Interview mit Snowboarderin Cheyenne Loch

„Ich dachte ganz oft ans Aufhören...“

Cheyenne Loch fährt Snowboard.
+
Rasant zum zum besten Weltcup-Ergebnis: Cheyenne Loch beim Parallelslalom von Bad Gastein, den sie auf 2. Platz beendete.

Platz zwei im Parallelslalom, Platz zwei im Teamwettbewerb – für Cheyenne Loch, 26, aus Schliersee war es die erfolgreichste Woche, seit sie vor zehn Jahren ihr Debüt im Snowboard-Weltcup gefeiert hatte. Unser Interview mit der glücklichen Spätstarterin.

  • Ihr Talent wurde früh erkannt - jetzt ist Cheyenne Loch erstmals aus dem langen Schatten von Selina Jörg und Ramona Hofmeister getreten.
  • Bei der WM, so sie denn stattfindet, will die Slalom-Spezialistin etwas gutmachen.
  • Spannende Vita: In Italien geboren - weil die Eltern eine Surf- und Segelschule am Gardasee hatten.

Cheyenne Loch, sind Sie endgültig in der Weltspitze angekommen?

Loch: Es ist eine gewisse Konstanz in meine Leistungen gekommen, deswegen glaube ich schon, dass man das so sagen kann. Ich hab in letzter Zeit immer wieder gezeigt, dass man mit mir rechnen kann, auch in den Qualis.

Macht es Sie besonders stolz, dass Sie auch die Topstars Ihres Verbands hinter sich gelassen haben, Ramona Hofmeister und Selina Jörg?

Loch: Stolz ist das falsche Wort. Ich trainiere ja mit den beiden, da wechseln wir uns immer ab mit den besten Zeiten. Es ist immer gut, gute Leute um sich herum zu haben. Man pusht sich gegenseitig, das ist ein großer Vorteil. Die beiden haben mir auch ganz oft gesagt, wie sehr sie sich für mich freuen – und dass es mal an der Zeit war.

Woran lag es, dass Sie so lange auf den Durchbruch warten mussten?

Loch: Richtig im Weltcup ging’s für mich erst 2014/15 los – und dann bald mit sehr viel Verletzungspech weiter. Allein in den letzten vier Jahren hatte ich vier OPs – und quasi drei komplette Comebacks. Körperlich und psychisch war das eine hohe Belastung.

Was waren das für schwere Verletzungen?

Loch: Zwei Kreuzbandrisse – teilweise mit Komplikationen, wo öfter operiert werden musste. Die letzte OP war dann letztes Jahr am Sprunggelenk, eine komplizierte Bänder-Muskel-Geschichte.

Ihre Karriere ging ja vielversprechend los – mit sechs Medaillen bei Junioren-Weltmeisterschaften. Hatten Sie zwischendurch an Aufgabe gedacht, als Sie oft verletzt waren und 2018 auf den letzten Metern Olympia verpassten?

Loch: Ja, der Gedanke ans Aufhören war ganz, ganz oft da. Ich war nicht nur einmal kurz davor, weil mir das alles zu viel wurde. Am Ende des Tages war aber immer etwas da, das mich auf dem Snowboard gehalten hat: Leute, die an mich geglaubt haben, Freunde, Familie, Trainer, Ärzte, Physios.

Mit der WM in Russland musste ein Großergebnis abgesagt werden, doch womöglich gibt es einen Ersatzausrichter: Bad Gastein. Das wäre ein gutes Omen, oder?

Loch: Zumindest habe ich unter der Woche gezeigt, dass ich da ganz gut fahren kann (lacht) – obwohl ich mir vorher nicht die größten Chancen ausgerechnet habe. Generell ist es immer blöd, wenn ein Großereignis abgesagt wird – und mit der WM hab ich eh noch eine Rechnung offen.

Die Rechnung von 2019 in Park City, als Sie Platz 21 im Riesenslalom belegten?

Loch: Ganz genau. Das war wirklich das schlimmste Rennen meiner Karriere. Mit riesigen Erwartungen angereist, die Chancen standen richtig gut – und am Ende war es eine komplette Nullnummer. Ich denke mal, ich wollte es einfach zu sehr. Das würde ich gerne wiedergutmachen.

Was würden Sie sich zutrauen, wenn es im März doch noch eine WM gibt?

„Eine WM-Medaille würde ich mir zutrauen“: Cheyenne Loch, 26, aus Schliersee.

Loch: Auf jeden Fall eine Medaille. Die Fähigkeiten eine zu holen, die habe ich jetzt.

Drei Fragen noch, die sich mit Blick auf Ihren Lebenslauf aufdrängen. Erstens: Geburtsort Riva am Gardasee. Wie kam’s dazu?

Loch: Meine Eltern hatten dort eine Segel- und Surfschule – deswegen hab ich dort die ersten fünf Sommer meines Lebens verbracht. Als ich dann in die Schule musste, haben sich meine Eltern für die Ski- und Snowboardschule am Spitzingsee entschieden.

Zweitens: Wie kam es dazu, dass Sie beim DFL-Supercup 2015 die Meisterschale ins Wolfsburger Stadion getragen haben?

Loch: Da gab’s so eine Aktion der Sporthilfe: „Spitzensport verbindet“. Ich bin angerufen worden und wurde gefragt, ob ich Lust habe, eine der Trophäen auf den Rasen zu tragen – da hab ich natürlich ja gesagt. Weil ich die einzige Bayerin war, war’s dann die Meisterschale. Ich freu’ mich, wenn Bayern gewinnt, aber als echten Fußballfan würde ich mich nicht bezeichnen.

Drittens: In Ihrem offiziellen Steckbrief geben Sie außergewöhnliche Hobbys an: Kochen, Putzen, Bügeln. Ihr voller Ernst?

Loch: Eigentlich war’s ein Scherz. Die Frage war, was ich während meiner Quarantäne gemacht habe – dass die das dann direkt reinschreiben . . . Naja, ich mach’ ja nicht ungern Hausarbeit, würde es aber nicht als Hobby bezeichnen.

Eigentlich war’s ein Scherz.

Cheyenne Loch über Ihre angeblichen Hobbys Kochen, Putzen und Bügeln.

Ihr Wohnort ist Schliersee, ein Corona-Hotspot, der gerade geschlossen wurde. Wie stark sind Sie als Berufssportlerin von der 15-km-Leine betroffen?

Loch: Nicht so sehr. Unsere Aufgabe ist ja das Rumreisen, dafür gibt es zum Glück Ausnahmegenehmigungen.

Auch interessant

Kommentare