ARD und ZDF verlieren Übertragungsrechte

Olympia 2018 live im TV bei Eurosport: Das ändert sich für die Zuschauer

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Die ZDF-Sendung "Olympia Live" wird es bei den kommenden Spielen nicht mehr geben. 

München - Die Olympischen Winterspiele 2018 werden nicht von ARD und ZDF übertragen. Die Rechte liegen stattdessen beim Privatsender Eurosport. Das ändert sich für die Zuschauer. 

Die Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang werden zwar erst im Februar 2018 ausgetragen, für geschichtsträchtige Momente sorgt das Großereignis aber jetzt schon - zumindest für die deutschen Fernsehzuschauer. Denn zum ersten Mal in ihrer Geschichte dürfen die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF nicht live von den Spielen berichten. 

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte die europaweiten Übertragungsrechte für die kommenden vier Olympischen Spiele, also bis zu den Sommerspielen 2024, im Sommer 2015 an das us-amerikanische Unternehmen Discovery verkauft. Laut IOC bezahlte Discovery dafür die stolze Summe von 1,3 Milliarden Euro. 

ARD und ZDF bemühten sich daraufhin um Sub-Lizenzen, um die anstehenden Olympischen Spiele doch übertragen zu können. Zunächst umfassten die Verhandlungen mit Discovery die Rechte an den Winterspielen 2018 und die Sommerspiele 2020 in Tokio, im Laufe der Gespräche kamen die Rechte an den Spielen von 2022 und 2024 dazu. Am 28. November 2016 wurde bekannt, dass die Verhandlungen gescheitert waren. Angeblich hatte Discovery 300 Millionen Euro verlangt, während ARD und ZDF maximal 200 Millionen Euro boten. Offiziell bestätigt wurden diese Zahlen bislang aber nicht. 

Olympia 2018 bei Eurosport: Die Spiele wandern zum Teil ins Pay-TV

Die Olympischen Spiele 2018 wandern damit also ins Privatfernsehen ab, das hat Folgen für die Zuschauer. Discovery sendet in Deutschland über sein Tochterunternehmen Eurosport. Der Sender ist, ebenso wie der Ableger DMAX, in Deutschland frei empfangbar. Der HD-Kanal von Eurosport kostet aber, ebenso wie die zusätzlichen Kanäle Eurosport 2 und Eurosport 360. 

Die Preise für Eurosport 2 variieren je nach Empfangsquelle und Kabelanbieter. Telekom-Kunden können mit Entertain-Anschluss den Sender im „Big-TV“-Paket dazubuchen, das mit 19,95 Euro im Monat relativ teuer zu Buche schlägt. Sky-Kunden, die ein Premiumpaket besitzen, können sich Eurosport 2 gegen eine Gebühr von 10 Euro monatlich auf den Fernsehbildschirm holen. 

Das Programm von Eurosport 1 ist mittlerweile auch per Live-Stream zu sehen - und zwar kostenlos. Dazu muss man sich allerdings auf dem Portal des Sportsenders anmelden und dann in seinen Account einloggen.

Für alles, was außerhalb der Eurosport1-Übertragungen liegt, benötigen Sport-Fans aber Zugriff auf den Eurosport-Player, und der kostet. Ein Monatsabo kann für 6,99 Euro erworben werden, der Jahrespass kostet 59,99 Euro. In Letzterem sind auch Eurosport 2 sowie die Bonuskanäle enthalten. Ob Eurosport extra für die Spiele ein Olympia-Paket-Abo anbieten wird, steht noch nicht fest.

Olympia 2018 live im TV: Wie viel ist im Free-TV zu sehen?

Die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang werden also nur teilweise im Free-TV zu sehen sein. Ein Teil der Übertragungen werden mit Sicherheit in den Pay-TV-Bereich von Eurosport abwandern, alleine schon aus unternehmerischem Interesse. Schließlich musste Discovery für den Erwerb der Rechte tief in die Tasche greifen. Aus dem gleichen Grund müssen sich auch die Free-TV-Zuschauer auf erheblich mehr Werbung während der Übertragung einstellen. 

Die große Frage lautet also: Welche und wie viele Wettkämpfe laufen im Free-TV? Dafür gibt es Vorgaben vom IOC. Demnach müssen bei Olympischen Winterspielen 100 Stunden Übertragung im Free-TV zu sehen sein, bei Sommerspielen sind es 200 Stunden. ARD und ZDF haben diese Marke in der Vergangenheit deutlich überschritten, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro berichteten die Sender insgesamt 340 Stunden. Eurosport hat bereits angekündigt, ebenfalls weit mehr als die vorgeschriebenen 100 Stunden im Free-TV zu zeigen. Der Sender verspricht, dass die „größten Momente und die deutschen Medaillenentscheidungen“ im Free-TV zu sehen sein werden. Wie viele Stunden Programm konkret im Free-TV ausgestrahlt werden, will der Sender 2017 bekannt geben. Im Pay-TV-Bereich sind spezielle Pakete für die Olympischen Spiele 2018, möglicherweise in Kooperation mit Sky, vorstellbar. 

Bei Wettkämpfen, die Eurosport nur im Pay-TV zeigt, bieten sich außerdem Übertragungen aus anderen europäischen Ländern als Alternative an. Der österreichische Sender ORF hat mit Discovery eine entsprechende Einigung erzielt, auch das Schweizer Fernsehen und die britische BBC übertragen die Olympischen Spiele weiterhin. Um solche Programme aus dem Ausland in Deutschland zu empfangen, müssen Sie nur auf eine Proxy-Software zugreifen und sich eine IP-Adresse aus dem entsprechenden Land zuweisen lassen.  

Olympia 2018 live im TV auf Eurosport: Wie kritisch wird die Berichterstattung? 

"Wir gehen einen großen Schritt: Eurosport soll nicht mehr nur als ein paneuropäischer Sender gesehen werden, sondern als das, was er auch ist: ein lokalisierter, deutscher Sender mit deutschen Gesichtern, deutschen Produktionen und deutschen Geschichten", freute sich Eurosport-Geschäftsführer Peter Hutton. Die neuartige Konstellation wirft aber auch Fragen zur Qualität der Berichterstattung auf. „Werden weniger populäre Sportarten noch die gleiche Beachtung finden?“, sorgte sich beispielsweise ARD-Programmchef Volker Herres in der Tagesschau. Ähnlich äußerte sich Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag: "ARD und ZDF hatten eigene Teams, um sich während der Spiele um die deutschen Athleten zu kümmern. Bei Eurosport wage ich, ein Fragezeichen zu setzen", sagte Freitag.

Freitag bezweifelte auch, dass sich Eurosport in kritischen Aspekten der Olympischen Spiele einen ähnlichen "Luxus" wie die ARD mit der Dopingredaktion "leisten kann und möchte". Bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi 2014 und auch in Rio berichteten ARD und ZDF im Vergleich zu den Vorjahren deutlich kritischer in Bezug auf Doping und die Machenschaften des IOC. Auch bei der Aufdeckung des Dopingskandals von Sotschi 2014 war die ARD nicht ganz unbeteiligt. Allerdings ergibt sich nun eine Chance für die Öffentlich-Rechtlichen: Als außenstehende Sender, die nicht selbst an der Übertragung der Mega-Events verdienen, haben sie nun die Möglichkeit, intensiver über Missstände im Olympischen Sport zu berichten. 

Olympia 2018 live im TV auf Eurosport: ARD und ZDF hoffen auf die Paralympics

In ihren ersten Reaktionen zeigten sich ARD und ZDF wie erwartet enttäuscht vom Verlust der Übertragungsrechte. „Wir haben uns im Interesse unserer vielen sportbegeisterten Zuschauer lange und sehr intensiv mit konkreten Angeboten bemüht. Wir müssen aber erkennen, dass die Forderungen von Discovery bei Weitem über dem liegen, was von uns verantwortet werden kann. Wir sind zu wirtschaftlichem Umgang mit Beitragsgeldern verpflichtet“, sagte BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Getrübte Stimmung herrschte auch beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Nicht zuletzt in Rio haben ARD und ZDF aus Sicht des DOSB erneut eine exzellente Berichterstattung über die verschiedenen Kanäle sichergestellt“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Eine nachträgliche Einigung der Sender ist unwahrscheinlich, auch wenn sich ZDF-Intendant Thomas Bellut ein Hintertürchen offen hielt: „Sollte Discovery seine Entscheidung nochmals überdenken und auf unser Angebot zurückkommen wollen, sind wir jederzeit bereit, die Gespräche fortzusetzen.“ Einen Lichtblick gibt es für die Öffentlich-Rechtlichen aber noch: Die Rechte für die Paralympics sind noch nicht verkauft. Dafür ist das Internationale Paralympische Komitee zuständig, das unabhängig vom IOC agiert. Bisher hatte das IPC mit der Europäischen Rundfunkunion EBU zusammengearbeitet, zu dem auch ARD und ZDF gehören.

sr mit dpa/sid 

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