Interview über die WM 2003

Neureuther: „Die Fernbedienung durfte ich nie haben“

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Felix Neureuther.

München - Die Reise nach St. Moritz wird für Felix Neureuther (32) auch zu einer Reise in die Vergangenheit. Als 18-Jähriger war er 2003 bei der letzten WM im Engadin schon dabei und wurde 15. im Slalom. Wir prüften, wie gut seine Erinnerungen an 2003 noch sind.

Herr Neureuther, Herrencheftrainer Martin Oßwald nominierte damals – auch auf Druck von oben – junge Athleten, darunter Sie: Wie haben Sie die Situation erlebt?

Neureuther: Ich bin zu der Zeit nur FIS- und Europacuprennen gefahren und habe überhaupt nicht damit gerechnet. Aber als Mannschaft waren wir im Weltcup nicht richtig vertreten. Der Vogl Alois war erst später wieder im Team. Der Koges (Stefan Kogler, d. Red.) wurde nicht mitgenommen. Irgendwann hat man uns gesagt, dass die vorhandenen Startplätze vielleicht durch uns aufgefüllt werden und dass sich die Trainer die nächsten Rennen anschauen. Ich dachte mir: Habe die Ehre, wenn ich dabei wäre, das wäre nicht so schlecht. Dann haben sie mich tatsächlich mitgenommen und komplett ins kalte Wasser geworfen.

Es lief nicht schlecht. Mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang wurden Sie 15. Was sagt Ihnen in diesem Zusammenhang der Name Erik Schlopy?

Neureuther: Ein Amerikaner. Er wurde Vierter im Riesenslalom. Nein, Dritter, glaube ich, der hat eine Medaille gewonnen. Oder war er sogar Zweiter?

Er war Dritter, aber ich meinte im Bezug auf den Slalom?

Neureuther: Keine Ahnung. Ich weiß nur noch, dass sein Teamkollege Tom Rothrock im zweiten Durchgang Laufbestzeit mit mir hatte.

Herr Schlopy lag zeitgleich mit Ihnen auf Platz 15.

Neureuther: Ehrlich, das wusste ich nicht? Zeitgleich, das ist cool.

Was denken Sie, wer von den damaligen besten 30 ist heute noch dabei?

Neureuther (überlegt): Silvan Zurbriggen hat aufgehört, der hat Silber gewonnen. Ivica Kostelic Gold, der fährt auch nicht mehr. Bode (Miller, d. Red.) fährt nicht mehr. An Hans Petter Buraas kann ich mich noch erinnern, der hat kurz vor dem Ziel eingefädelt und ist im zweiten Durchgang ausgeschieden. Für mich war das gut, ich haben dank ihm Weltcuppunkte bekommen, weil ich 15. und nicht 16. geworden bin. Vielleicht Manni Moelgg, war der Manni da schon dabei? Oder Aksel Lund Svindal? Na, der Manni war noch nicht dabei, oder?

Wir lösen auf: Niemand.

Neureuther: Keiner? Ehrlich?

Wir zeigen Neureuther die Ergebnisliste, er gerät sofort ins Schwärmen.

Neureuther: Rocca Dritter, Hammer. Und Martin Hansson war dabei, brutal. Und ich war mit 1,74 Sekunden Rückstand gar nicht so weit hinten und habe mir relativ gute FIS-Punkte eingefahren. Drago Grubelnik, der ist leider ums Leben gekommen. Kiminobu Kimura, Wahnsinn, das wusste ich nicht mehr, ich bin echt mit Kiminobu Kimura zusammen gefahren, cool. Der Schweizer Urs Imboden war 21., mit ihm verbindet mich eine besondere Geschichte.

Und zwar?

Neureuther: Das liegt lange zurück. Wir waren in Bratislava und haben in aller Früh unser Hotel verlassen, weil wir uns auf den Weg zu einem Europacuprennen machen wollten. Leider hatten sie uns das Auto aufgeknackt. Unser Gepäck war weg, wir konnten nicht weiterfahren und haben von Bratislava aus mit aufgebrochenem Auto die Heimreise angetreten.

Neureuther nimmt sich abermals die Ergebnisliste und fotografiert sie.

Neureuther: Entschuldigung, aber das ist sensationell. Chip Knight habe ich kürzlich erst wieder auf der Hochzeit von Ted Ligety getroffen. Und, halt, ha, der Simari-Birkner fährt noch. Ich bin also doch nicht der Einzige.

Was sich zwischen 2003 und 2017 nicht geändert hat: Sie sollen damals schon kurz vor dem Rennen zur Rückenbehandlung im Zelt gelegen sein, stimmt das?

Neureuther: Das kann ich definitiv bestätigen. Ich war als 15-Jähriger zum ersten Mal bei Klaus Eder in Donaustauf zur Behandlung, da hat alles angefangen.

Die Rückenprobleme waren also keine Auswirkung Ihrer Kämpfe mit Zimmerkollege Andreas Ertl um die Fernbedienung.

Neureuther: Nein, auch wenn ich den Kampf eindeutig verloren habe, da gibt es keine Ausrede. Der Anderl, der war Wahnsinn. Wenn ich die Fernbedienung doch mal in der Hand hatte, hat er meinen Skischuh aus dem Fenster gehalten und gedroht ihn rauszuschmeißen. Dann habe ich sie lieber wieder rausgerückt.

Interview: Mathias Müller

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