Rücktrittsgedanken, Rauschberg und Ziele

Schempp vor WM-Start: "Ich habe gezweifelt"

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Simon Schempp.

Kontiolahti - Beim Sprint am Samstag (13 Uhr) startet Medaillenhoffnung Simon Schempp (26) in die Biathlon-WM, zuvor stellt er sich im tz-Interview.

Herr Schempp, lassen Sie uns über Ihre Heimatstadt Uhingen sprechen, was müssen wir wissen?

Simon Schempp: Dort bin ich aufgewachsen, war im Kindergarten und in der Grundschule. Mit 16 Jahren bin ich aufs Skiinternat gewechselt.

Schwaben differenzieren oft sehr genau. Wie bezeichnen Sie sich: Bayer? Schwabe? Uhinger?

Simon Schempp: Ich bin Schwabe, das genügt, das sind meine Wurzeln. Ab und an profitiert unsere Mannschaft davon, wenn ich Spätzle nach dem Rezept meiner Mutter mache.

Heute leben Sie in Ruhpolding, dort sollen Sie oft auf dem 1645 Meter hohen Rauschberg sein?

Simon Schempp: Dieser Berg hat mich einige Schweißperlen gekostet. Ich fahre oft mit dem Rad hoch, manchmal mache ich Berg­läufe. Es ist schön zu sehen, dass das Training jetzt Früchte trägt.

Warum läuft es ausgerechnet jetzt so gut?

Simon Schempp: Ich bin reifer und erfahrener, das hilft mir vor allem am Schießstand. Die vergangene Saison war auch schon ein sehr gutes Jahr für mich, aber durch Krankheiten hat mir die Konstanz gefehlt. Heute bin ich trainingsverträglicher.

Das müssen Sie erklären.

Simon Schempp: Zu meiner Anfangszeit habe ich es schon mal mit dem Training übertrieben, mein Körper war noch nicht bereit dafür. Über die Jahre hat eine Entwicklung stattgefunden, durch die gesundheitlich gute letzte Saison bin ich diesmal mit einem höheren Grundlagenniveau eingestiegen. Dadurch konnte ich mit höherer Intensität trainieren und die Regenerationsfähigkeit verbessert sich.

2011 waren Sie krank, es bestand Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung. Eine schwierige Zeit?

Simon Schempp: Die Krankheit hat mich über ein Jahr gekostet, Leistungssport war nicht möglich und auch danach lief es nicht.

Gab es Rücktrittsgedanken?

Simon Schempp: Es gab Momente, in denen ich gezweifelt habe. Niemand konnte mir sagen, wann es wieder besser wird, ein Comeback war nicht absehbar. Wenn sich die Genesung so lange zieht, das ist deprimierend, aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben.

Dafür wurden Sie belohnt, die Medien haben Ihnen den Spitznamen Schemppionator verliehen. Was sagt der bescheidene Schwabe dazu?

Simon Schempp: Superlative sind schnell ausgepackt und meine Serie war ja durchaus sensationell, so etwas erlebt man nicht alle Tage. Aber wenn es nicht läuft, ist man medial gesehen auch schnell wieder unten. Ich weiß, dass man sich alles hart erkämpfen muss.

Dass es nicht von selbst geht, hat der Oslo-Weltcup bewiesen, Sie waren 13. und 27.

Simon Schempp: Ich habe nichts schleifen lassen, aber das war ein Weckruf. Durch die Ergebnisse davor habe ich aber so viel Selbstvertrauen getankt, dass ich optimistisch zur WM fahre. Die Erwartungen sind gestiegen, aber das sehe ich als Anerkennung. Mein persönliches Ziel ist das Podium.

Im Weltcup konnten Sie in Kontiolahti noch nie aufs ­Stockerl laufen. 

Simon Schempp: Wenn man gut in Form ist, kommt man mit allen Voraussetzungen klar. Wenn man schlecht drauf ist, spielt einem nichts in die Karten. Ich fahre jedenfalls nicht mit einem schlechten Gefühl nach Finnland.

Interview: Mathias Müller

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