Abfahrts-Irrsinn mit zwei Siegern

TV-Kritik zu Kitzbühel: Bravo, Marcel Streif

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Bernd Schmelzer mit Maria Höfl-Riesch.

Kitzbühel - tz-Kolumnist Jörg Heinrich schreibt in seiner TV-Kritik: Der Kitzbüheler Abfahrts-Irrsinn hatte zwei Sieger: Peter Fill – und BR-Kommentator Bernd Schmelzer, der beim schlechten Witz von Kitz genau die richtigen Worte fand.

„Das ist grausig anzuschauen“, schimpfte Schmelzer, als es einen Fahrer nach dem anderen in die Fangzäune warf. „Wenn der Hubschrauber mit dem Nachtanken nicht nachkommt, fehlt mir jedes Verständnis.“ Schmelzer stocksauer, und jeder Satz eine bittere Wahrheit: „Höher, weiter, schneller. Die Grenzen sind, wie ich finde, überschritten.“

Am Anfang galt noch: „Always Look On The Bright Side Of Streif.“ Alle hofften auf ein grandioses Rennen, auch wenn der BR-Mann bereits Böses ahnte: „Es ist kein Streifchen, keine Streif light. Bleibt’s gesund, Jungs!“ Dann stellte es mit dem Österreicher Otmar Striedinger gleich die Nummer eins im Zielhang auf. Schmelzer machte in bester Valérien-Rubi-Traditionspflege „Ou ou ou ach hei ei ei“ (O-Ton leicht gekürzt), und dann nahmen die Dinge ihren bösen Lauf. „Bleib stehen, Streitl, bleib doch stehen!“, japste Schmelzer beim Sturz von Georg Streitberger, und schon war das erste Krankenbett im Privatspital Hochrum bei Innsbruck belegt.

Spätestens als die Streif auch noch Aksel Lund Svindal nach Hochrum beförderte, hatte Schmelzer genug: „Jetzt reicht’s mir aber hier! Es muss nicht immer Opfer geben.“ Ein Skirennen als Gladiatorenspiele im Schnee, bei denen sich die Bussi-Bussi-Schampus-Schickeria wohlig gruselt – und ein empörter Kommentator. Als Svindal gottlob aufstand und Niki Lauda lachte, zürnte Schmelzer: „Ich find das nicht lustig, ehrlich gesagt.“

Die Alpin-Fans fanden nicht lustig, dass das Rennen nicht durchgehend live zu sehen war – aber daraus einen Vorwurf zu konstruieren („ARD verpennt Sturz-Serie auf der Streif“), ist albern. Dass das Erste in den Sturzpausen zum Biathlon abgab, war allemal verständlich. Biathlon, der heilige Sport aller Deutschen, gehört zu einem Mittag im Winter nun mal dazu wie das Schnapserl nach dem Schweinsbraten. Der schönste Satz des Tages kam trotzdem aus Kitzbühel: „Wenn Svindal anfängt, die Piste zu streicheln, bekommt selbst der Schnee Gänsehaut.“ Guter Mann, der Schmelzer. Wir ernennen ihn hiermit zum „Marcel Streif“ ehrenhalber. Hoffentlich hört er nicht auch bald auf.

Jörg Heinrich

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