Sachenbacher-Stehle: „Ich bin voll integriert!“

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Evi Sachenbacher-Stehle macht im Weltcup gerade Pause.

München - Im Weltcup macht sie gerade Pause – aber das heißt nicht, das Evi Sachenbacher-Stehle keine Ziele mehr hat. Mit der tz spricht sie über Olympia 2014, die Gründe für ihre Pause und Trainer Jochen Behle.

Frau Sachenbacher-Stehle, Sie starten derzeit nicht im Weltcup. Wieso?

Sachenbacher-Stehle: Die letzte Saison war ziemlich hart. Ich hab im Sommer 2010 sehr viel trainiert und dann kamen noch meine Unverträglichkeiten dazu. Die Motivation war da, aber ich hatte einfach keine Kraft. Als Sportler bewegt man sich immer am Limit und wenn der Körper nicht erholt ist, kann man keine Leistung bringen. Ich habe gemerkt, dass mir ein Monat Pause im April nicht reicht.

Bei Ihnen ging es aber nur um die physische und nicht die psychische Erschöpfung?

Sachenbacher-Stehle: Genau. Natürlich war ich enttäuscht, wenn ich auf Platz 60 ins Ziel gekommen bin. Weil ich wusste, wenn ich in der Vorbereitung überhaupt nicht trainiert hätte, wäre ich wahrscheinlich genauso schnell gewesen. Aber das hatte ich nach ein, zwei Tagen wieder vergessen.

Die körperlichen Probleme beruhten auch auf den Unverträglichkeiten. Was vertragen Sie denn nicht?

Sachenbacher-Stehle: Es ging dabei um Weizen und Ei. Ich hab’ im vergangenen Winter versucht, meine Ernährung umzustellen, das hat nur bedingt geklappt, mir haben dann nämlich viele Körner gefehlt. Im Frühjahr habe ich mich viel mit dem Ernährungsthema befasst und orientiere mich jetzt an der Philosophie von Jentschura. Ich achte mehr darauf, was ich esse.

Wie äußert sich das in ihrem Alltag?

Sachenbacher-Stehle: Zum Frühstück esse ich jetzt schon den ganzen Sommer immer einen Brei, der schmeckt richtig gut. Man kann ihn durch Zugabe von Nüsse und Früchten variieren, damit man nicht immer das gleiche isst. Außerdem esse ich viel Obst und Gemüse.

Probleme mit der Ernährung kommen auffällig oft bei Spitzensportlern vor. Haben Sie eine Erklärung?

Sachenbacher-Stehle: Ich glaube, jeder Mensch hat mittlerweile irgendwelche Unverträglichkeiten. Das liegt an dem ganzen Mist, den wir essen. Als normaler Mensch merkt man das vielleicht nicht so, aber wenn man körperliche große Leistung bringen muss, macht sich das bemerkbar.

Wann haben Sie nach der Auszeit dieses Jahr wieder mit Training angefangen?

Sachenbacher-Stehle: Ich war im September mit der Mannschaft drei Tage im Skitunnel in Oberhof, im Oktober auf dem Gletscher am Dachstein und jetzt mit den Biathleten in Muonio. Ich bin also voll intergriert.

Sie stehen auch mit Jochen Behle in Verbindung?

Sachenbacher-Stehle: Ja, wir telefonieren immer wieder und besprechen, wie das Training läuft und wie es sonst so geht. Es ist lustig, unser Verhätlnis war noch nie so gut, wie jetzt. Wir haben noch nie so viel miteinander gesprochen, obwohl wir uns so wenig sehen.

Wie ist der Kontakt zu den Teamkameradinnen?

Sachenbacher-Stehle: Den Weltcupauftakt habe ich aufmerksam verfolgt. Mit der Nicole Fessel telefoniere ich öfters, Steffi Böhler und Denise Herrmann sehe ich, wenn sie in Ruhpolding trainieren.

Wann wollen Sie denn wieder gemeinsam mit ihnen starten?

Sachenbacher-Stehle: Vielleicht nach der Tour de Ski, aber es ist noch nix fix. Vielleicht laufe ich auch im Continentalcup oder bei einem Volkslauf. Theoretisch muss ich dieses Jahr keinen Wettkampf laufen. Die Trainer haben mir gesagt, wenn ich wieder mitlaufen will, soll ich Bescheid geben und dann bin ich wieder dabei. Sie lassen mir meinen Freiraum.

Was ist Ihr nächstes großes Ziel?

Sachenbacher-Stehle: Die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi, da will ich in Form sein.

Bisher haben Sie bei Olympia immer eine Medaille geholt.

Sachenbacher-Stehle (lacht): Hoffentlich bleibt das auch so.

Und danach?

Sachenbacher-Stehle: Nach Sotschi reicht’s, da ist die Familie an der Reihe. Mit 33 Jahren ist es dann auch höchste Zeit. Vor ein paar Jahren hab’ ich gesagt, mit 30 hab ich schon alle meine Kinder und mach schon lange keinen Sport mehr. Jetzt habe ich doch immer weiter gemacht, aber irgendwann ist Schluss.

Was wollen Sie dann machen?

Sachenbacher-Stehle: Ich möchte mich um meine Kinder kümmern, zur Ruhe kommen und Hausfrau sein.

Und ein Strickbuch rausbringen, wie Magdalena Neuner?

Sachenbacher-Stehle (lacht): Ich stricke sogar wirklich ab und zu, aber für ein Buch reicht es glaub’ ich nicht ganz.

Interview: Mathias Müller

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