Pechstein: Wird sie jetzt Rad-Profi?

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Claudia Pechstein

Berlin - Für ein Olympia-Comeback tut Claudia Pechstein alles. Nach dpa-Informationen erwägt die 39-Jährige sogar einen Wechsel in den Bahnradsport, um in London dabei zu sein.

Claudia Pechstein kann sich Hoffnungen auf ein Olympia-Comeback machen. Das IOC will vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) die sogenannte Osaka-Regel prüfen lassen, die Athleten nach Ablauf einer mehr als sechsmonatigen Dopingsperre auch von den darauffolgenden Olympischen Sommer- und Winterspielen ausschließt. Nach dpa-Informationen erwägt die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin sogar einen Wechsel in den Bahnradsport, um bereits an den London-Spielen 2012 teilnehmen zu können.

Das Internationale Olympische Komitee hatte im Juni 2008 die Osaka-Regelung beschlossen und kommt mit dem Gang vor den CAS einer möglichen Klagelawine betroffener Athleten zuvor, die eine Doppel-Bestrafung für rechtswidrig halten. Zudem seien die doppelten Sanktionen nicht mit dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vereinbar, behaupten die Gegner der IOC-Maßnahme. Mit einer CAS-Entscheidung ist in den kommenden drei Monaten zu rechnen.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Die französische Sporttageszeitung L’Équipe schrieb im August 2005, dass in Urinproben von Lance Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO (Erythropoetin) nachgewiesen worden sei. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: "Setzt mich wieder auf mein Rad". Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt.  © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schum acher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa

Auch das Pechstein-Lager hatte sich den Gang vor ein Gericht überlegt. “Ich freue mich, dass Bewegung in die Sache kommt. Es ist überfällig, dass der CAS sich mit der wichtigen Frage beschäftigt“, erklärte die 39 Jahre alte Berlinerin am Donnerstag der dpa, “ich habe immer gesagt, dass ich bei den Spielen 2014 in Sotschi meine zehnte olympische Medaille holen möchte.“ Die Überlegungen eines kurzzeitigen Wechsels in den Bahnradsport wollte sie nicht kommentieren. Pechstein war vom Eislauf-Weltverband ISU wegen erhöhter Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden und darf demnach weder in London noch in Sotschi starten.

Die Ringe-Regierung hatte die Osaka-Regel vor knapp drei Jahren nach eigener Aussage “auf ausdrücklichen Wunsch der Athleten“ ins Leben gerufen, die eine stärkere Bestrafung für Dopingbetrüger gefordert hatten. Die verschärften Zulassungsbestimmungen für Olympia sollen vor allem als Abschreckungssignal dienen. “Die CAS-Entscheidung wird Sicherheit auf dem Weg zu den Spielen in London bringen“, erklärte IOC-Generaldirektor Christophe De Kepper. Neben dem IOC tritt das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) als Antragssteller vor den CAS.

Das IOC setzt auf sein Recht, die Startkriterien für eigene Veranstaltungen selbst wählen zu dürfen und so auch Verletzungen des olympischen Gedankens ahnden zu können. Die Gegner der Osaka-Regel sehen darin eine unverhältnismäßig hohe Bestrafung. Neben Claudia Pechstein sind auch 400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt und die viermalige Schwimm-Weltmeisterin Jessica Hardy (beide USA) von der Osaka-Regelung betroffen. Zumindest eine Modifikation der Regel scheint nicht ausgeschlossen.

dpa

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