„In die Tasche gelogen“

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Unzufrieden: EHC-Trainer Pat Cortina.

München - Ach, hätte das alles schön sein können. Ein Sieg nach dem anderen, die Tabellenführung sowieso – der wärmende Mantel des Erfolgs… Hallo! Schnipps, aufwachen, bitte! Eishockey-Bundesligist EHC München ist nach seiner traumhaften Erfolgsserie auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

2:6-Heimklatsche gegen Ravensburg, Tabellenführung futsch. Wie geprügelte Hunde schlichen die EHC-Cracks nach dem Sonntagabend-Spiel vom Eis. Leere Blicke. Gesenkte Köpfe. Ratlosigkeit. Wobei: Cheftrainer Pat Cortina weiß durchaus, wo der Grund für die Pleite liegt. Mangelnder Einsatz! Cortinas schonungslose Analyse: „Wir haben in letzter Zeit nicht mit 100 Prozent gespielt und viele Spiele gewonnen. Dabei haben wir uns in die Tasche gelogen und uns vorgemacht, dass wir alles gegeben hätten. Jetzt haben wir die Rechnung dafür bekommen.“

Gewinnen könne man zwar Etliches, selbst wenn man nur mit 90 oder 95 Prozent auf dem Eis stehe – keinesfalls jedoch die Meisterschaft, so der Trainer. Und auch kein Spiel gegen Ravensburg, den Halbfinalisten der vergangenen Saison. Wobei: Ganz so deftig hätte diese Pleite denn doch nicht ausfallen müssen. Sogar Gäste-Trainer Peter Draisaitl fand dieses 6:2 zu hoch. Allein der überraschend faire Stürmer Ben Thomson machte da vier Tore. Übrigens: EHC-Manager Christian Winkler hatte seine Leute ausdrücklich vor dem Kanadier gewarnt…

Cortina wird das Gefühl nicht los, dass manche seiner Spieler nach dem 4:1-Auswärtssieg am Freitagabend in Kaufbeuren wohl ein wenig zu sehr auf Wolke sieben schwebten – und deswegen jetzt die erste Heimniederlage der Saison kassierten. „Da waren wohl einige zu sehr in sich selbst verliebt“, sagt der Coach und küsst sich auf beide Oberarme – um gleich konkret Akteure rauszupicken, die sich während der Woche wohl einiges anhören dürfen… Namentlich: Patrick Seifert und Dave Reid, deren Fouls und folgende Strafzeiten die Mannschaft schwächten. Cortina schimpft: „Das waren Frustfouls. Ich frage mich, wie jemand Frust haben kann, wenn er nicht hart arbeitet.“

Die alleinigen Übeltäter waren Seifert und Reid allerdings nicht. Zu wenig klappte beim EHC besonders im kreativen Bereich, dem Spielaufbau. Nennenswerte Chancen? Mangelware. Die Folge ist klar: Jetzt wird Cortina die Zügel anziehen! Vor Kurzem hatte der Trainer eigentlich noch angekündigt, stärker auf das Verantwortungsbewusstsein der einzelnen Spieler zu setzen und ihnen mehr Freiräume zu geben. Stürmer Niklas Hede war sich aber schon zu diesem Zeitpunkt sicher, dass Cortina Rezepte gegen unbegründetes Abheben der Spieler haben würde: „Der Trainer hat uns im Griff. Er wird uns Steine in die Tasche legen, damit wir am Boden bleiben.“ Das ist dann auf alle Fälle besser, als sich in die Tasche zu lügen.

Matthias Würfl

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