Jenny Wolf auf Goldkurs

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Jenny Wolf.

Berlin - Jenny Wolf sprintet in der Gold-Spur von Vancouver, Anni Friesinger feiert ihren Bruder, Präsident Heinze erwägt Konsequenzen bei einem negativen CAS-Urteil.

Der Fall Claudia Pechstein hat am Wochenende den Saisonstart der Eisschnellläufer in Berlin überlagert. “Es ist schade, dass es uns hier nicht gelungen ist, die Athleten von der 'Causa Pechstein' fernzuhalten“, beklagte Gerd Heinze, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), nach den deutschen Meisterschaften in Berlin, deren Resultate vom Anspruch einer Olympia-Saison insgesamt weit entfernt waren.

Heinze glaubt weiter felsenfest an einen Freispruch der wegen auffälliger Blutwerte gesperrten Olympiasiegerin Claudia Pechstein durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS in dieser Woche. “Wenn das Urteil nicht aufgehoben wird, würde die Glaubwürdigkeit leiden und mein Rechtsempfinden erheblich Schaden nehmen. Dann würde ich auch die Konsequenzen ziehen“, erklärte der Präsident, wollte aber nicht darauf eingehen, wie weit diese reichen könnten. Die langen Schatten, die der Fall Pechstein auf die deutsche Eisschnelllauf-Szene wirft, konnte in Berlin nur Weltmeisterin Jenny Wolf ein wenig verdrängen. In 38,04 Sekunden war die Berliner Sprint- Königin so schnell wie noch nie zum Saisonauftakt und holte sich nach zwei Läufen mit 76,30 Punkten ihren elften Titel, den dritten in Serie über 500 Meter. “Ein gutes Zeichen. Ich bin voll im Fahrplan“, meinte die Weltmeisterin strahlend, nachdem sie zuvor mit ihren 38,35 nicht zufrieden war und dem ungewöhnlichen Modus mit Rennen an zwei verschiedenen Tagen gehadert hatte.

Diese Wintersportarten sind olympisch

Snowboard: In Sotschi werden in dieser Sportart in zehn Disziplinen Medaillen vergeben © dpa
Slopestyle: Diese Snowboard-Disziplin ist seit 2014 neu im Olympia-Programm. Die Fahrer müssen einen Parcours absolvieren und dabei Drehungen und Grabs zeigen. Die Jury gibt dafür Punkte. © dpa
Cross: Hier müssen mehrere Snowboarder gleichzeitig eine Abfahrtsstrecke bewältigen © dpa
Halfpipe: Auch in der Halfpipe können Snowboarder um Gold, Silber und Bronze kämpfen © dpa
Parallel-(Riesen-)Slalom: Hier geht es "Mann gegen Mann" beziehungsweise "Frau gegen Frau". Zwei Fahrer treten gegeneinander an. © dpa
Bob: Hier fallen drei Entscheidungen. Und zwar im Zweierbob (Damen und Herren) und im Viererbob © dpa
Curling: Für Außenstehende ein Rätsel - für die Spieler harte Arbeit. Beim Curling versuchen zwei Mannschaften zu je vier Spielern, ihre Steine näher an den Mittelpunkt des Zielkreises auf der Eisbahn zu spielen als das gegnerische Team. © dpa
Skeleton: Kopf voran in die Eisröhre! Zwei Garnituren Gold, Silber und Bronze werden hier vergeben. © dpa
Eiskunstlauf/Eistanz: Hier ist Eleganz auf Kuven gefragt. In fünf Disziplinen wird um Gold gekämpft - zum ersten Mal auch als Team-Wettbewerb. © dpa
Eisschnelllauf: 12 Mal Gold gibt es im Eisschnelllauf in Sotschi zu gewinnen. Die Distanzen reichen von 500 Metern bis 10.000 Metern. Auch die Teamverfolgung steht auf dem Programm. © dpa
Rennrodeln: Hier dominieren seit Jahren die Deutschen. Vier Medaillen werden in Sotschi vergeben, davon zwei im Einsitzer (Damen und Herren) und eine im Doppelsitzer. Die vierte Medaille wird in einer Disziplin vergeben, die neu bei Olympia ist. Und zwar im ... © dpa
Rennrodeln-Staffel: Sie feiert in Sotschi Premiere. Die Staffel besteht aus einem weiblichen und einem männlichen Einsitzer-Fahrer, sowie einem Doppelsitzer. Die Deutschen Felix Loch (l-r), Tobias Arlt, Tobias Wendl und Natalie Geisenberger sind haushoher Favorit. © dpa
Ski Alpin: Insgesamt zehn Mal Gold wird in den alpinen Disziplinen vergeben - in der Abfahrt, im Super G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Kombination. © dpa
Eishockey: Zwei Goldmedaillen werden ausgespielt - jeweils eine bei den Herren und bei den Damen. © dpa
Langlauf: In der Loipe werden zwölf Goldmedaillen vergeben. Und zwar im Skiathlon (2 x 7,5 Kilometer), im Sprint, im Team-Sprint, über 10 und 30 Kilometer (Damen) und 15 und 50 Kilometer (Herren) sowie in der Staffel (4x5, bzw. 4x10 Kilometer).  © dpa
Skispringen: Insgesamt wird im Skispringen in vier Wettkämpfen um den Sieg gekämpft, dabei werden drei bei den Männern vergeben (Normalschanze, Großschanze, Team) und einer beim ... © dpa
Skispringen der Damen: Auch das ist neu bei Olympia 2014. Die wagemutigen Damen dürfen allerdings "nur" von der Normalschanze hüpfen. © dpa
Ski-Freestyle: Die Artisten auf zwei Brettern kämpfen um insgesamt zehn Goldmedaillen. Für sie heißt es auf der  Buckelpiste alles geben, sowie im Ski Cross, Slopestyle, im Sprung und - ab 2014 ganz neu dabei - im ... © dpa
Ski-Freestyle Halfpipe: In der halbierten Röhre gilt es für die Frauen und Männer, hohe Sprünge und spektakuläre Tricks zu zeigen. Dafür vergibt die Jury Punkte - und am Ende Gold, Silber und Bronze. © dpa
Biathlon: Wer trifft und flink läuft, der hat im Biathlon große Chancen auf den Sieg. Elf Mal Gold wird ausgekämpft. Neben Sprint, Verfolgung, 15 bzw. 20 Kilometer, Massenstart und der Staffel, steht ab 2014 eine neue Disziplin auf dem Olympia-Programm. Es ist die ... © dpa
Biathlon Mixed-Staffel: Das gemischte Team aus zwei Frauen und zwei Männern feiert Premiere bei Olympia. © dpa
Nordische Kombination: In die Skisprungspur UND in die Langlaufloipe müssen die Nordischen Kombinierer. Die Athleten haben die Chance auf drei Goldmedaillen. © dpa
Shorttrack: Bei dieser Sportart werden in Sotschi acht Medaillen vergeben. Bei den Herren und Damen über 500, 1000 und 1500 Meter, sowie in der Staffel. © dpa

“Ich habe die Zeit genutzt, um an drei Schrauben die Einstellungen der Schlittschuhe zu ändern, dadurch hatte ich ein besseres Gefühl“, verriet sie dann das Geheimnis ihrer Steigerung auf die drittbeste Zeit der noch jungen Saison. Schneller war bislang nur Erzrivalin Beixing Wang (37,59/37,77) auf der Hochland-Bahn in Calgary. Die Chinesin wird bereits kommende Woche beim Weltcup in Berlin ihr wahrer Gratmesser für die Olympia-Saison werden.

In Abwesenheit der noch durch ein dickes Knie gehandicapten Anni Friesinger-Postma lief Daniela Anschütz-Thoms ohne große Gegenwehr über 1500 Meter zu ihrem zehnten Meistertitel. Allerdings passte sich ihre Zeit von 1:59,50 Minuten dem insgesamt dürftigen Niveau an. “Das ist wahrlich keine Klassezeit“, räumte die 34-jährige Thüringerin nach ihrem Meister-Hattrick auf der Mittelstrecke ein.

Anni Friesinger-Postma machte hingegen einen Luftsprung hinter der Bande, als ihr Bruder Jan auch über 1500 Meter den Favoriten ein Schnäppchen geschlagen und in 1:49,95 seinen zweiten Meistertitel in Berlin erkämpft hatte. Fast fünf Jahre hatte Jan Friesinger, der ganz individuell in Norwegen trainiert, keinen Titel mehr gewonnen. “Nun ist er erfolgreichster Teilnehmer der Titelkämpfe - damit konnte keiner rechnen“, meinte Schwester Anni, die nun ihren Saison-Einstieg kommende Woche beim Weltcup plant. Ob dann auch Pechstein wieder eingreifen kann, wird der CAS nicht vor dem 5. November entscheiden. Die DESG hat für sie aber zumindest die Startplätze reserviert.

Ein kleines Achtungszeichen gelang dem Chemnitzer Nico Ihle, der über 500 Meter in 35,85 Sekunden so schnell war wie noch nie ein Meister vor ihm. Hingegen enttäuschten einige etablierte Männer wie die Berliner Tobias Schneider (5000 m) und Samuel Schwarz (1000/1500 m). “Sie haben dem eigenen Erwartungsdruck nicht standgehalten“, kritisierte Heinze. “Diese Leistungen waren vom internationalen Standard weit entfernt.“

dpa

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