Biathletin im tz-Interview

Dahlmeier: "Mir wird jetzt noch anders"

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Laura ­Dahlmeier ­verunglückte beim Klettern in den Bergen.

München - Klettern, Mountainbiken, Slacklinen – Laura Dahlmeier (21) ist nicht nur begeisterte Biathletin, sondern auch Naturliebhaberin. Im tz-Interview spricht Dahlmeier über einen folgenschweren Kletterunfall, den Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle und die Saisonaussichten.

Laura, vor knapp zwei Monaten sind Sie bei einer Klettertour gestürzt.

Dahlmeier: Das war am 8. August.

Das kommt wie aus der Pistole geschossen.

Dahlmeier: Es beschäftigt mich leider noch, mehr als wir alle gehofft hatten. Ich habe mit jemandem aus meiner Familie eine nicht besonders schwere Mehrseillängentour im Zugspitzmassiv gemacht. Der Unfall war ein dummer Zufall. Mir ist eine Felsschuppe, also ein Griff, ausgebrochen, und dann bin ich leider ein paar Meter abgestürzt.

Wie tief sind Sie gestürzt?

Dahlmeier: Es ist schwer zu sagen, aber es waren schon ein paar Meter. Das Gelände war stufig. Steil wäre besser gewesen, denn dann wäre ich im Seil gelandet und es wäre vermutlich nicht so viel passiert. So bin ich unter anderem auf den Fuß geflogen. Durch den Aufprall kam es zur Stauchung und zum Bänderriss, die genaue Diagnose war ein Bone Bruise (Knochenfraktur).

Wie sind Sie wieder den Berg heruntergekommen?

Dahlmeier: Gar nicht. Die Bergrettung musste kommen, mit einer Knöchelfraktur fällt das Abseilen auch oder gerade in einfachem Gelände sehr schwer. Ich konnte meinen Fuß ja nicht mehr belasten.

Mit etwas Abstand: Überwiegt der Ärger oder sind Sie froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist?

Dahlmeier: Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist. Die Fußverletzung ist noch akzeptabel, auch wenn sie mich im Training mittlerweile länger beschäftigt als gedacht. Ich war mit der Mannschaft auf dem Dachsteingletscher und habe normal mittrainiert. Während der Belastung habe ich beim Skaten nichts gemerkt, aber danach war der Fuß wieder dick. Also musste ich ihn zwei Wochen ruhig halten. Statt zu Skaten, saß ich auf dem Crosstrainer oder auf dem Spinning-Bike.

Wie lange dauert der Heilungsprozess noch?

Dahlmeier: Das lässt sich noch nicht so ganz abschätzen. Mein Ziel ist, dass ich zur Saisonvorbereitung am 10. November nach Skandinavien mitfahre und beim ersten Weltcup Anfang Dezember dabei bin.

Vergangenes Jahr stürzte Miriam Gössner auf dem Mountainbike. Dieses Jahr Sie beim Klettern. Gibt’s bald ein Verbot vom Verband?

Dahlmeier: Offiziell wird uns nichts vorgeschrieben, aber zwischen den Zeilen hört man schon, dass es nicht so erwünscht ist. Das ist ja auch verständlich. Dementsprechend versuche ich, das Risiko so gering wie möglich zu halten, ein gewisses Restrisiko bleibt immer.

Für den ersten Weltcup sind bisher neben Ihnen nur Franzi Hildebrand und Franzi Preuss gesetzt.

Dahlmeier: Vor zwei, drei Jahren sah das noch anders aus. Jetzt sind wir eine extrem junge Mannschaft...

...Franzi Hildebrand ist mit 27 die „Oma“ der Truppe.

Dahlmeier: Kurios, oder? Aber man muss sich keine Sorgen machen, es sind schon Mädels da. Wenn alles passt, können die Jungen vielleicht auch bald um die Top Ten mitlaufen.

Die „Jungen“, das klingt witzig. Sie sind selbst erst 21 Jahre alt. Durch die Olympischen Spiele 2014 haben Sie aber schon einiges mitgemacht. Konnten Sie Sotschi genießen?

Dahlmeier: Es war cool, die Wettkämpfe und das ganze Drumherum mitzuerleben. Aber die Gesamtsituation war schwierig. Miri war nicht dabei, Andrea ist leicht krank angereist, und obendrauf kam noch die Geschichte mit Evi.

Evi Sachenbacher-Stehle wurde positiv auf Methylhexanamin getestet. Wann haben Sie es gewusst?

Dahlmeier: Es wurde uns auf einer internen Besprechung vor der Staffel mitgeteilt. Es hieß, dass es einen Dopingfall in der deutschen Biathlonmannschaft gebe und dass es die Evi sei. Wir waren alle total fassungslos und dachten, das kann nicht sein. Mir wird jetzt noch ganz anders, wenn ich daran denke.

Hat die Nachricht das Rennen beeinflusst?

Dahlmeier: Wir sind alle wie gelähmt aus der Besprechung herausgegangen. Selbst wenn die Franzi in der Staffel ein perfektes Rennen gelaufen wäre, ich glaube nicht, dass wir um die Medaillen hätten mitkämpfen können. Der Dopingfall war eine Extremsituation, aber solche Erfahrungen muss man eben machen. Mir kommt es so vor, als hätte ich in sehr kurzer Zeit fast alles erlebt.

Interview:  Mathias Müller

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