Streif-Held im Interview

Kitzbühel-Sieger Dreßen: „Wenn ich mal abhebe, dann sagt es mir!“

+
Thomas Dreßen wurde am Wochenende zum Superstar.

Kitzbühel-Sieger, Ski-Legende, Olympiafavorit – Thomas Dreßen wurde an diesem Wochenende mit viel Lob überhäuft. Wie sich das alles anfühlt, verriet der Mittenwalder im Interview.

Herr Dreßen, Fanfotos dürften neu für Sie sein, oder?

Thomas Dreßen: Ja, das hat es bisher so nicht gegeben. Aber es freut mich, wenn die Leute mich kennen und schätzen, was ich mache. Es ist immer ein Traum von mir gewesen, ein Weltcup-Rennen zu gewinnen, Kitzbühel natürlich auch. Dass ich das jetzt gleich auf einen Streich geschafft habe, ist einfach nur unglaublich.

Herrenchef Mathias Berthold gab bei seinem Antritt vor vier Jahren die Devise aus, 2018 mit dem Abfahrtsteam um Medaillen zu fahren. Haben Sie das damals mitbekommen?

Dreßen: Gehört habe ich es, dass das für dieses Jahr das ausgegebene Ziel war, aber ich habe mich persönlich noch nicht angesprochen gefühlt. Auch weil ich mich erst durch den Wechsel von Mathias Berthold zum Deutschen Skiverband dazu entschlossen habe, in das Speed-Team zu wechseln.

In der Jugend sind Sie vor allem Riesenslalom gefahren, richtig?

Dreßen: Bis in das Jahr, als Mathias kam, war ich Teil der Technikmannschaft und bin im Europacup gefahren. Aber Speed hat mich gereizt und durch Mathias und auch Christian Schwaiger war ich davon überzeugt, dass es eine coole Geschichte werden könnte. Ich hatte vollstes Vertrauen in die Trainer und nach Rücksprache mit ihnen bin ich gewechselt.

Lesen Sie dazu auch: Kitzbühels Überraschungssieger Dreßen - Ein Leben mit dem Schicksalsschlag

Sie haben als Jugendlicher zwei WM-Silbermedaillen gewonnen, haben Sie damals schon gedacht, dass Sie auch im Herrenbereich erfolgreich sein könnten?

Dreßen: Nein, man freut sich, aber man darf als Jugendlicher nicht den Fehler machen und denken, man hätte etwas erreicht. Man hat vielleicht für den Moment etwas erreicht, aber heute im Weltcup bringen mir diese Medaillen nichts mehr. Da kommt keiner und fragt, ob ich mal bei einer Jugend-WM eine Medaille geholt habe. Man muss das als Stufe sehen, von der aus man sich weiterentwickelt.

Lesen Sie dazu auch: Dreßen feiert historischen Abfahrts-Coup in Kitzbühel

Sie leben mit Ihrer Freundin Birgit in Österreich, wie soll man Sie bezeichnen?

Dreßen: Als Mittenwalder. Mein Wohnort liegt in Oberösterreich, aber Mittenwald ist meine Heimat, da komme ich her, da gehöre ich hin. Da lebt auch mein Freundeskreis und die haben alle nichts mit Leistungssport zu tun. Das tut mir gut, durch sie komme ich ein bisschen weg von der ganzen Ski-Geschichte, das ist manchmal eine gute Ablenkung.

Erden müssen Sie Ihre Freunde aber nicht, oder?

Dreßen: Ich hoffe nicht. Mir ist es ganz recht, wenn ich irgendwo hingehe und mich keiner kennt, wo ich ein normaler Typ sein kann. Aber ich habe meinen Freunden auch gesagt: Wenn irgendwann der Tag kommen sollte, an dem sie denken, jetzt hebt er ab, dann sollen sie mir bitte auch sagen, jetzt bist du abgehoben.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Dominik Kahun verlässt die Chicago Blackhawks - das ist sein neues Team
Dominik Kahun verlässt die Chicago Blackhawks - das ist sein neues Team

Kommentare