Ski-Legende im tz-Interview

Lasse Kjus: "Zu viel Seriosität erschlägt dich"

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Lasse Kjus (44) holte in Vail fünf Medaillen bei fünf Starts. Im Interview erklärte der Norweger tz-Reporter Mathias Müller (li.), was dazu nötig war.

Vail - Bei der WM 1999 in Vail schlug seine große Stunde: Lasse Kjus gewann fünf Medaillen (zweimal Gold, dreimal Silber). Heute führt der Norweger seine eigene Bekleidungsfirma Kjus. Das tz-Interview.

Bei der WM 1999 in Vail schlug seine große Stunde: Lasse Kjus gewann fünf Medaillen (zweimal Gold, dreimal Silber). Heute führt der Norweger seine eigene Bekleidungsfirma Kjus. Wie beliebt er nach wie vor ist, wird deutlich, als ihn die tz auf der ISPO trifft. Das Interview muss mehrmals für Fanfotos unterbrochen werden. Auch für uns muss er am Ende kurz posieren.

Lasse, in Vail ist WM, wie soll ich Sie nennen: Mr. Vail oder Mr. Kjus?

Kjus (grinst): Ich bevorzuge Mr. Vail, das trifft es. Nach meinem Besuch hier in München fliege ich hin, die Veranstalter haben mich eingeladen.

Eine Ski-WM in Vail ohne Mr. Vail ist auch nur schwer vorstellbar.

Kjus: Ich war seitdem ein paar Mal in Vail, das sind immer tolle Erinnerungen, diese 14 Tage waren das Highlight meiner Karriere. Ich hatte das so nicht geplant, ich war selbst überrascht. Im Starthaus hatte ich immer ein Bild im Kopf, eine Vorstellung, wie das Rennen verlaufen soll. Wenn du deine Stöcke in den Schnee steckst, willst du gewinnen. Das Entscheidende war der Fokus, ihn über zwei Wochen aufrechtzuerhalten, das war die größte Herausforderung.

Die Fokussierung, ist das der Schlüssel zum Erfolg bei Großereignissen?

Kjus: Die Mentalität macht viel aus. Ich habe mir vorher klargemacht, dass die Weltmeisterschaft etwas Besonderes ist. Die Emotionen, der Wille, das habe ich gebraucht.

Viele Athleten empfehlen genau das Gegenteil.

Kjus: So oder so, man darf sich nicht verrückt machen. Ich war immer unbekümmert, der Erfolg stellte sich dadurch nicht automatisch ein. Aber zu viel Seriosität kann dich erschlagen.

Der Slalom war nicht Ihre beste Disziplin, trotzdem haben Sie Silber gewonnen. Da waren Sie wohl besonders unbekümmert?

Kjus: Diese Medaille hatte ich am wenigsten erwartet. Allerdings bin ich eine Woche vor der WM in der Kombination in Wengen sehr gut Slalom gefahren.

Ihr einziges Slalompodium. Sie waren Dritter, obwohl Sie das erste Tor rückwärts durchfahren haben.

Kjus: Genau, durch dieses Erlebnis hatte ich plötzlich meine Slalomform gefunden. Ich wusste, dass ich eine Chance habe, wenn mir die Verhältnisse entgegenkommen. Ich hatte Glück, es war sehr eisig. Aber ich muss zugeben, als ich nach dem ersten Durchgang geführt habe, bin ich ins Grübeln gekommen. Da habe ich realisiert, dass es möglich ist, fünf Medaillen zu holen. Vorm zweiten Lauf hatte ich große Probleme, cool zu bleiben.

Fünf Medaillen, ist das heute noch möglich?

Kjus: Bei den Männern nicht, bei den Damen hätte Tina Maze die Chance. Lindsey wäre früher infrage gekommen, im Moment aber nicht.

Ein junger Norweger, der in der zweiten Woche für Furore sorgen könnte, ist Henrik Kristoffersen. Was halten Sie von ihm?

Kjus: Er ist ein Wunderkind in der Übergangsphase. Vergangenes Jahr hat er alle überrascht und ist etwas über seinen Möglichkeiten gefahren. Er hat gar nicht daran gedacht, dass er einen Fehler machen könnte. In dieser Saison sind die Erwartungen höher, es läuft nicht mehr von alleine, er muss noch mehr investieren, um auf das gleiche Level zu kommen. Aber für die Zukunft ist er ein heißer Tipp.

Sie verfolgen den Skizirkus nach wie vor intensiv. Wie sehr sind Sie ins tägliche Geschäft bei Kjus eingebunden?

Kjus: Sehr. Als wir die Firma 1999 gegründet haben, waren wir zu dritt, jetzt sind es ungefähr 100 Mitarbeiter in 32 Ländern. Im Moment versuchen wir, im Golf Fuß zu fassen.

Dann sollten Sie sich in Vail an Lindsey Vonn halten, Tiger Woods ist ja auch da.

Kjus (grinst): Es gibt nicht viele Firmen, die sich Tiger leisten können. Da müsste ihn Lindsey überreden…

Interview: Mathias Müller

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