Pechsteins Comeback in Heerenveen geglückt

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Claudia Pechstein

Heerenveen - Applaus für Claudia Pechstein, Jubiläumssieg für Jenny Wolf, Silberrang für Stephanie Beckert: Die deutschen Eis-Ladies trumpften beim Weltcup-Finale groß auf.

Erst flogen kleine Stofftiere aufs Eis, dann hielt Claudia Pechstein auf ihrer Ehrenrunde einen Zettel mit der Aufschrift „Bedankt“ in die Höhe. 25 Tage nach dem Ende ihrer Dopingsperre versöhnte sich die fünfmalige Olympiasiegerin beim Weltcup-Finale in Heerenveen mit dem niederländischen Publikum und löste nach einem starken Auftritt ihr viertes Ticket für die Einzelstrecken-WM in Inzell, die am kommenden Donnerstag beginnt.

„Ich habe heute jede Runde genossen, weil das Publikum so nett war“, sagte Pechstein. Im Vorfeld hatte sie wegen ihrer Doping-Affäre viel Kritik aus Holland einstecken müssen. Doch statt Buh-Rufen gab es viel Applaus und ein rot-weißes Stoffkissen in Form eines Herzens von den Fans in der Thialf-Halle. Beflügelt von der positiven Resonanz lief Pechstein über 3000 m in 4:09,60 Minuten überraschend auf Rang vier.

„Ich bin happy. Ich habe meine Saisonziele bislang erreicht“, sagte die Berlinerin. In Inzell darf sie nun über 1500, 3000 und 5000 m sowie im Team-Wettbewerb an den Start gehen. „Wenn die WM gut läuft, habe ich auch das letzte Ziel erreicht“, sagte die Rückkehrerin. Nicht wenige trauen ihr eine Medaille zu. Einen Tag nach ihrem mageren 17. Rang über 1500 m war Pechstein wieder dem Punkt topfit und wäre fast noch aufs Treppchen gelaufen. Auf dem Podest ganz oben stand am Ende die Tschechin Martina Sablikova (4:06,21), die auch den Gesamtweltcup holte. Stephanie Beckert (4:08,03) wurde Zweite. „Martina war zu stark. Ich wollte sie schlagen, doch es hat nicht gereicht“, sagte die Erfurterin.

Grund zum Jubeln hatte auch Jenny Wolf, die auf ihrer Paradestrecke über 500 m zum sechsten Mal in Folge den Gesamtweltcup gewann. Der Berlinerin genügte am Samstag ein zweiter Platz hinter der Niederländerin Annette Gerritsen. Am Sonntag glückte Wolf im zweiten Lauf über 500 m in 38,37 der 58. Weltcup-Erfolg. Damit fehlt ihr in der ewigen Weltcupliste nur noch ein Sieg, um zur viertplatzierten Anni Friesinger-Postma aufzuschließen. Vor dem Duo rangieren Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt/98 Siege), Bonnie Blair (USA/69) und Jeremy Wotherspoon (Kanada/67).

Nach ihrem Sieg dachte Wolf über das Ende ihrer Karriere nach. „Die Rückenprobleme sind schon eine Belastung. Ich werde im Sommer entscheiden, ob ich meine Karriere fortsetzen werde“, sagte die 32-Jährige und fügte hinzu: „Schließlich bin ich auch nicht mehr die Jüngste.“ Mit ihrem Lauf war sie trotz des Sieges nicht ganz zufrieden. „Es war anstrengend, da macht es einfach nicht so viel Spaß.“ Wolf gelang mit dem Sieg im Gesamtweltcup ein Jubiläumserfolg. Neben ihren sechs Triumphen über 500 m hatte sie auch viermal die Saisonwertung über 100 m gewonnen, der seit ein paar Jahren nicht mehr ausgelaufen wird.

Über 1000 m sicherte sich die US-Amerikanerin Heather Richardson den Gesamtweltcup. Hesse kam als beste Deutsche auf Rang acht. Unterdessen setzte Pechstein in Heerenveen ihre Privatfehden fort. Genugtuung erfuhr sie im Dauer-Clinch mit Trainer Bart Veldkamp.

Das niederländische Privatteam TVM distanzierte sich von seinem Coach, der Pechsteins Doping-Affäre mit einem „Krebsgeschwür“ verglichen hatte. Unversöhnlich zeigt sich die Berlinerin im Streit mit der ehemaligen deutschen Spitzenläuferin Franziska Schenk, die in Heerenveen für die ARD arbeitete. Pechstein, die Schenk schon in ihrer Biographie attackiert hatte, verweigerte der Journalistin alle Interviews.

Von Christiana Mansfeld

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