Training für die Weltmeisterschaft

Rodel -WM: Hackl und Co haben 20 Jahre Vorsprung

PR-Fahrt für die WM: Felix Loch versuchte sich gestern beim „normalen“ Rodeln auf Schnee – amüsiert beobachtet von Schorsch Hackl.

Schönau - Auf ihrer Heimbahn sind die Rodel-Olympiasieger vom Königssee, wie Georg Hackl, am Wochenende die natürlichen WM-Favoriten. Da muss sich die Konkurrenz warm anziehen.

So ein Heimvorteil muss nichts Exklusives sein. Er lässt sich ganz leicht teilen. Wenn Georg Hackl zum Beispiel in der Eisbahn am Königssee steht, gibt er sein Wissen in diesen Tagen bereitwillig weiter. Er postiert sich in Kurve 3 und verlässt seinen Platz nicht mal, wenn ein Schlitten heranschießt. Die Athleten werden von den Fliehkräften an den oberen Rand des Kanals befördert, und von unten schaut Hackl aus nächster Nähe ganz genau hin, wie exakt sie die ideale Linie treffen.

Neben den deutschen Rodlern profitierten vergangene Woche, als sich etliche Nationen bereits auf die heute beginnende Weltmeisterschaft vorbereiteten, auch die Polen und Schweizer von der Kompetenz des Rekord-Olympiasiegers. „Ewa“, tönte es im Ziel aus dem Funkgerät, „at the entrance of S 3 . . .“, und dann bekam Ewa Kuls aus Gorzow Wielkopolski von Hackl eine detaillierte Kritik.

Die Großzügigkeit hat Grenzen. Die Deutschen teilen zwar ihr Wissen, aber nicht mit jedem. Als die kanadischen Athleten letzte Woche ihre Fahrten absolvierten, blieb das Funkgerät stumm. Kanada ist, besonders bei den Frauen, eine andere Hausnummer. Das hat auch damit zu tun, dass ihnen zwar nicht Georg Hackl hilft, aber ein anderer Ex-Rodler vom Königssee. Wolfgang Staudinger ist seit fast zehn Jahren Nationaltrainer.

In einer Sportart, die jahrelang unter der deutschen Dominanz ächzte, ist die Konkurrenz in diesem Winter spürbar zusammengerückt. Ende Dezember, nach vier Weltcup-Wettbewerben, standen in den beiden Einzel-Wertungen, die besten Deutschen jeweils auf Platz drei. Erst jetzt, nach der sechsten Station, sind die Titelverteidiger Natalie Geisenberger und Felix Loch wieder ganz oben angekommen.

Der Wissenstransfer von Männern wie Staudinger ist ein Grund, der Ausbau der Infrastruktur, der Bahnen und Trainingszentren ein anderer. Die Russen etwa, die mit Semen Pawlitschenko den aktuellen Weltmeister stellen, profitieren von einem – etwas später als vorgesehen wirkenden – Schub durch Olympia in Sotschi. Und dann gibt es noch den Heimvorteil. Drei der ersten vier Rennen fanden in Nordamerika statt, auf vertrautem Terrain für Athleten wie Chris Mazdzer oder die Frauen Erin Hamlin und Summer Britcher (alle USA), die sich geschlossen an der Weltcup-Spitze postierten.

Die WM-Bahn am Königssee ist nun das Revier der Deutschen, hier sind sie die natürlichen Favoriten. Die Doppelsitzer Tobias Wendl/Tobias Arlt und Felix Loch waren kaum im Schulalter, da sausten sie schon durch den Eiskanal in Schönau. Natalie Geisenberger, die zunächst das Skifahren vorzog, kam wenig später hinzu. Seit 20 Jahren suchen sie den schnellsten Weg durch die 16 (Herren) bzw. zwölf Kurven. Die Miesbacherin Geisenberger nennt die Strecke „mein kleines Wohnzimmer“ und freut sich auf die WM „seit dem Moment, als es beschlossen wurde“.

Rodler sind Verdrängungskünstler. Wenn sie sich im Starthaus bereitmachen, verschwinden die Fans und aller Lärm aus ihrer Wahrnehmung. Doch „unterbewusst“, berichtet Tobias Wendl, „kriegst du es mit“. Zumindest er. Felix Loch hingegen, der dreimalige Olympiasieger und vierfache Weltmeister, sagt: „Wenn ich oben auf dem Schlitten sitze, gibt es nur noch die eine Hürde: da sauber runter zu fahren.“

Selbst eine Bahn, auf der einem jeder Zentimeter vertraut ist, hat ihre Tücken. „Es ist logisch“, findet Tobias Arlt. „Wenn du ständig ans Limit gehst, schießt du auch mal übers Limit hinaus.“ Geisenberger stürzte Anfang vergangener Woche und hatte noch Tage später mit Kopf- und Nackenschmerzen zu kämpfen, auch Hand und Fuß waren betroffen.

So ein Malheur ist Berufsrisiko. „Man fährt ja nicht immer gleich runter“, erinnert Wendl. „Es geht um Feinheiten. Wenn du um fünf, zehn Zentimeter aus der Kurve zu weit rausfährst, kann es weh tun.“ In diesen Situationen hat die Kombo vom Königssee („Trainingsgruppe Sonnenschein“) den Vorteil, sich auf jahrelang vertieftes Wissen verlassen zu können. „Du brauchst mehrere Handlungsmatrixen, die musst du alle parat haben“, doziert Wendl. „Das ist ein Vorteil: Dass du weißt, was du zu tun hast.“ Trotz aller Entwicklungshilfe: Die Schweizer und Polen haben diese Matrixen nicht.

WM-Zeitplan

Freitag: 9.00 Uhr: Qualifikation Sprint. – 14.45 Uhr: Sprint-Entscheidung.

Samstag: 12.45/14.00 Uhr: Doppelsitzer. – 15.20/17.05 Uhr: Frauen.

Sonntag: 10.15/12.25 Uhr: Männer. – 14.00 Uhr: Team-Staffel

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