Snowboard Germany

Kribbeln in der Hygieneblase

Snowboard-Verbandschef Michael Hölz überreicht Ramona Hofmeister eine Trophäe
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Vorbilder in Sachen Corona-Hygiene: Die Maske bleibt auch oben, als Präsident Michael Hölz Weltcup-Gesamtsiegerin Ramona Hofmeister auszeichnet.

Klein, aber erfolgreich. Snowboard Germany (SVD) setzt im Wintersport Maßstäbe. In der Vor-Corona-Saison belegte der kleine Verband aus Planegg Platz zwei im FIS-Nationenranking. Nun will der SVD auch bei den Themen Covid-19 und Hygiene eine Vorbildrolle übernehmen.

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  • Die deutschen Snowboarder sind heiß auf Weltcupwinter und WM in China
  • Offizielles WM-Ziel: 20 deutsche Starter, mindestens drei Medaillen

Spätestens mit Platz zwei in der letztjährigen FIS-Nationenwertung hat sich Snowboard Germany (SVD) den Ruf eines Musterschülers im internationalen Wintersport erworben. Ein Anspruch, den der kleine Verband nun auch auf ein anderes Gebiet überträgt – auf den sehr aktuellen Themenkomplex Covid-19. „Wir wollen auch da unserer Vorbildrolle gerecht werden“, sagte Verbandschef Michael Hölz.

Sportlerin mit Biss: Weltmeisterin Selina Jörg.

Das zeigte sich bereits bei der Location für die obligatorische Jahrespressekonferenz. Stylische Hinterhoflofts oder Trampolinhallen schieden im Corona-Jahr 2020 aus – zu schwer kontrollierbar. Diesmal lud der SVD in den Verbandssitz nach Planegg, der zur Hygiene-Hochsicherheitsblase umfunktioniert wurde. Covic-19-Schnelltests am Eingang, Mahnhinweise an den Wänden („Trag Deine Maske!“), die von allen Teilnehmern während der 90 Minuten befolgt wurden. Auch das Mikro wurde nach jedem Beitrag desinfiziert – und so war es nur folgerichtig, dass der erste Redner nach dem Verbandschef kein Sportler war, sondern ein Mediziner: Dr. Martin Prantl, den die Journalisten bereits beim verpflichtenden Rachenabstrich kennengelernt hatten.

Strenge Corona-Regeln bei einem Sport, der für Freiheit steht? Kein Problem für Ramona Hofmeister und Co.

In einem längeren Vortrag gab Dr. Prantl Einblicke, wie sich das Sportlerleben im anstehenden Weltcupwinter gestalten wird. Schnell wurde klar: Das Gefühl von Freiheit, das die Snowboarder so lieben, wird für längere Zeit auf Eis gelegt. Ein typisches Rennwochenende könnte ab Dezember so aussehen (sofern sich die Lage nicht weiter verschlechtert): Anreise in Kleingruppen, die auch am Zielort einzuhalten sind. Öffentliche Bereiche im Hotel wie der Fitnessraum sind zu meiden. Analog die Vorgaben für draußen: Ein Bogen ist um alle Orte zu machen, wo sich das Virus wohlfühlen könnte – vom Fahrstuhl bis zum Shuttlebus. Wöchentliche Tests sind Standard wie die FFP2-Masken und Sagrotanspender in den Teamfahrzeugen. Doch damit nicht genug: Auch beim Abendessen dürfen nur jene Sportler an einem Tisch sitzen, die sich bereits den ganzen Tag gesehen haben. „Sozial eigentlich katastrophal, aber es dient unserem Schutz“, sagte Dr. Prantl – „und dem unserer Mitmenschen.“

Wie schnell es sonst passieren kann, dass alles zum Stillstand kommt, hat das Racing-Team erst kürzlich erfahren: Positiver Test bei Selina Jörg, 32, der Weltmeisterin von 2019 – die Folge war eine zweiwöchige Quarantäne für alle, die ein paar Tage Schneetraining gekostet hat.

Selina Jörg hat ihre Covid-19-Infektion überstanden - jetzt fiebert sie der WM in China entgegen

Immerhin: Jörg ist wieder fit und konnte live dabei sein, als ihre Nachfolgerin als „Athletin des Jahres“ ausgezeichnet wurde: Ramona Hofmeister, 24, die stolze Gewinnerin des Gesamtweltcups im Vor-Corona-Winter. „Ich würde dich gerne drücken“, sagte Laudator Hölz, „aber es ist halt verboten.“ Geehrt wurden ferner: Slopestylerin Annika Morgan, 18, als „Rookie of the Year“. Dazu die Freestyletrainer Luka Gartner und Friedl May. Letzter weil er in Eigenregie eine Skateanlage für die Sommertrainings am Bundesstützpunkt Berchtesgaden gezimmert hat. Der Rest der Sportler saß derweil auf einem XXL-Sofa, das aus dem Nachlass von „Wetten, dass?“ stammen könnte – natürlich mit dem gebotenen 1,50-m-Mindestabstand.

Macht ein Sport, der für das Gegenteil von Reglementierung steht, so überhaupt noch Spaß? Hofmeister muss man mit so einer Frage nicht kommen. Bereits bei der Übergabe des Preises spürte sie „ein Kribbeln am Körper“. Und generell sei es ja so: „Für mich als Outdoor-Sportlerin hat sich nicht allzu viel geändert. Ich fühle mich super fit – vom Kopf her und auch vom Körper. Unsicher macht mich nur die Frage, ob Rennen stattfinden oder nicht.“

Auch Jörg, die Corona hinter sich hat, blickt voller Vorfreude auf den bevorstehenden Winter. Ihr übergeordnetes Ziel ist eine weitere WM-Medaille, die Hoffnung allgemein groß, dass die Titelkämpfe in China stattfinden können. Und was die leidige Covid-19-Geschichte angeht: „Ich hab’s gut überstanden und bin jetzt hoffentlich immun.“

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