Biathletin über Schießfehler und Forrest Gump

Gössner im tz-Interview: "Gesund ist das nicht"

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Miriam Gössner läuft wieder auf der Piste.

München - Miriam Gössner ist nach ihrem schweren Fahrradunfall wieder im Biathlon-Zirkus dabei. Im tz-Interview spricht sie über Schießfehler, ihren Freund Felix Neureuther und Forrest Gump.

Hallo, hier ist die Gössner Miri, schallt es freudig aus dem Telefon, als sich die 25-Jährige für das vereinbarte Gespräch mit der tz meldet. Gössner steht nach einer turbulenten Saison 2014/15 und vielen Aufs und Abs in den vergangenen Jahren wieder im Weltcupkader der deutschen Biathletinnen. Grund genug für ein Gespräch.

Frau Gössner, können Sie bitte folgenden Satz vervollständigen: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen...

Gössner: …man weiß nie, was man kriegt. Forrest Gump mit Tom Hanks, ich kenne den Film. Beziehen Sie das etwa auf mein Schießen (lacht)?

Nicht nur, trifft dieser Satz nicht auch generell auf Ihr Sportlerleben zu?

Gössner: Ich bin kein Mensch, der alles durchplant und durchtaktet, aber im Training versuche ich, auf ein bestimmtes Ziel hinzuarbeiten und dieses konsequent zu verfolgen. In den vergangenen Jahren hatte ich einige Verletzungen, die konnte man nicht voraussehen. Aber kein Mensch weiß, was die Zukunft bringt, oder?

Sie waren nicht immer Biathletin, angefangen hat alles als Skifahrerin.

Gössner: Ich bin als Kind Schülerrennen gefahren und war vorne dabei. Dann hatte ich einige Unfälle, einer davon schwerwiegend, eine Slalomstange schlug mir einige Zähne aus. Das Ski-Kapitel war damit mit 14 Jahren beendet.

Man weiß eben nie, was man kriegt. Aber wollten Sie immer Profi werden?

Gössner: Unbedingt, das war mein Wunsch. Mein Leben hat immer aus Sport bestanden, ich musste überall dabei sein. Ski, Langlauf, Leichtathletik, meine Eltern hat das wahnsinnig gemacht, speziell meine Mutter musste mich oft chauffieren, dafür bin ich ihr dankbar. Ich liebe den Wettkampf. Ob Training immer Spaß macht, sei dahingestellt, aber das Gefühl, sich im Wettkampf voll auszubelasten, das ist toll. Deswegen bin ich glücklich, dass ich meinen Sport ausüben kann.

2010 haben Sie in Vancouver Staffel-Silber bei Olympia geholt – als Langläuferin! So etwas ist schwer zu planen.

Gössner: Die Chancen, als Biathletin in Vancouver zu sein, waren utopisch, weil Kathi Wilhelm und die anderen Mädels zu stark waren. Ich wäre vielleicht als Ersatz mitgefahren. Aber nachdem ich bei der Biathlon-Junioren-WM 2009 in Canmore mit acht Schießfehlern Gold in der Verfolgung gewonnen hatte, hat mich Jochen Behle (damaliger Langlaufbundestrainer, d. Red.) gefragt, ob ich nicht ins Langlauflager wechseln will, weil ich läuferisch sehr stark sei. Der Plan ging auf.

Ihre Mutter Siv stammt aus Molde, Norwegen. Kommt von ihr Ihre Langlaufbegeisterung?

Gössner: Garmisch-Partenkirchen ist sehr alpinlastig, deswegen haben meine Schwester und ich früh mit dem Skifahren angefangen. In Norwegen ist Langlauf der Volkssport Nummer eins, auch meine Mutter ist viel gelaufen. Dadurch habe auch ich ein-, zweimal im Monat die Langlaufski ausgepackt. Als Acht- oder Neunjährige bin ich kleine Rennen mitgelaufen, aber nur zum Spaß. Viele, die mich gesehen haben, haben gesagt, dass ich mal etwas im Ausdauerbereich machen werde, weil ich dazu Talent habe. Sie hatten recht.

Forrest Gump hat eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter. Wie wichtig ist Ihnen die Familie?

Gössner: Meine Familie ist mein Leben. Ganz banal gesagt, gäbe es mich ohne meine Eltern ja gar nicht. Die Familie nimmt einen sehr wichtigen Teil bei mir ein, ich brauche das, und ich freue mich immer, wenn ich nach Hause komme und Menschen um mich habe, die ich mag.

Im Frühjahr 2012 hat Sie die Slalomstange eingeholt, Sie mussten sich wegen einer Entzündung einer Kiefer-OP unterziehen. Zudem wurde eine Glutenunverträglichkeit festgestellt, Sie verloren fast zehn Kilo. Wie geht es Ihnen heute damit?

Gössner: Das hat sich eingependelt und macht keine Probleme. Es ist schön, dass ich essen kann, ohne Bauchweh davon zu bekommen. Da helfen die Erfahrungswerte.

Im März 2012 trat Ihre Freundin Magdalena Neuner zurück, Sie sollten sie beerben. Hat Sie das belastet?

Gössner: Nein, gar nicht. 2013 war mein bestes Jahr, ich habe zwei Weltcups gewonnen und war Neunte im Gesamtweltcup. Dann kam leider der Radunfall dazwischen. (Gössner stürzte im Mai 2013 bei einer Radtour, verletzte sich am Rücken, d. Red.)

Ein Verweis auf die Pralinenschachtel ist wohl überflüssig. Forrest Gump musste als Kind wegen eines Wirbelsäulenleidens Beinschienen tragen. Hatten Sie bei Ihrem Weg zurück sinnbildlich auch mit Schienen zu kämpfen?

Gössner: Klar war es am Anfang komisch, aber ich war und bin da ja nicht die Einzige. Jeder Mensch, der einen schweren Unfall zu verkraften hat und länger außer Gefecht war, tut sich schwer bei mir war das nicht anders. Aber zum Glück hatte ich viele tolle Ärzte, Physiotherapeuten und Betreuer, die mir wahnsinnig geholfen haben.

Wer hat das schlimmere MRT-Bild: Sie oder Ihr Freund Felix Neureuther?

Gössner: Wenn ich an mein MRT vom Unfall denke, dann ich. Vier gebrochene Lendenwirbel, einige angebrochen, eine Bandscheibe kaputt, viel mehr geht nicht. Aber sein Rücken sieht auch nicht gerade gut aus, eigentlich sogar ziemlich mies. Gesund ist beides nicht. Aber ein paar Jahre kriegen wir das schon noch hin.

Lauf Miri, lauf! Wie oft haben Sie diesen Spruch auf der Strecke gehört?

Gössner: Wortwörtlich so noch nicht, die Anfeuerungsrufe gibt es ab der ersten Runde. Das kann bis ins Unermessliche ausufern, die Trainer steigern sich da voll rein und fiebern mit. Aber mir hilft das, dadurch fühlt man sich beim Kampf auf der Strecke nicht so alleine.

Wo laufen Sie 2015 hin, haben Sie sich Ziele gesetzt?

Gössner: Das habe ich, aber ob sie realistisch sind, wird sich erst herausstellen. Ich will mich ohne Druck herantasten. Natürlich will ich vom ersten Meter an super gut sein, aber das wollen alle. Ich versuche, das nüchtern zu betrachten und zu analysieren.

Ein Charakterzug, zu dem Sie sonst nicht unbedingt neigen.

Gössner (lacht): Da haben Sie recht. Ich bin ein brutaler Gefühlsmensch, bei mir merkt man schnell, wie es mir geht. Aber jetzt versuche ich mich erstmal darauf zu konzentrieren, schnell zu laufen und gut zu schießen.

Um sich zu verbessern, haben Sie auch mit Konkurrentin Kaisa Mäkäräinen trainiert.

Gössner: Nur zwei Wochen, und das bereits im Mai. Wir sind gute Freundinnen und haben die Zeit im Frühjahr genutzt. Wir machen auch im Winter ab und an etwas zusammen.

Training unter Konkurrenten, ist das ein Wintersportphänomen? Auch Felix trainiert mit Marcel Hirscher.

Gössner: Man kann etwas lernen, neue Eindrücke gewinnen. Felix sieht, was Marcel macht und andersherum genauso, am Ende profitieren beide.

Man könnte auch Angst haben, dass die Konkurrenz vorbeizieht.

Gössner: Wer nur eigenbrötlerisch agiert und nie seinen Horizont erweitert, wird keinen Schritt nach vorne machen. Außerdem ist das im Biathlon und im Ski Alpin simpel, letztlich trainieren alle ziemlich ähnlich.

Auch wenn Sie nicht über Ziele sprechen, die WM findet 2016 in Oslo statt. Da wollen Sie dabei sein, oder?

Gössner: Jeder Biathlet hat dieses Ziel, mir würde es aufgrund meines familiären Hintergrunds vielleicht noch etwas mehr bedeuten.

Forrest Gump hat am Ende ein Kind. Haus, Garten, Kind – das würde dem Familientyp Gössner gefallen, oder?

Gössner: Absolut, mein Traum war immer eine große Familie, ich hoffe, dass dieser Wunsch irgendwann in Erfüllung geht. Einen Hund haben wir ja schon.

Interview: Mathias Müller

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