Washington – Moskau – Rosenheim

Grubauer präsentiert Rosenheim den Stanley Cup - Nach dem Titel wechselt er nach Denver

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Da ist das Ding: Philipp Grubauer stemmt im Rosenheimer Mangfallpark die Trophäe, die so schwer zu gewinnen ist: „Da muss in zweieinhalb Monaten Playoffs alles passen.“

Eishockey-Torwart Philipp Grubauer hat den Stanley Cup in seine Heimat Rosenheim gebracht. Nach dem Sieg mit Washington wechselt er in der NHL nach Colorado.

Rosenheim – Washington war natürlich eine andere Dimension, das ist klar. Philipp Grubauer steht auf einer vom Wind umtosten Bühne im Mangfallpark in seiner Heimatstadt Rosenheim, er trägt eine Lederhose und eine Trachtenweste, den Sonntagsstaat sozusagen, und erzählt von den tollen Tagen in der US-Hauptstadt. Als die Capitals, das Eishockey-Team, vor ein paar Wochen den erstmaligen Gewinn des Stanley Cup feierte.

„Bei der Parade waren 600.000 Leute, da fährst du vorbei am Obelisken und am Weißen Haus“, sagt er. Man atmet Geschichte. „Meine Freundin ist aus Washington“, sie hat ihm beigebracht, was es bedeutet, die wichtigste Trophäe des Eishockeys in die Stadt zu holen, in der man den Pulsschlag der Welt spürt. „Ab der ersten Runde der Playoffs hat man gemerkt, wie die Stadt zusammenwächst.“

Gewonnen haben die Capitals mit Philipp Grubauer, 26, dem Rosenheimer, die Finalserie in fünf Partien gegen die Vegas Golden Knights, das eigentliche Sensationsteam der National Hockey League. Neu in der NHL und dann gleich beste Mannschaft im Westen, durchmarschiert in die Endspiele. 2:3 lag Washington im fünften Spiel zurück, fünf Minuten vor Schluss. Weil es das entscheidende sein konnte, waren die Familien mit dabei. Müssten alle ohne Party heimfahren, müsste man sich aufs Neue sammeln für ein sechstes, womöglich siebtes Match?

Philipp Grubauer wird mit dem Stanley Cup am emilo-Stadion von Fans und Medienvertretern empfangen.

Die Capitals drehten das Spiel, 4:3 gewannen sie, ihre Feier begann in der Wüstenmetropole Las Vegas. Philipp Grubauer fasst die Zeremonien der folgenden Tage so zusammen: „Entweder der Owi hat den Cup g’habt oder i.“ Alexander Owetschkin („Owi“) ist Stürmer, Torjäger, der Superstar des Clubs, Grubauer war Torwart Nummer zwei. In der „regular season“ hatte er Stammkeeper Braden Holtby fast den Rang abgelaufen, in den Playoffs reichte es für den Deutschen nur zu zwei Einsätzen, Holtby war wieder der Platzhirsch. Doch egal: Es ist Mannschaftssport, und darum durfte sich Philipp Grubauer genauso als Stanley-Cup-Sieger fühlen wie die anderen.

Seit 23 Jahren dürfen die Spieler des Siegerteams den Cup für einen Tag in ihrer Heimat präsentieren. In den Sommern 2016 und 17 war die Trophäe, die aktuell 90 Zentimeter hoch ist und 15 Kilogramm wiegt (und immer noch wächst, weil neue Eintragungen dazukommen und ab und an ein Erweiterungsring erforderlich ist), in Landshut zu besichtigen, weil Tom Kühnhackl sie mit den Pittsburgh Penguins gewonnen hatte. 2018 war nun das Grubauer-Jahr.

Philipp Grubauer wird mit der Eishockey-Trophäe am emilo-Stadion von Spielern der Eishockey-Mannschaften der Starbulls Rosenheim empfangen.

Wie gesagt: Rosenheim ist nicht Washington, deswegen waren keine 600.000 Zuschauer da, es war eher der niedrige vierstellige Bereich, doch sogar aus Düsseldorf waren welche gekommen. Der Stanley Cup wurde am Nachmittag an den Münchner Flughafen geliefert, er war die letzten Tage bei den schwedischen und dem dänischen Mitglied der Washingtoner Meistermannschaft gewesen. Die NHL Hall of Fame beschäftigt einen eigenen Mitarbeiter, der die Trophäe auf ihrer Welttour begleitet. Höhepunkt der diesjährigen war natürlich: Mit Owetschkin in Moskau, das war mehr als die erlaubten 24 Stunden. Der Stanley Cup lernte den Roten Platz kennen.

Im Kleinbus brachte Philipp Grubauer am Montag den Pokal vom Flughafen nach Rosenheim, stellte ihn erst mal in die Mitte der Eisfläche, zeigte ihn den Nachwuchsspielern. Hier liegen seine Wurzeln, auch wenn er Rosenheim als Teenager schon verlassen hat, um sich in Nordamerika weiter ausbilden zu lassen. Er musste die harte Tour gehen durch Juniorenligen und Farmteam. Im Sommer ist Grubauer immer in Rosenheim, er trainiert bei den Starbulls mit – bei denen er nun auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Die wichtigste Eishockey-Trophäe der Welt im altehrwürdigen emilo-Stadion von Rosenheim.

Er hat sich bereitwillig mit Cup fotografieren lassen von jedem, der das wollte, war freundlich zu allen, trug sich ein in die Goldenen Bücher von Rosenheim und Schechen, der kleinen Nachbargemeinde, die auch Anspruch erhebt, dass er ihr berühmter Sohn ist. Über die LED-Wände flimmerten, während Grubauer seine Jobs erledigte, Bilder von seinen schönsten Paraden. Auf der Bühne hingen Grubauer-Trikots in allen Variationen, auch Patrick Ehelechner trug eines. Der Moderator der „Grubi“-Ehrung war selbst National- und DEL-Torwart. Angesichts der immer grimmiger werdenden Wetterlage bat er: „Bringt’s mal die Trikots in Sicherheit – nicht dass die bis nach Wasserburg fliegen.“

Am Donnerstag verlässt der Eishockeyprofi Philipp Grubauer sein Rosenheim wieder. Er wurde getradet in der NHL, wird künftig für Colorado Avalanche spielen, hat dort den nächsten Kampf um die Nummer eins. „Im Kopf bin ich schon in Denver“, sagt er, „jetzt in Rosenheim, das war mein gedanklicher Abschluss mit Washington.“ Am Dienstag muss er den Cup aus den Händen geben. Zuvor will er mit ihm noch auf den Berg. Allein.

Von Günter Klein

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