Trauer in der Skiwelt: Wir weinen mit Hilde

Hilde Gerg hat ihren Mann verloren.
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Hilde Gerg hat ihren Mann verloren.

München - Hilde Gerg (34), die sonnigste aller deutschen Skifahrerinnen, hat von einer Sekunde auf die andere das Licht ihres Lebens verloren, ihren Ehemann Wolfgang Graßl. So trauert die Skiwelt mit ihr.

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Graßl wurde nur 40 Jahre alt, Todesursache waren vermutlich Herzprobleme. Es ist eine ganze Welt, die da an diesem Montag zusammengebrochen ist. Für Hilde. Für die kleinen Kinder Anna Barbara (2) und Wolfgang (1), die ihren Papa nie wieder sehen werden. Für die ganze Familie. Für die Gemeinde Schönau, wo Wolfgang mehr als bloß geachtet war. Und für den Deutschen Skiverband, wo er als Trainer arbeitete. DSV-Präsident Alfons Hörmann sagt der tz: „Das ist ein in jeder Hinsicht tragischer Verlust – nicht nur sportfachlich, sondern vor allem auch menschlich. Wolfgang Graßl war ja nicht zuletzt wegen seiner menschlichen Qualitäten ein sehr geschätzter Kollege. Wo immer wir Hilde Gerg und ihrer Familie in diesen schweren Tagen helfen können, werden wir das tun.“

Graßl war im Trainer-Team für die Abfahrts-Damen im Weltcup zuständig. Außerdem kümmerte er sich um die Kaderathleten des DSV an den Christophorusschulen in Berchtesgaden – also um Deutschlands beste Nachwuchs-Leute. Graßl mit seinem großen Herzen war sicher genau der Richtige für diese vertrauensvolle Aufgabe. Rosi Mittermaier und Christian Neureuther erinnern sich: „Wir haben den Wolfgang gut gekannt – er war ein toller Mensch, er war immer für alle da, er hat immer alle gut behandelt. Wir wünschen der Hilde jetzt ganz viel Kraft – die wird sie vor allem in den nächsten Tagen brauchen.“

Wenn sie sich klar darüber werden muss, wie ihr neues Leben ohne ihren geliebten Mann weitergehen soll. Für Hilde, die immer schon ein Mensch der tiefen Gefühle war, wird es eine ganz, ganz schwere Zeit. Ihre Liebe zu Wolfgang war ein hart erkämpftes Glück. Während der aktiven Karriere, in der Zeit nach dem Olympiasieg, gab’s Eifersüchteleien im Team. Graßl zog sich deshalb Hilde zuliebe aus dem Damen-Trainerteam zurück. Echte Ruhe kehrte erst ein, als Hilde im Jahr 2005 ihre aktive Karriere beendete. Als nur noch die Liebe zählte und nicht mehr Kampf und Erfolg.

Ma rkus Wasmeier, ein guter Bekannter der Familie, sagt: „Die Hilde hatte mit dem Wolfgang und den beiden Kindern ihr Glück gefunden. Wenn ich darüber nachdenke, wie das Schicksal so eine junge Familie auseinanderreißt, dann kämpfe ich mit den Tränen. Ich wünsche der Hilde jetzt viel Kraft. Für die Kinder ist es vielleicht gut, dass sie noch so klein sind – so erleben sie den Tod des Vaters noch nicht so bewusst. Meine Frau hat ihren Vater verloren, als sie elf Jahre alt war – sie hat darunter mehr gelitten als ihre vier Jahre jüngere Schwester.“

Der Tod: Er hat brutal zugeschlagen – damals wie jetzt. Wolfgang Graßl hat er ganz unvermittelt geholt. Der Trainer war am Montag gerade auf dem Rückweg von einer Sport-Sitzung der Christophorusschulen gewesen, als sein Herz aufhörte zu schlagen. Seine Arbeit hat er immer sehr ernst genommen. Nicht zuletzt deshalb war er auch einer der Männer hinter dem Erfolg von Maria Riesch. Die Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver sagt: „Der Wolfgang war einer meiner engsten Betreuer im Europacup. Ich habe nur gute Erinnerungen an ihn, er war ein super Typ. Die Nachricht von seinem Tod hat mich ganz, ganz schlimm getroffen.“

Auch Katja Seizinger, Deutschlands erfolgreichste Skirennläuferin aller Zeiten, ist tief betroffen: „Es ist unfassbar – nur schlimm. Ich kann es noch gar nicht glauben. Vor einigen Wochen beim Weltcup-Finale in Garmisch-Partenkirchen waren wir mit Hilde und Wolfgang noch beim Kaffeetrinken zusammengesessen – und nun das… Für Hilde ist es besonders schlimm, war der Wolferl doch ihre große Liebe, von Jugend an. Sie hatten im Team deshalb auch eine schwierige Zeit gehabt. Wolfgang war lange Jahre auch mein Trainer, geblieben ist eine herzliche Freundschaft. Wolfgang war bei allen beliebt – bei Kollegen und Athleten, weil er fair und nett war und sich nie was zu Schulden hat kommen lassen.“

Ganz ähnlich empfindet es Ex-Rennläuferin Petra Haltmayr: „Der Wolfgang war positiv auf der ganzen Linie.“ Das bestätigt auch der scheidende Damen-Trainer ­Mathias Berthold: „Ich hatte mit Wolfgang eine sehr tolle Zeit, er war ein hervorragender Mensch und ein sehr guter Trainer.“ Graßls Tod: Er schockt die Ski-Welt. Und: Er schockt auch die Welt drumherum. Rodel-Star Georg Hackl sagt: „Dieser Todesfall ist höchst tragisch. Ein Wahnsinn – mitten aus dem Leben gerissen, als Vater von zwei kleinen Kindern. Der Wolfgang war ein Pfundskerl, immer freundlich, immer hilfsbereit und als Trainer kompetent.“

Thomas Schwab, Chef des Bob- und Schlittenverbands, erinnert sich: „Wolfgang Grassl war ein sehr guter Trainer, höchst engagiert. Wir sind uns seit Jahren praktisch tagtäglich in der Turnhalle des Stützpunkts über den Weg gelaufen.“ Und jetzt ist nichts mehr, wie es war…

gela, hei

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