Eurosport-Kommentator im tz-Interview

Kitz-Wochenende: Wie viel Party geht noch, Herr Wörndl?

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Furchteinflößende Perspektive: Kjetil Jansrud an der Hausbergkante, unter sich die Massen im Ziel.

München - Er wurde 1987 Slalom-Weltmeister, ein Jahr später holte er Olympiasilber: Frank Wörndl. Inzwischen wurde der 56-Jährige zum Kult-Kommentator bei Eurosport. Das tz-Interview.

Herr Wörndl, wie oft waren Sie in Kitzbühel beim Slalom am Ganslernhang am Start?

Frank Wörndl.

Wörndl: Das kann ich nicht genau sagen. Das erste Mal 1978. Damals belegte ich mit hoher Startnummer Platz 8, was auch meine beste Platzierung bleiben sollte (lacht). Aber: In meiner Zeit ist der Slalom gelegentlich ausgefallen. Richtig oft war ich daher in Kitzbühel nicht am Start.
Eine Gondel in Kitzbühel, welchen Stellenwert hat sie für einen Skifahrer?
Wörndl: In Kitzbühel ein Rennen zu gewinnen und sich somit eine Gondel zu sichern, ist sehr viel wert. Anekdote gefällig? Kürzlich waren meine beiden Söhne über die Uni mit Professoren in Kitzbühel. Danach fragte mich Brian, ob es dort eigentlich auch eine Gondel mit meinem Namen gibt, was ich leider verneinen musste. Also: Ja, so eine Gondel ist sehr viel wert.
Im Rückblick, was waren Ihre Highlights in Kitzbühel? Ich erinnere mich z.B. gerne an 1981: Slalom-Ass Stenmark auf der Streif.

Wörndl: Ganz klar: 1978, als Christian Neureuther und Sepp Ferstl gewonnen haben – der Hahnenkamm in deutscher Hand! Ein Highlight war sicher auch 1975, als Gustav Thöni, der nur wegen der Kombipunkte in der Abfahrt antrat, um ein Haar gewonnen hätte und mit nur einer Hundertstelsekunde Rückstand auf Franz Klammer Zweiter wurde.

Haben Sie mal überlegt, die Streif zu fahren?

Wörndl: In den Jahren 1978, ’79 und ’80 wollte ich unbedingt die Streif fahren, aber die Trainer waren dagegen… Natürlich braucht es eine große Überwindung, sich der Streif zu stellen, aber du hast als Techniker in Kitzbühel bessere Chancen als bei anderen Abfahrten. Gute Techniker, etwa ein Ivica Kostelic, können auf der Streif ziemlich weit vorne landen.

Wir gestehen, häufig Skiübertragungen auf Eurosport zu verfolgen. Unser Dream-Team ist Guido Heuber & Wörndl. Wie bereiten Sie sich vor?

Wörndl: Ich spreche nur von mir: Die Vorbereitung hält sich in Grenzen. Seit der WM in Saalbach (1991) – es fiel jemand aus und ich bin spontan eingesprungen – bin ich durchgehend als Kommentator tätig. Zehn Jahre ZDF, seit etlichen Jahren auf Eurosport. Der Weltcup ist mein Leben. Ich verfolge jedes Rennen, Damen ebenso wie Herren. Über die vielen Jahre erarbeitet man sich eine gewisse Routine. Der größte zeitliche Aufwand besteht darin, dass ich jedes Rennen anschaue. Sitze ich dann in der Kommentatorenkabine, lasse ich alles auf mich zukommen – ich analysiere, was ich sehe, was tatsächlich passiert.

Wie läuft es in der Kabine?

Wörndl: Wir verstehen uns prächtig, sind aber grundverschieden. Guido ist beispielsweise in der Online-Welt zu Hause. Die Zuseher können ihm während der Übertragung via Facebook Fragen stellen. Ich habe mit dieser Welt nichts am Hut, bin da eher konservativ, aber ich denke, wir zwei ergänzen uns gut.

2016, Ihre Tipps?

Wörndl: Ich wage keine Prognosen nach den Trainings, die ich als reines Herantasten verstehe. Was den Slalom betrifft, muss man abwarten, wer Kurssetzer ist. Allerdings ist Henrik Kristoffersen dem Rest der Welt ein wenig enteilt. Kitz ist aber eine Nervenschlacht. Diese Atmosphäre ist von der Anspannung her vergleichbar mit Olympischen Spielen oder einer WM. Da kann alles passieren.

Kitzbühel steht auch für ­Party & Glamour. Wie viel kann sich ein Sieger erlauben?

Wörndl: Ganz klar: Früher hat man nicht nur mehr, sondern vor allem viel wilder gefeiert. Ich erinnere mich gut an wüste Abende im Londoner Pub mit den Crazy Canucks. Einmal hatte ich vor dem Slalom heftig mit den Burschen gefeiert, mir dabei die Hand verletzt, weil ich in ein gebrochenes Glas gegriffen habe. Ich bin tags drauf natürlich gestartet, allerdings kam ich mit der verbundenen Hand kaum in den Handschuh (lacht).

Wie sieht eine Kitzbühel-Siegersause heute aus?

Wörndl: Früher haben die Presseleute ja mitgefeiert. Allerdings war es ein ungeschriebenes Gesetz, nicht über die Eskapaden des Vortages zu berichten. Wenn du heute halb nackt auf dem Tisch tanzt, steht das am nächsten Morgen in jeder Zeitung bzw. hat dich einer mit dem Smartphone gefilmt und das Video auf Youtube gestellt. Die Freiheit, mal die Sau rauszulassen, haben Sportler heute nicht mehr. Im Skisport fließt viel mehr Geld als früher. Als Athlet bist du deinen Sponsoren verpflichtet und hast dich ordentlich zu präsentieren.

Auf Youtube findet sich auch ein Video von ­Ihnen: „Auf geht’s, Skifahren ist Leidenschaft“? – wie kam es dazu?

Wörndl (lacht): Da muss ich weit ausholen. Lothar Matthäus lud mich 2008 zum Afrika Cup nach Ghana ein, wo ich den Musiker und Produzenten Werner Hofreiter kennenlernte. Bei einem Karaoke-Abend trug ich einen Reggae-Song vor, und Werner meinte: „Wörndl, du kannst ja singen. Lass uns eine Single machen!“ Ich hielt das für Schmarrn. Ein Jahr später lud mich Christian Neureuther zu seinem 60. Geburtstag ein und ich dachte: Was schenkst du einem, der praktisch alles hat, dem ich persönlich aber auch viel zu verdanken habe? Also rief ich Werner an und landete im Studio. Die Single war ein Geburtstaggeschenk für Christian. Dass daraus ein ganzes Album entstanden ist, habe ich der Tatsache zu verdanken, dass der Song auf Mallorca gespielt wurde und sehr gut ankam.

Streben Sie etwa eine Karriere à la Hinterseer an?

Wörndl: Das war einmalig und reiner Spaß. Wissen Sie, ich hasse Schlager, stehe viel mehr auf Rockmusik. Wie man seine Stimme durch intensives Training verbessern kann, war allerdings eine tolle Erfahrung: Üben, üben, üben – wie beim Skifahren.

Interview Johanna Stöckl

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