Ski-WM in St. Moritz

Sander & Ferstl im Doppel-Interview: „Wir als Topfavoriten? Das passt …“

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Thomas Dreßen (l), Andreas Sander und Josef Ferstl beim Training in Garmisch-Partenkirchen Anfang Februar.

St. Moritz - Josef Ferstl (28) und Andi Sander (27) sind das schnellste DSV-Speed-Duo seit Jahren. Am Mittwoch um 12 Uhr steht der WM-Super-G an. Das tz-Doppel-Interview.

Josef Ferstl (28) und Andi Sander (27) sind das schnellste DSV-Speed-Duo seit Jahren. Beide schafften in dieser Saison schon einen fünften Platz im Super-G. Heute um 12 Uhr (ZDF und Eurosport) steht der WM-Super-G an. Während Ferstls Vater die Streif in Kitzbühel gewonnen hat, wuchs Sander in Nordrhein-Westfalen auf, sein Papa führt ein mittelständisches Unternehmen. Das tz-Doppel-Interview.

Meine Herren, Ihre Voraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein, oder?

Ferstl: Das stimmt, aber wir wollen beide das Gleiche: zu den Besten gehören. Und bekanntlich führen viele Wege nach Rom.

Herr Ferstl, ab wann haben Sie vom Erfolg Ihres Papas gewusst?

Ferstl: Ich stand mit zwei Jahren erstmals auf Ski, später bin ich Rennen gefahren, Skifahren hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Aber dass mein Papa so erfolgreich war, habe ich erst später realisiert.

Herr Sander, wie gut fährt Ihr Vater Ski?

Sander: Früher dachte ich, dass er brutal gut fährt, heute weiß ich, dass es ganz in Ordnung ist. Mein Vater war Nordischer Kombinierer, ist aber auch alpine Rennen gefahren. Ich selbst bin, wann immer ich konnte, auf den Alpinski gestanden. In Nordrhein-Westfalen gibt es natürlich auch Mannschaften, darüber bin ich bei den nationalen Schülercups gestartet.

Haben sich Ihre Wege da schon gekreuzt?

Sander: Ich wusste früh, dass er der Peppi Ferstl ist, er wird mich vermutlich noch nicht wahrgenommen haben – ich bin höchstens aufgrund meiner Herkunft aufgefallen.

Warum wussten Sie, dass er der „Peppi Ferstl“ ist?

Sander: Peppi war damals schon extrem talentiert, dazu kam der Nachname. Richtig kennengelernt haben wir uns aber erst auf dem Skiinternat in Berchtesgaden. Der Wechsel dorthin war für mich alternativlos.

Ferstl: Ich bin wegen der vielen Fehltage aufs Sportinternat gewechselt, dort konnte man den Stoff besser nachholen, anders wäre der Schulabschluss neben dem Leistungssport nur schwer zu schaffen gewesen.

Sie haben beruflich mit hohen Geschwindigkeiten zu tun, wie sieht es privat aus?

Ferstl: Im Sommer fahre ich Motocross. Fußball ist unsere gemeinsame Leidenschaft. Zusammen sind wir fast unschlagbar (lacht).

Das kann nicht sein – oder rennen Sie so schnell, wie Sie Ski fahren?

Sander: Ich schieße höchstens so schnell, wie ich fahre. Ich habe früher noch Tennis gespielt, heute komme ich selten dazu. Motorsport ist nichts für mich.

Herr Sander, nachdem Sie 2014 ein kritisches Gespräch mit Ex-Herrentrainer Charly Waibel hatten, ist das Zitat übermittelt: „Ich habe für eine halbe Stunde wirklich überlegt, die Sachen komplett hinzuschmeißen.“ War das so?

Sander: Das habe ich aus der Emotion heraus gesagt, mit etwas Abstand glaube ich nicht, dass ich aufgehört hätte. Aber die Sinnfrage stand im Raum. Nach meinem Kreuzbandriss hatte ich keinen Spaß mehr. Ich bin schlecht gefahren, habe mich nicht wohlgefühlt und auch im Team lief es nicht gut. Das Gespräch mit dem damaligen Bundestrainer war schwierig, ich habe die Argumente nicht verstanden. Klar, meine Leistungen waren schlecht, aber ich habe, meiner Ansicht nach, alles gegeben. Jetzt weiß ich, dass ich etwas anders hätte machen können, besser gesagt, wir hätten als Mannschaft auch anders arbeiten können. Wir haben früher zu weit nach vorne geschaut, ohne die dafür nötigen Teilschritte einzuleiten.

Was hat sich unter dem neuen Trainergespann Mathias Berthold und Christian Schwaiger geändert: das Training? Die Ansprache? Das Zutrauen? Die Wertschätzung?

Ferstl: Alles.

Alles?

Ferstl: Es hat sich viel geändert, wir haben alles umgekrempelt, der Ansatz ist komplett anders. Die beiden waren selbst Rennfahrer, sie wissen, was in uns vorgeht, sie haben eine andere Sicht aufs Skifahren. Früher hat man immer überlegt, was wir Athleten falsch machen, statt auch das System dahinter zu hinterfragen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass unser Speedteam kurz vorm Aussterben war. Zum Glück ist es anders gekommen! Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen, aber wir haben bewiesen, dass wir was draufhaben.

Mathias Berthold hat kurz nach seinem Antritt mit der Aussage überrascht, dass er 2018 bei Olympia um Medaillen fahren will. Wie kam das bei Ihnen an?

Sander: Gut. Wichtig aber ist, wie man den Weg dorthin beschreitet. Und dafür haben wir einen Plan. Wir setzen uns Zwischenziele und versuchen, diese zu realisieren. Von Woche zu Woche, von Monat zu Monat.

Ein Platz unter den ersten zehn stellt Sie nicht mehr ­automatisch zufrieden.

Ferstl: Durch unsere guten Ergebnisse sind die Erwartungen gestiegen. Aber wir machen noch Fehler, die nicht passieren sollten oder dürfen. Ich war beim Super-G in Kitzbühel Achter, hatte knapp eine halbe Sekunde Rückstand auf Platz drei, weiß aber auch genau, wo ich die Zeit verloren habe. Wir können überraschen.

In St. Moritz? Haben Sie spezielle Erinnerungen an das Ski-Mekka?

Ferstl: Ich bin dort Jugendabfahrtsmeister geworden und war ordentlich stolz darauf.

Sander: Ich bin vergangene Saison das Weltcupfinale gefahren und im Super-G Sechster geworden, ich habe also ganz gute Erfahrungen gesammelt.

Ferstl (lacht): Andi ist eigentlich der Topfavorit für die WM.

Sie doch mindestens genauso. Ich schreibe das einfach so, in Ordnung?

Ferstl: Passt.

Interview: Mathias Müller

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