Auge zu und durch!

Sehnerv verklemmt: Arzt gibt grünes Licht für Neureuther

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Felix Neureuther.

Wenger - Sein Sehnerv ist verklemmt, aber Felix Neureuther hat in Wengen gesiegt. Sein Arzt gibt grünes Licht für Kitzbühel!

Hinter Wengen kann Felix Neureuther einen Haken machen, das nächste Ziel ist der Ganslernhang kommenden Sonntag in Kitzbühel! Im Mekka des Skisports will der 30-Jährige nach 2010 und 2014 seinen dritten Sieg feiern und damit erstmals in seiner Karriere das Double der beiden Klassiker feiern.

„Als Kind träumt man immer von zwei Rennen, die man gewinnen will: das eine ist Wengen, das andere ist Kitzbühel“, sagte Neureuther am Samstag nach seinem Sieg auf den Pisten Männlichen und Jungfrau in Innerwengen. Lob gab’s auch vom siebtplatzierten Teamkollegen Fritz Dopfer: „Das war allererste Sahne.“ Nachmittags führte Neureuther den Taktstock zwischen den Stangen, abends dirigierte er auf der Siegerehrung die Schweizer Fans für ein besonderes Sieger-Selfie. Den Siegerpokal und einen Blumenstrauß in den Händen, ein breites Grinsen im Gesicht genoss der neue Führende des Slalom-Weltcups seinen großen Moment in vollen Zügen. „Wengen, du bist ein Traum“, beschrieb er anschließend euphorisch seine Gefühle.

Dass er im Berner Oberland triumphieren würde, daran war bei der Besichtigung und während des ersten Laufs nicht zu denken. Ein eingeklemmter Halswirbel, Nachwirkung seines Autounfalls auf dem Weg nach Sotschi im vergangenen Februar, bescherte ihm „einige Schwierigkeiten“. Der habe „auf irgendetwas draufgedrückt. Dadurch habe ich auf dem linken Auge nur die Hälfte gesehen. Das ist eine Art Migräne. Ich konnte nicht so Gas geben“, erklärte Neureuther seine Probleme. Vor dem zweiten Durchgang lag er mit 0,55 Sekunden Rückstand auf dem fünften Rang.

Nach einer Behandlung durch DSV-Physiotherapeut Max Merkel behielt Neureuther im zweiten Durchgang bei starkem Schneefall den Durchblick und fuhr im Stile der ganz Großen, eines Alberto Tomba oder Ingemar Stenmark, noch zum Sieg. „Der ist mir optimal aufgegangen. Da war ich wieder der Alte“, betonte er nach seinem zweiten Saisonsieg und ergänzte freudestrahlend: „Ich bin extrem happy. Das ist genial. Da werden Kindheitsträume wahr.“ Stefano Gross (Italien/0,20 Sekunden zurück), zuletzt Sieger in Adelboden, und Henrik Kristoffersen (Norwegen/0,44) folgten auf den Plätzen zwei und drei.

Neureuther baute seine Position als bester deutscher Weltcup-Athlet vor Markus Wasmeier (neun Siege) aus. Im Slalom-Weltcup übernahm er mit 420 Punkten so ganz nebenbei auch wieder die Führung vor seinem österreichischen Rivalen Marcel Hirscher (376), der im ersten Lauf ausgefallen war. Doch das war für Neureuther nur Nebensache: „Das ist mir im Moment so was von wurscht. Es kann noch so viel passieren.“ Na dann, Auge(n) zu und durch.

mm

Arzt gibt grünes Licht für Kitzbühel!

Halb blind auf dem linken Auge, eingeschränktes Sichtfeld – muss man sich Sorgen machen um Felix Neureuther? „Nein“, sagte Dr. Christian Schneider der tz. „Dass die Beschwerden nach der Behandlung schnell wieder verschwunden sind, ist ein gutes Zeichen. Seinem Start in Kitzbühel steht nichts im Wege.“ Der Leitende Chefarzt der Schön-Klinik kennt Neureuther und seinen Rücken gut, da er ihn nach seinem Autounfall vor den Olympischen Spielen untersucht hat. Neureuthers eigentliche Problemstelle ist die Lendenwirbelsäule.

Die fehlende Sicht, die Neureuther behinderte, geht aber nicht auf die Lendenwirbel-, sondern auf die Halswirbelsäule zurück. „Durch die Fehlhaltung im Lendenwirbelbereich kommt es entlang einer Dominokette zu einer Verschiebung in der Halswirbelsäule“, erklärt Schneider: „Von dort führen reflektorische Äste nach oben, die bis ins Auge ausstrahlen können.“

Besserung erfuhr Neureuther durch die beiden DSV-Physiotherapeuten Max Merkel und Eike Hirschmann. Die tz erreichte Merkel auf der Heimfahrt aus Wengen, die heilende Hand gab sich aber bescheiden. Er mache nur seinen Job, mehr wolle er dazu gar nicht sagen. Für Neureuther ist die Arbeit von Schneider, Merkel und dessen Partner Martin Auracher vom OsteoZentrum am Schliersee unverzichtbar. Die Physiotherapeuten hätten in der Pause „ganze Arbeit“ geleistet. „Das war genial“, lobte Neureuther.

mm

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