Hirscher schnappt ihm Slalomweltcup weg

Neureuther: "Ich fühle mich leer"

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Felix Neureuther (l.) und Marcel Hirscher.

Méribel - Felix Neureuther verspielte als schwacher Zwölfter seinen 55-Punkte-Vorsprung im Slalomweltcup. Die Enttäuschung ist natürlich riesig.

Wie der Vater, so der Sohn. Auf Familie Neureuther traf diese Floskel gestern beim Skiweltcupfinale in Méribel völlig zu. Felix Neureuther erlebte ein Déjà-vu und verspielte – analog zum vergangenen Jahr – im letzten Rennen der Saison als schwacher Zwölfter seinen 55-Punkte-Vorsprung im Slalomweltcup auf den Österreicher Marcel Hirscher, der souverän siegte. Auch Papa Christian war 1973 und 1974 zweimal in Folge „nur“ Zweiter.

„Seit der WM bin ich ziemlich platt. Wie hätte Giovanni Trapattoni gesagt? Flasche leer – genauso fühle ich mich“, sagte der Partenkirchner über seine abfallende Form seit Slalom-Bronze Mitte Februar. Und genauso trat Neureuther gestern auch auf und musste letztlich artig gratulieren: „Marcel hat wieder eindrucksvoll gezeigt, wie stark er ist. Damit hat er die Kugel absolut verdient. Wenn es im letzten Rennen um die Wurst geht und er das so gnadenlos runterdrückt, kann man nur den Hut ziehen“, sagte Neureuther.

Der große Triumphator Hirscher, der auch den Riesenslalom- und den Gesamtweltcup gewann, hatte Mitleid mit seinem Konkurrenten. „Für den Felix tut es mir extrem leid, das ist krass für ihn. Er ist ein unglaublich guter Slalomfahrer und ein super Typ“, sagte Hirscher und ergänzte: „Danke für den Fight, ­Felix.“

Auf Twitter erschien kurz nach der Entscheidung ein Bild der beiden Kontrahenten, auf dem ein fröhlicher Felix seinem Bezwinger zumindest die Süßigkeiten wegschnappte. Auch die Bedeutung der Kugel, seines „Lebenstraums“, spielte der 30-Jährige plötzlich herunter: „Kinder, es wird so ein Riesending aus der Kugel gemacht, dabei gibt es doch wirklich wichtigere Dinge.“ Doch wer zweimal hintereinander auslässt und den Slalomweltcup nur um 15 beziehungsweise 23 Punkte verpasst, der ist angefressen. Und das war Neureuther: „Das Lächeln fällt mir schwer. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als es nächsten Winter wieder zu versuchen. Für mich war es eine sehr, sehr gute Saison, die ich gerne gekrönt hätte. Aber es hat nicht sollen sein.“ Zudem hatte er offenbar seit der WM wieder mit Rückenproblemen zu kämpfen, von Taubheitsgefühlen im rechten Bein war die Rede. Besserung ist diesbezüglich in den nächsten Jahren nicht in Sicht.

Fritz Dopfer wiederum, diesmal Slalom-Zehnter, muss weiter auf seinen ersten Weltcupsieg warten und hoffen. Im Riesenslalom am Samstag raste der 27-Jährige hinter dem Norweger Henrik Kristoffersen zum wiederholten Mal auf den zweiten Platz. „Das ist ein richtiger Erfolg. Ich bin mit einem zweiten Platz in die Saison gestartet und höre mit einem zweiten Platz auf. Ich kann zufrieden sein“, sagte der WM-Zweite. Neureuther war im Riesenslalom nach einem klassischen Innenski­fehler ausgeschieden. Es kristallisierte sich als Sinnbild für das ganze Wochenende heraus. Aber: Das Leben geht weiter. Noch so eine Floskel…

mm

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