„Ein Glück, dass Oli bei uns ist“

Physiotherapeut Saringer: Der Mann hinter Felix Neureuther

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Felix Neureuther über seinen neuen Vertrauten:  „Beide Seiten investieren viel in die Zusammenarbeit.“

München - Oliver Saringer ist seit Saisonbeginn der neue Physiotherapeut beim Deutschen Skiverband. Und ohne ihn wäre Felix Neureuther in diesem Jahr kein Rennen gefahren.

Ohne den Oli, wäre Felix in diesem Jahr kein Rennen gefahren, sagt Christian Neureuther über den Gesundheits-, genauer gesagt Rückenzustand seines Sohnes Felix. Auch nicht den um drei Tore verkürzten Riesenslalom (Samstag) und den Slalom (Sonntag) an diesem Wochenende auf dem Chuenisbärgli in Adelboden.

Der Oli heißt mit vollem Namen Oliver Saringer und ist seit Saisonbeginn der neue Physiotherapeut beim Deutschen Skiverband. Neben den bekannten Vertrauten, Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Osteopath Martin „Mascht“ Auracher, ist Saringer, der das Team bei jedem Weltcup betreut, der Mann, der Neureuther den Rücken freihält. „Es ist ein großes Glück, dass Oli bei uns ist“, sagt Felix der tz. Früher fuhr der 31-Jährige zwischen den Rennen zu Auracher an den Schliersee oder zu Müller-Wohlfahrt nach München – im Jahr waren das rund 20 000 Medizin-Kilometer. „Das wollte ich nicht mehr mitmachen, und ich hätte es auch nicht mehr geschafft“, so Neureuther. Deshalb lotste Herren-Cheftrainer Mathias Berthold seinen alten Bekannten Saringer vom Österreichischen Skiverband (ÖSV), wo er von 2011 bis 2014 die Abfahrtsmannschaft betreute, zu sich nach Deutschland. Groll hegt man beim Nachbarn deswegen nicht. „Wenn jemand wechseln will, legen wir ihm keine Steine in den Weg“, sagte ÖSV-Pressesprecher Markus Aichner der tz.

Es war nicht der erste Wechsel in Saringers Laufbahn. Angefangen hat alles beim FC Tirol (1994 bis 2002), ehe der heute 47-Jährige zu Red Bull (2004 bis 2010) wechselte und dort unter anderem für die Gesundheit von Aushängeschild Lindsey Vonn verantwortlich war, inklusive Wadenwickel und Zickenkrieg-Betreuung. Seit dem Frühjahr umsorgt er Neureuthers Rücken, nach 13 Weltcupjahren die Hauptproblemstelle in dessen Körper, mit dem Ziel, die Lendenwirbelsäulenmuskulatur zu stärken. Es geht um viele kleine Muskeln, eine Sisyphusarbeit. Dadurch sollen die Bandscheiben entlastet werden. „Er ist ein toller Therapeut mit einer persönlichen Note. Oli hat sich wahnsinnig viele Gedanken gemacht, wie er mir helfen kann, bisher funktioniert das gut“, sagt Neureuther.

In den vergangenen Tagen war Felix vermehrt auf Saringers Hilfe angewiesen. Vor dem Jahreswechsel wollte das Slalom-Ass mit der Mannschaft in Pfelders trainieren, konnte das letztlich aber nicht. Entsprechend enttäuscht kehrte er Südtirol den Rücken. Der vierte Platz im Anschluss im Slalom von Santa Caterina? Eine typische Willensleistung à la Neureuther. Auch dank Saringers Einstellung. „Er behandelt Felix als Mensch, als Person, nicht nur seinen Rücken. Und er vermittelt ihm eine positive Einstellung“, sagt Papa Christian.

Der Gelobte gibt sich medial wortkarg und möchte über die Zusammenarbeit keine Worte verlieren. In einem ARD-Beitrag erklärte er, dass ihm die „elendige Rückendiskussion“ auf die Nerven gehe. „Es geht um den ganzen Menschen Felix, nicht nur um den Rücken“, so Saringer. „Ihn nur auf den Rücken zu reduzieren, das macht man nicht.“ Felix genießt das. Als Skifahrer hat man viele Reisetage, steht oft früh auf, sitzt lange im Auto oder jettet im Flieger zwischen den Kontinenten. Saringer ist immer dabei. Auch deshalb offenbare man sich auf der Behandlungsbank mehr als am Essenstisch, bestätigt Neureuther und verrät: „Beide Seiten haben viel in die Zusammenarbeit investiert, wir sind von unserem Weg absolut überzeugt.“

Der neue Weg hat ihn weggeführt von den homöopathischen Spritzen, die ihm Auracher früher verabreicht hat, die Schmerzen sind dadurch gestiegen. „Aber wir versuchen, das nur bis zu einem gewissen Grad auszureizen“, erklärt Neureuther. „Wenn nötig, gehen wir einen Schritt zurück, da muss ich geduldig sein und kann auch mal drei bis vier Tage nicht fahren. Meine Umfänge und mein Pensum sind sicher geringer geworden.“

Dass er trotzdem verdammt schnell sein kann, will Neureuther in Adelboden erneut beweisen…

Mathias Müller

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