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Boardercrosser Nörl über seinen verrückten Zweifachsieg: „Mein Brett war einfach brutal schnell“

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Von: Uli Kellner

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Martin Nörl rast beim Boardercross-Weltcup in Krasnojarsk zu seinem zweiten Sieg binnen 24 Stunden.
Zielsprung unter dem Sessellift: Martin Nörl (gelbe Hose) kurz vor seinen zweiten Sieg in Krasnojarsk. © FIS Snowboard

Was für ein Start ins Olympiajahr! Bei beiden Boardercross-Weltcups in Krasnojarsk raste Martin Nörl, 28, zum Sieg. Sportredakteur Uli Kellner sprach mit ihm.

Hallo Herr Nörl, in Ihren ersten zwölf Weltcupjahren haben Sie einen Sieg errungen – und jetzt gleich zwei innerhalb von 24 Stunden. Im Fußball würde man von einem geplatzten Knoten sprechen. Wie ist Ihre Erklärung?

Nörl: Schwer zu sagen. Die Strecke und der Schnee haben mir wahnsinnig gut gelegen. Dass es aber gleich so gut läuft . . . Mein Brett war einfach brutal schnell. Mir war schon klar, dass ich auf dieser Strecke schnell sein kann, aber speziell am ersten Tag bin ich mit dem Start überhaupt nicht zurechtgekommen.

Dafür haben Sie gezeigt, wie gut Sie in der Disziplin Überholen sind.

Nörl: Ja, das hat am ersten Tag ziemlich gut funktioniert – und überraschend auch am zweiten (lacht). Das hätte ich nie erwartet.

Haben die Konkurrenten Ihre Läufe nicht gut genug analysiert?

Nörl: Ich hab mit einem guten Kollegen aus Österreich gesprochen. Die wussten alle ziemlich genau, was ich machen werde, haben aber nicht wirklich eine Lösung gefunden, wie sie das verteidigen können. Zum Schluss war es so, dass ich immer andere Überholmanöver fahren musste – außer im Finale.

Martin Nörl (l.) lacht auf dem Siegerpodest.
Plötzlich in Gelb: Martin Nörl (l.) im Trikot des Weltcup-Gesamtführenden. © FIS Snowboard

Was für Ihre Qualität und Vielseitigkeit spricht.

Nörl: Ich würde es so ausdrücken: Die eine Kurve war halt wie gemacht für mich (lächelt).

Und welche teaminterne Feier war besser – die nach dem ersten oder die nach dem zweiten Sieg?

Nörl: Na ja, am ersten Tag haben wir nicht groß gefeiert – da ist jeder professionell genug, jeder will ja auch im zweiten Rennen noch Vollgas geben. Auch am Sonntag war es dann keine Riesenfeier. nur ein kleines Essen am Abend, denn wir haben mit Corona genug zu tun. Wir versuchen uns bestmöglich zu schützen, damit keiner aus dem Team in Quarantäne muss – gerade jetzt, so kurz vor den Olympischen Spielen.

Wie sind Sie zu Hause empfangen worden?

Nörl: Meine Kinder (zwei Mädchen, eine drei, die andere fast zwei/Red.) hatten im Wohnzimmer Ballons aufgehängt – das war total nett. Ich hab mich riesig gefreut. Ansonsten war erst mal nicht viel, denn wir sind ja erst spät am Montag zurückgekommen.

Und wie schläft es sichim Gelben Trikot des Gesamtweltcup-Führenden?

Nörl: (lacht) Ins Bett genommen hab ich’s nicht, aber klar: Es ist schön, dass ich das jetzt trage. Fairerweise muss man aber dazusagen, dass der Izzi (Alessandro Hämmerle aus Österreich) und ich gleich viele Punkte haben. Ich weiß jetzt nicht, warum gerade ich das Gelbe Trikot habe, da wird’s irgendeine Regelung geben. Ich freu’ mich natürlich, aber am Ende war’s nur eine Strecke, auf der ich beide Rennen gewinnen konnte.

Sicher ist in China nicht alles toll, aber es sind nun mal die Olympischen Spiele. Für mich und für viele andere Sportler ist es immer noch das Größte, was es gibt.

Snowboarder und Peking-Starter Martin Nörl, 28.

Zurück zu Ihrer Leistungsexplosion: Zählt Erfahrung im Boardercross unter dem Strich mehr als jugendlicher Wagemut?

Nörl: Auf jeden Fall. Wenn wir mal zum Team USA schauen: Derjenige, der sich mit Abstand am besten für Olympia qualifiziert hat, ist mittlerweile 40 (Nick Baumgartner). Klar: Du baust körperlich ab, wenn du ein bisschen älter bist, die Spritzigkeit geht verloren. Auf der anderen Seite kannst du besser einschätzen: Wo tun sich Lücken auf? Wo rentiert es sich, reinzureiten? Wo ziehst du besser zurück? Die Jungen sind meistens gut am Start, haben dann aber auf der Strecke Probleme.

Einen besseren Push für Peking kann es nicht geben. Fahren Sie jetzt als Favorit zu den Spielen?

Nörl: Ich glaube nicht, dass ich da als Topfavorit hinfahre. Mit Sicherheit wird auf mich geschaut werden, man wird mich auf der Liste haben. Aber Topfavorit? Nein, so sehe ich mich nicht.

Aber mit so einem Rückenwind wäre alles außer einer Medaille eine kleine Enttäuschung, oder nicht?

Nörl: Na ja. es ist ja immer noch Boardercross. Da kann einfach wahnsinnig viel schiefgehen. Man wird umgefahren oder macht selber einen Fehler und scheidet aus – wie auch immer. Ich werde in China versuchen, mein bestes Rennen zu fahren und dann von Heat zu Heat schauen. Wie weit es dann geht, wird man sehen.

Also überwiegt bei Ihnen die Vorfreude?

Nörl: Ich sag mal so: Trotz der pandemischen und politischen Begleitumstände freue ich mich drauf. Sicher ist nicht alles toll dort, aber es sind nun mal die Olympischen Spiele. Für mich und für viele andere Sportler ist es immer noch das Größte, was es gibt.

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