Erfahrungen von Sotschi denke ich Ende dieses Jahres ähnlich.

Im Vergleich zu 2013, hat sich 2014 neben dem sportlichen Erfolg auch das Glück in der Liebe dazugesellt.

Schaffelhuber: Michi und ich sind seit gut einem halben Jahr zusammen, wir kennen uns von einer Hochzeit gemeinsamer Freunde. Wir sollten aber nicht verkuppelt werden, sondern sind zufällig ins Gespräch gekommen. Er ist mein Ruhepol, ich kann mit ihm über alles sprechen.

Haben Sie Weihnachten zusammen gefeiert?

Schaffelhuber: Am 24. Dezember waren wir jeweils bei unseren Familien, die Weihnachtsfeiertage haben wir zu gemeinsamen Familienbesuchen genutzt, quasi die klassische Variante. Da war’s uns zwar nicht langweilig, aber dafür habe ich einige Menschen gesehen, die ich sonst leider nicht so oft sehe.

Glück im Sport, Glück in der Liebe. Außer Platz eins im nächsten Slalomrennen, gibt es sonst überhaupt irgendwas, das Sie sich für das kommende Jahr wünschen?

Schaffelhuber: Eigentlich nicht. Ich bin im Moment wunschlos glücklich.

Interview: Mathias Müller

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