Sechs neue Disziplinen für Olympia

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Von links: Die Skispringerinnen Anna Häfele, Magdalena Schnurr und Ulrike Gräßler dürfen sich auf Olympia 2014 freuen

London - Die Frauen stürmen bei den Olympischen Winterspielen die letzte Bastion der Männer: Skispringen zählt 2014 in Sotschi zu den mindestens sechs neuen Disziplinen.

Die Frauen stürmen bei den Olympischen Winterspielen die letzte Bastion der Männer: Skispringen zählt zu den mindestens sechs neuen Disziplinen, die 2014 im russischen Sotschi im Programm stehen sollen. Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sprach sich außerdem für Ski-Halfpipe Männer und Frauen, Biathlon-Mixed, eine Staffel im Rodeln und den Teamwettbewerb im Eiskunstlauf aus. Fünf weitere Wettbewerbe könnten in den nächsten Wochen nach technischen Klärungen hinzukommen. 2010 in Vancouver gab es 86 Entscheidungen.

Diese Wintersportarten sind olympisch

Snowboard: In Sotschi werden in dieser Sportart in zehn Disziplinen Medaillen vergeben © dpa
Slopestyle: Diese Snowboard-Disziplin ist seit 2014 neu im Olympia-Programm. Die Fahrer müssen einen Parcours absolvieren und dabei Drehungen und Grabs zeigen. Die Jury gibt dafür Punkte. © dpa
Cross: Hier müssen mehrere Snowboarder gleichzeitig eine Abfahrtsstrecke bewältigen © dpa
Halfpipe: Auch in der Halfpipe können Snowboarder um Gold, Silber und Bronze kämpfen © dpa
Parallel-(Riesen-)Slalom: Hier geht es "Mann gegen Mann" beziehungsweise "Frau gegen Frau". Zwei Fahrer treten gegeneinander an. © dpa
Bob: Hier fallen drei Entscheidungen. Und zwar im Zweierbob (Damen und Herren) und im Viererbob © dpa
Curling: Für Außenstehende ein Rätsel - für die Spieler harte Arbeit. Beim Curling versuchen zwei Mannschaften zu je vier Spielern, ihre Steine näher an den Mittelpunkt des Zielkreises auf der Eisbahn zu spielen als das gegnerische Team. © dpa
Skeleton: Kopf voran in die Eisröhre! Zwei Garnituren Gold, Silber und Bronze werden hier vergeben. © dpa
Eiskunstlauf/Eistanz: Hier ist Eleganz auf Kuven gefragt. In fünf Disziplinen wird um Gold gekämpft - zum ersten Mal auch als Team-Wettbewerb. © dpa
Eisschnelllauf: 12 Mal Gold gibt es im Eisschnelllauf in Sotschi zu gewinnen. Die Distanzen reichen von 500 Metern bis 10.000 Metern. Auch die Teamverfolgung steht auf dem Programm. © dpa
Rennrodeln: Hier dominieren seit Jahren die Deutschen. Vier Medaillen werden in Sotschi vergeben, davon zwei im Einsitzer (Damen und Herren) und eine im Doppelsitzer. Die vierte Medaille wird in einer Disziplin vergeben, die neu bei Olympia ist. Und zwar im ... © dpa
Rennrodeln-Staffel: Sie feiert in Sotschi Premiere. Die Staffel besteht aus einem weiblichen und einem männlichen Einsitzer-Fahrer, sowie einem Doppelsitzer. Die Deutschen Felix Loch (l-r), Tobias Arlt, Tobias Wendl und Natalie Geisenberger sind haushoher Favorit. © dpa
Ski Alpin: Insgesamt zehn Mal Gold wird in den alpinen Disziplinen vergeben - in der Abfahrt, im Super G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Kombination. © dpa
Eishockey: Zwei Goldmedaillen werden ausgespielt - jeweils eine bei den Herren und bei den Damen. © dpa
Langlauf: In der Loipe werden zwölf Goldmedaillen vergeben. Und zwar im Skiathlon (2 x 7,5 Kilometer), im Sprint, im Team-Sprint, über 10 und 30 Kilometer (Damen) und 15 und 50 Kilometer (Herren) sowie in der Staffel (4x5, bzw. 4x10 Kilometer).  © dpa
Skispringen: Insgesamt wird im Skispringen in vier Wettkämpfen um den Sieg gekämpft, dabei werden drei bei den Männern vergeben (Normalschanze, Großschanze, Team) und einer beim ... © dpa
Skispringen der Damen: Auch das ist neu bei Olympia 2014. Die wagemutigen Damen dürfen allerdings "nur" von der Normalschanze hüpfen. © dpa
Ski-Freestyle: Die Artisten auf zwei Brettern kämpfen um insgesamt zehn Goldmedaillen. Für sie heißt es auf der  Buckelpiste alles geben, sowie im Ski Cross, Slopestyle, im Sprung und - ab 2014 ganz neu dabei - im ... © dpa
Ski-Freestyle Halfpipe: In der halbierten Röhre gilt es für die Frauen und Männer, hohe Sprünge und spektakuläre Tricks zu zeigen. Dafür vergibt die Jury Punkte - und am Ende Gold, Silber und Bronze. © dpa
Biathlon: Wer trifft und flink läuft, der hat im Biathlon große Chancen auf den Sieg. Elf Mal Gold wird ausgekämpft. Neben Sprint, Verfolgung, 15 bzw. 20 Kilometer, Massenstart und der Staffel, steht ab 2014 eine neue Disziplin auf dem Olympia-Programm. Es ist die ... © dpa
Biathlon Mixed-Staffel: Das gemischte Team aus zwei Frauen und zwei Männern feiert Premiere bei Olympia. © dpa
Nordische Kombination: In die Skisprungspur UND in die Langlaufloipe müssen die Nordischen Kombinierer. Die Athleten haben die Chance auf drei Goldmedaillen. © dpa
Shorttrack: Bei dieser Sportart werden in Sotschi acht Medaillen vergeben. Bei den Herren und Damen über 500, 1000 und 1500 Meter, sowie in der Staffel. © dpa

„Das ist eine gute Auswahl, die der deutschen Olympiamannschaft neue Chancen eröffnet. Diese werden unsere Athletinnen und Athleten 2014 hoffentlich nutzen, um die Leistungsfähigkeit des deutschen Wintersports zu unterstreichen“, kommentierte IOC-Vize Thomas Bach als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er dachte dabei vor allem an die deutschen Domänen Biathlon und Rodeln sowie Skispringen.

„Diese vierte olympische Disziplin ist für uns ein schönes Geschenk, denn 2014 ist Rodeln 50 Jahre olympisch“, meinte Josef Fendt, Präsident des Rodler-Weltverbandes FIL, zweimaliger Weltmeister und Olympiazweiter 1994. „Nun haben wir eine zusätzliche Chance auf eine Medaille“, sagte Olympiasiegerin Tatjana Hüfner nach Aufnahme der Team-Staffel, die 2008 in Oberhof im WM-Programm stand.

Das Skispringen wurde laut IOC aufgenommen, weil keine Sicherheitsbedenken mehr bestehen. IOC-Sprecher Christoph Dubi: „Statt einer Handvoll wie bei der letzten Ablehnung der Aufnahme ins Programm gibt es inzwischen rund 30 Athletinnen, die zwischen 70 und 90 Meter springen können.“

Im Eiskunstlaufen besteht das sechsköpfige Team aus Einzelstartern bei Männern und Frauen, Paarläufern und Eistänzern. Erstmals ausgetragen wird dieser neue Wettbewerb bei der Premiere der olympischen Jugend-Winterspiele 2012 in Innsbruck.

Den Kreis der derzeit 110 IOC-Mitglieder erweiteren sollen Jose Perurena Lopez (Spanien), Gerardo Werthein (Argentinien) und Barbara Kendall (Neuseeland). Sie müssen jedoch von der IOC-Exekutive Anfang Juli in Durban/Südafrika noch bestätigt werden. An gleicher Stelle werden am 6. Juli die Winterspiele 2018 vergeben. Kandidaten sind neben München der laut Bach „leichte Favorit“ Pyeongchang/Südkorea sowie Annecy/Frankreich.

Ähnlich wie München 2018 mit dem Bürgerentscheid am 8. Mai in Garmisch-Partenkirchen steht vielleicht auch Annecy ein Votum der Bevölkerung ins Haus. Nicht nur Münchens Oberbürgermeister Christian Ude bekam am Mittwoch vor dem IOC-Tagungshotel in London eine Verlautbarung der Olympia-Gegner von Annecy 2018 in die Hand gedrückt. „Ich habe dann auch ein Foto mit dem Plakat NO Olympia Games in Annecy mit mir machen lassen“, erzählte Ude belustigt.

Annecy ließ umgehend wissen, man nehme das alles nicht so ernst. Staatspräsident Nicolas Sarkozy persönlich werde bei der IOC-Entscheidung über die Olympiastadt 2018 in Durban erscheinen. Vieles spricht dafür, dass Sarkozy und Annecy ähnlich Schiffbruch erleiden werden wie Chicago mit US-Präsident Barack Obama 2009 beim Bemühen um die Sommerspiele 2016 (Rio de Janeiro). Und wenig deutet darauf hin, dass Sarkozy so erfolgreich werden könnte wie Russlands Präsident Wladimir Putin zwei Jahre zuvor bei Sotschis erfolgreichem Anlauf auf die Winterspiele 2014.

In London wird am Donnerstag zur Präsentation von München und seinen Mitbewerbern der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zur deutschen Delegation gehören.

In der 60.000-Einwohner-Stadt Annecy, die laut der Initiative Anti-Olympia vor dem Bankrott stehen soll, wurden bisher 13.140 Unterschriften gegen die Spiele gesammelt. Die Olympiagegner in Annecy behaupten, nur 51 Prozent der Bevölkerung seien für Spiele in Annecy, die vor allem der Bürgermeister gewollt habe. Stadtratsmitglied Phillippe Metral Boffod kündigte an: „Tausende in Annecy haben genug von dieser Show und dem finanziellen Missmanagement. Wir planen in den kommenden Wochen eine Reihe von Aktionen, um auch bei IOC-Mitgliedern gehört zu werden.“

sid

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