Schanzen-Rückkehrer Alex Herr will nach Vancouver

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Alexander Herr am Boden - doch das soll sich ändern. Er will zurück auf die Schanze und nach Vancouver fliegen.

Leipzig - Vor seinem Comeback bei den deutschen Meisterschaften ist Skispringer Alexander Herr ehrgeizig wie eh und je.

"Ich mache das nicht aus Jux und Tollerei. Mein Ziel ist die Olympia-Teilnahme in Vancouver. Auf der neuen Schanze in Partenkirchen möchte ich mich mit guten Sprüngen für das deutsche Aufgebot zum Sommer-Grand Prix qualifizieren. Optimal dafür wäre eine Meisterschafts-Medaille", sagt der 30 Jahre alte Team-Weltmeister von 2001, der vor gut drei Jahren vom Deutschen Ski-Verband aussortiert worden war.

"Allerdings ist der Vancouver-Start nicht die wichtigste Antriebsfeder für meine Rückkehr auf die Schanzen", relativiert der inzwischen als Gesundheitsberater bei der Schwenninger BKK tätige Herr. Wie der erste Teil seiner Laufbahn zu Ende gegangen ist, sei nicht in seinem Sinne gewesen. "Da habe auch ich Fehler gemacht. Die Vergangenheit ist aber abgehakt. Jetzt gibt's eine neue Konstellation und damit die Möglichkeit, neu anzufangen", betont der zweimalige Junioren- Weltmeister, der schon ein klärendes Gespräch mit Bundestrainer Werner Schuster geführt hat.

Der in Villingen wohnende Schwarzwälder war bei den Olympischen Winterspielen in Turin wegen Differenzen mit dem damaligen Bundestrainer Peter Rohwein aus der Mannschaft ausgeschlossen worden. Versuche für Schweden und Polen zu starten brachten nicht den erhofften Erfolg. Vor ziemlich genau zwei Jahren gab der zwölfmalige Vierschanzentournee-Starter das Ende seiner Laufbahn bekannt. Mit Sport hat er aber nie aufgehört. "Ich habe mich immer im Zwischenraum zwischen Leistungs- und Freizeitsport bewegt", berichtet er.

Seit Mai springt Herr wieder unter Anleitung seines Vaters Hans-Paul. "Ich fühle mich fit, habe auch gutes Material", berichtet er. Die Entwicklung der Sprungtechnik habe er genau verfolgt. "Das Augenmerk liegt wieder mehr auf Dynamik und Kraft. Gefragt sind aber auch hohe Flugqualität mit möglichst wenig Geschwindigkeitsverlust. Auch wenn ich immer noch meinen alten Fehler mit dem hängenden linken Ski mache, kann ich das ganz gut. Und das Fliegen macht nach wie vor großen Spaß", sagt Herr vor seinem ersten offiziellen Wettkampf seit mehr als zwei Jahren.

Bei einem Test im Trainingslager des komplett versammelten deutschen Auswahlkaders in Hinterzarten wurde Herr mit zwei soliden Sprüngen Sechster. Dort sei jeder Trainingssprung für ihn wie Wettkampf gewesen. "Die Anspannung war schon da", offenbart er. Unter besonderem Druck fühle er sich aber nicht. "Schließlich muss ich nicht auf Teufel komm raus den Erfolg haben, den ich mir erhoffe. Der Beruf gibt mir Sicherheit. Auch familiär ist alles bestens. Ich bin verheiratet. Im Oktober erwarten wir unser erstes Kind", verrät der "Spitzbart".

Allerdings hat auch der "neue Herr" nicht seinen Ehrgeiz abgelegt. Der deutsche Meister von 2005 hat seine Zeit so geplant, dass er beim am ersten August-Wochenende in Hinterzarten beginnenden Sommer-Grand Prix starten und auch an den Lehrgängen der deutschen Elite bis zum Weltcupauftakt im November im finnischen Kuusamo teilnehmen könnte. "Dazu muss ich besser sein, als mit einem jungen Springer um den letzten Platz im Aufgebot zu kämpfen. Dann würde der Bundestrainer den Nachwuchs bevorzugen. Das kann ich nachvollziehen", berichtet Herr von einer Übereinstimmung beim Gespräch mit Schuster.

Von Uwe Jentzsch, dpa

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