Hörmann begrüßt den Kurs

Russlands Olympia-Bann kein Muss - Verbände meiden dünnen Eis

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Alfons Hörmann hat sich zum Vorgehen des IOc geäußert.

Der mögliche Olympia-Ausschluss Russland erhitzt auch die Gemüter in den deutschen Wintersportverbänden. Eine Kollektiv-Strafe sehen viele kritisch.

Berlin - In einem Punkt sind sie sich einig: Konsequent soll sie sein, für alle nachvollziehbar, die Entscheidung des IOC am Dienstag in der Causa Russland. Die deutschen Winterverbände meiden mit ihren Forderungen dünnes Eis, wünschen sich ein hartes Durchgreifen, aber nicht gegen unschuldige Athleten. Ein Komplett-Ausschluss Russlands für Olympia in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) ist kein Muss. 

"Ich bin für eine rigorose, für die härteste Bestrafung von Dopingsündern", sagte Präsident Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) dem SID. Reindl ist jedoch auch gegen ein Kollektiv-Aus, will nicht, dass Russlands Eishockey-Nationalmannschaft ausgeschlossen wird, "obwohl diese Spieler wohl nachweislich absolut nichts mit den Vorgängen in 2014 (...) zu tun hatten". 

Präsident Franz Steinle vom Deutschen Ski-Verband (DSV) glaubt mittlerweile daran, dass in Russland "planmäßig und systematisch manipuliert wurde". Ob das am Ende dazu führt, "dass ein Verband oder ein Land kollektiv zur Rechenschaft gezogen wird", hänge davon ab, ob "die Vorwürfe auch hinreichend nachgewiesen werden können", meinte der Ski-Boss. 

Kronzeuge gilt als glaubhaft

Vor allem der jüngste Bericht der IOC-Kommission des Schweizer Juristen Denis Oswald hatte die Anti-Russland-Front gestärkt. Die Arbeit von Ermittler Richard McLaren, der dem Riesenreich ein systematisches Doping von 2011 bis 2015 attestiert hatte, wurde gelobt, Kronzeuge Grigorij Rodtschenkow, der vor seiner Flucht in die USA die Dopingpraktiken in Russland koordiniert hatte, wurde als "glaubhafter Zeuge" eingestuft. 

Das IOC, das sich als Olympia-Veranstalter zunächst nur für die Doping-Vergehen während der Winterspiele 2014 im russischen Sotschi interessiert, griff zuletzt überraschend hart durch. Die Oswald-Kommission sperrte bislang 22 russische Athleten lebenslang für alle olympischen Funktionen und hinterließ damit Eindruck. 

"Wir hätten nicht gedacht, dass unsere Sportarten in diesem Ausmaß vom Dopingskandal betroffen sind", sagte Vorstand Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, nachdem so viele russische Skeleton-Athleten und Bobsportler gesperrt worden waren. Da ihm wichtige Informationen fehlen, wollte sich Schwab in die Debatte um die Sanktionen nicht einmischen. 

Hörmann begrüßt den harten Kurs

DOSB-Präsident Alfons Hörmann begrüßte den harten Kurs des IOC. Die lebenslangen Olympia-Sperren für einige russische Sportler "machen Mut", sagte Hörmann. Unverständlich sei, dass "auch eineinhalb Jahre nach dem McLaren-Bericht" bei vielen Verantwortlichen in Russland "noch keinerlei Einsicht und Umdenken bzw. neues Handeln erkennbar sind", so Hörmann. 

Auch Max Hartung, Sprecher der Athletenkommission, sprach sich dafür aus, russischen Sportlern in Pyeongchang eine Chance zu geben, wenn sie denn im Rahmen eines transparenten Testverfahrens belegen können, dass sie sauber sind. Diese sollten in Südkorea dabei sein dürfen - allerdings nur "unter der Olympischen Flagge". 

Für Bernhard Mayr, Präsident des Deutschen Curling Verbandes, ist die Lage nicht so eindeutig. "Es fällt schwer, mich für etwas Konkretes auszusprechen, da ich die Faktenlage nicht genau kenne", gab Mayr zu, meinte aber: "Ich hoffe, dass das IOC bei den Themen, die eindeutig sind, konsequent bleibt."

SID

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