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Sotschi: tz zu Besuch auf der Olympia-Baustelle

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Der Helm ist Vorschrift: tz-Reporter Markus Kecht auf der Baustelle, die mal die Eishockey-Halle sein wird
Der Helm ist Vorschrift: tz-Reporter Markus Kecht auf der Baustelle, die mal die Eishockey-Halle sein wird © fkn

München - Nahe der Großbaustelle soll einst Prometheus an die Berge gekettet gewesen sein. Die tz hat sich dort umgesehen, wo die Olympischen Spiele 2014 stattfinden - in Sotschi.

Grüß Gott bei Prometheus! Wir sind im Kaukasus – hier, wo der Titan an die Berge gekettet war, also jedenfalls der griechischen Sage nach. Hier in Sotschi, wo sie gerade mit Vollgas für die Olympischen Winterspiele 2014 werkeln. Wo Prometheus, der Schöpfer, als Symbolfigur also wunderbar hinpasst. Die tz auf Ortstermin an der Olympia-Baustelle.

So sexy wird Sotschi

Hinschauen ist interessant – schließlich bewirbt sich München ja für die Winterspiele 2018. Sotschi ist da schon einen Schritt weiter, die Russen haben für 2014 logischerweise längst den Zuschlag bekommen. Und bei ihnen kann man sich jetzt anschauen, wie stark sich Olympia auf eine Region auswirken kann. In Sotschi ist es eine Großbaustelle, natürlich. Hier muss ja wirklich alles neu entstehen: Hallen, Hotels, Straßen und der Zug in die Berge, dort Hotels und Sportstätten. Und, und, und… In München wäre das deutlich anders – den größten Teil der Sportstätten gibt’s ja eh schon.

Wer München, Garmisch-Partenkirchen und den Königssee kennt, der hat hier in Sotschi natürlich den Gedanken: Wirkt alles ein wenig wie Retorte. Aber wie auch sonst? Ist ja alles neu. Hier Gazprom, dort die Sberbank – die einzelnen Skigebiete sind nahezu komplett von Firmen finanziert. Was für jemanden wie mich – aus den Bergen kommend und mit der alpinen Wintersport­tradition großgeworden – sowieso ungewöhnlich ist: Olympische Winterspiele mit Meer, Palmen und Strand zu verbinden. Doch genau das ist es hier. ­Sotschi sieht aus wie Nizza. Rund elf Monate im Jahr kann man im Schwarzen Meer bestimmt baden…

Aber: Weil wir hier über Winterspiele reden, geht’s nicht um Wasser, sondern um Eis und Schnee. Und da haben die Russen gute Nachrichten: alles im Plan. Die Eishockey-Arena bekommt schon das Dach – und auch der Rest wird wohl pünktlich fertig bis 2013. Ist auch kein Wunder, wenn man sich den Aufwand anschaut, der hinter dem Projekt steht. Man hat den Eindruck: Da sind Millionen von Lastwagen, Bauarbeitern und Kränen im Einsatz. Eine 40 Kilometer lange Baustelle, vom Olympia-Park mit allen Hallen und Stadien am Meer bis hinauf in die Berge, nach Krasnaya Polyana, wo die Schneewettbewerbe (dazu Bob, Rodeln und Skeleton) stattfinden werden.

Aber: Olympia ist ja viel mehr als bloß eine große Baustelle mit anschließender Sportveranstaltung und Riesenumsatz. Das spürt man in Sotschi, auch jetzt schon. Gerade fand hier zum Beispiel das erste Generations-for-Peace-Camp außerhalb des Mittleren Ostens statt – auf Initiative von Prinz Feisal von Jordanien und seiner Frau, Prinzessin Sarah. Das klingt zwar ein bisschen sperrig, ist aber ebenso simpel wie sinnvoll: Junge Leute aus allen Ecken der Erde sollen versuchen, in ihren jeweiligen Heimatländern Kindern und Jugendlichen Werte zu vermitteln – oft mit Sport als Trägermedium. Deshalb werden sie im Camp als „Peace Pioneers“ (Friedenspioniere) ausgebildet. Dafür gibt’s zehn Tage mit viel Theorie und viel Sport.

Wenn man vor Ort zuschaut, wie hier jeder jeden akzeptiert und wie viel Freude dabei entsteht, dann bekommt das Wort Olympia eine neue Facette. Denn: Sotschi 2014 ist Partner des Camps. Und es gilt der simple Dreisatz: Wären die Spiele nicht hier, gäbe es kein Camp in Sotschi – und das wäre schade. Punkt.

Markus Kecht

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