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Uwe Krupp: Abschied oder neuer Anlauf?

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Uwe Krupp ist als Co-Trainer seines Ex-Klubs Colorado Avalanche im Gespräch
Uwe Krupp ist als Co-Trainer seines Ex-Klubs Colorado Avalanche im Gespräch © dpa

Köln - Uwe Krupp muss sich entscheiden, die Frist für den Eishockey-Bundestrainer läuft ab. Geht er? Oder nimmt er noch einmal Anlauf, wie sein Verband es sich wünscht? Es gibt Zeichen, wie er entscheidet.

“Er wird die Entscheidung treffen, die für ihn am meisten Sinn macht“, meint Marcel Goc, Kapitän der Nationalmannschaft bei der Heim-WM.

Immer wieder wurde die Frage nach Krupps Zukunft bei dieser Weltmeisterschaft gestellt, sein Vertrag endet nach dem Turnier. “Nein“, sagte der Bundestrainer auch vor dem Zwischenrunden-Abschluss gegen die Slowakei am Dienstag, er wisse noch nicht, wie es weitergeht.

Doch die Zeichen stehen schon länger auf Abschied. Vertraute des 44-Jährigen sagen, Krupp wolle zurück nach Nordamerika. Entweder als Assistenztrainer zum NHL-Club Colorado Avalanche, mit dem er als bislang einziger Deutscher 1996 den Stanley Cup gewann. Oder als Coach in die unterklassige AHL, um sich dort für einen Posten in der stärksten Liga der Welt zu bewerben.

Auch privat würde dieser Wechsel für Krupp Sinn machen. Seine in den USA lebende Frau Valerie ist an Krebs erkrankt, überredete ihn aber, zumindest bei der WM im Job zu bleiben. Sein Sohn Björn kämpft derzeit beim kanadischen Juniorenteam Belleville Bulls um den Sprung in die NHL. Das Pendeln nach Übersee zwischen Familie und Bundestrainer-Beruf dürfte auf Dauer auch Krupp zu stressig sein, der im vorigen Jahr seinen Wohnsitz wegen der WM nach Köln verlegte.

Nach Olympia schien das baldige Ende der seit Dezember 2005 währenden Ära Krupp eigentlich besiegelt. In Vancouver verlor die wohl stärkste Auswahl in der Geschichte des Deutschen Eishockey- Bundes (DEB) alle vier Partien. “Die Leistung war schlecht“, urteilte am Rande der WM sogar der damalige Chef des deutschen Olympia-Teams, Bernhard Schwank. Schon bei der WM im Vorjahr hatten sich Krupps Cracks blamiert, nur die Gastgeber-Rolle in diesem Jahr verhinderte den Abstieg.

Seither ist Krupp dünnhäutig geworden. Er fühlt sich unverstanden von Öffentlichkeit und Medien. Seine Arbeit werde nur oberflächlich bewertet, schimpft er immer wieder. Auch in den WM-Tagen von Köln, seiner Geburtstadt und Anfangspunkt seiner großen Karriere, war Krupp von rheinischem Frohsinn weit entfernt. Abseits des Eises glitt ihm nur selten ein Lächeln über die Lippen, obwohl sein Team mehrfach begeisterte. Doch gerade der Leistungssprung der Mannschaft, die das hungrige Eishockey-Publikum mitriss, lässt den DEB noch auf ein Umdenken von Krupp hoffen. “Ich habe immer gesagt, dass es für Uwe sicher eine Rolle spielen wird, wie die Mannschaft abschneidet. Aber ein gutes Abschneiden, das man jetzt schon konstatieren kann, ist noch keine Garantie, dass er weitermacht“, erklärte Verbandschef Uwe Harnos.

Und so könnte der DEB schon in den nächsten Tagen auf Trainersuche gehen müssen. Drei Namen werden bei der Nachfolger-Debatte immer wieder genannt: Ex-Bundestrainer Hans Zach, der als Meister in Hannover aufhörte. Ralph Krueger, der die Schweiz in 13 Jahren nach vorn brachte. Und als Joker sogar Harold Kreis, der eigentlich in Mannheim im Wort steht, aber bei der WM als Krupps Assistenzcoach schon sichtbar Einfluss nahm.

dpa

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