Biathlon-Star 2012 im Visier

Neuner über Morddrohungen: "Ausblenden geht nicht"

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Konnte die Ziele nicht immer so unbeschwert ins Visier nehmen: Magdalena Neuner sah sich 2012 bei der WM in Ruhpolding Todesdrohungen ausgesetzt.

München - Wenn Magdalena Neuner über die Terroranschläge von Paris spricht, muss sie auch an eine ganz persönliche Bedrohung denken. Bei der Heim-WM 2012 fürchtet sie um ihr Leben.

Ruhpolding im März 2012, Magdalena Neuner kämpft bei ihrer Heim-WM um Gold. Was wenige wissen: Die Biathlon-Königin hat kurz zuvor eine Morddrohung erhalten und wird von zivilen Polizeikräften so gut es geht geschützt. Offiziell bestätigt wird der Vorfall erst Wochen später.

In den vergangenen Terrortagen, mit den verstörenden Bildern aus Paris und Hannover, musste die 28-Jährige wieder an Ruhpolding 2012 denken, wie sie der tz verriet. Ähnlich wie die Nationalspieler dieses Wochenende in der Bundesliga musste auch Neuner versuchen die Angst und die Gedanken an die mögliche Bedrohung zu überwinden. Leicht war das nicht. „Ich war im Aufwärmbereich und habe daran gedacht, dass jetzt jederzeit etwas passieren kann, aber ich wollte mir diese Weltmeisterschaft von niemand kaputt machen lassen. Es war mir so wichtig, dass für mich zu machen, ich wollte es mir nicht vermiesen lassen“, erklärt Neuner.

Es glückte, sie gewann insgesamt zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Unterstützung und Hilfe fand sie dabei bei einem Mentaltrainer, zu dem sie noch Kontakt hat. Heute hat sie diese Geschichte gut für sich „verarbeitet“. Die Situation der Nationalspieler schätzt Neuner noch etwas schlimmer ein als ihre eigene: „Die Sportler haben live einen Terroranschlag mitbekommen, ich glaube, dass so etwas in den Köpfen hängen bleibt. Das Ziel der Menschen ist, einen zu verunsichern, das gelingt leider sicher ein Stück weit, ganz ausblenden kann das niemand.“

Neuner macht sich Gedanken um Sicherheit

Auch Neuner, mittlerweile Mutter der eineinhalbjährigen Tochter Verena, macht die aktuelle Situation Sorgen. „Ich mache mir schon Gedanken“, sagt die Wallgauerin. „Ich habe jetzt die Verantwortung für einen Menschen. Die Überlegungen gehen immer mehr dahin, dass man die Kleine weitestgehend raushält. Ich nehme sie sowieso selten mit und werde sie auch im Winter nirgendwo mithinnehmen.“

Neuner arbeitet in dieser Saison als Biathlonexpertin für die ARD und wird von drei Weltcups live berichten. Dass Verena auf den Reisen und bei ihren Sponsorenterminen nicht dabei ist, hat „verschiedene Gründe“. Ein sehr wichtiger sei aber der Sicherheitsaspekt. Neuner: „Ich sitze oft im Flieger, auf Schalke beispielsweise ist eine große Menschenansammlung, die Gefahr ist letztlich immer und überall. Aber das ist ein Thema, das uns alle betrifft. Als Mama grübelt man vielleicht ein bisschen mehr, weil man an die Zukunft der Kinder denkt.“

Mathias Müller

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