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TV-Kritik zu Ledeckas Jahrhundert-Gold: Danke an den BR für diese Live-Übertragung

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Von: Jörg Heinrich

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Ester Ledecka
Ein Jahrhundertsieg: Snowboarderin Ester Ledecka gewinnt den Super-G bei Olympia in Pyeongchang. © AFP

Witt weint, Vonn weint - und eine Tschechin, die eigentlich gar keine Skifahrerin ist, gewinnt den Super-G: Unser Autor Jörg Heinrich dankt dem BR für die Übertragung des Jahrhundertsiegs von Ester Ledecka. Die TV-Kritik.

Pyeongchang - Unser Thema heute: Neues von den Olympischen Schwielen! Selbst erfahrene Sofa­sportler klagen mittlerweile über Verhärtungen am Gesäß. Doch die stundenlange Mühsal vor dem Fernsehgerät lohnt sich – zum Beispiel für Gerhard Delling, der beim Biathlon das deutsche „Triumvirat von vier Damen“ pries. Der passionierte Possenreißer weiß wahrscheinlich genau, dass Triumvirat (Lat.: „Tres viri“) für „drei Männer“ steht. Kann aber auch sein, dass er weder in Mathematik noch in Latein aufgepasst hat, dem Delling traut man alles zu. Katarina Witt traut man wiederum zu, dass sie bis zur Schlussfeier durchweint. Die Sentimental-Sächsin schluchzt sich seit dem Aljona-Gold durch Südkorea, dass es einem das Herz zerreißt. Niemand außer Lindsey Vonn träniert so hart wie die Kati.

Doch überschattet wurde alles vom Super-G, vom unfassbaren Sieg der Snowboarderin Ester Ledecka über die echten Skifahrerinnen. BR-Reporter Bernd Schmelzer wurde dabei zum King of Ausflipping, zum Ausraster-Man! Und auch Expertin Maria Höfl-Riesch, die mit einem Fragezeichen-Pulli stumm dagegen protestierte, dass die ARD sie trotz der weltweiten Initiative #FreeMaria weiterhin im Studio interniert hält, war baff. Wir erzählen Ihnen, was sich beim Jahrhundert-Skirennen abspielte.

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Akt 1, Lindsey weint: Es läuft prima für Dramaskiqueen Lindsey Vonn, bis zum Fehler kurz vor dem Ziel. Schmelzer ätzt: „Es ist alles vorbei. Lindsey weint wahrscheinlich später im Zielraum, Lucy wird auch weinen.“ Lucy ist der Vonn-Hund, ein fieser Kläffer. Schmelzers Empfehlung: „Ich hoffe, Ihr habt im Studio bei Maria genug Taschentücher.“ Wir lernen: Mehr gewischt als beim Alpin-Ski wird nur beim Curling, und bei Kati Witt.

Pyeongchang 2018 - Ski alpin
Kann es nicht fassen: Lindsey Vonn. © dpa

Akt 2, der ­Veiths-Tanz: Erst ist Tina Weirather vorn, die Straubinger Liechtensteinerin, von der Schmelzer weiß, dass ihre Mama Hanni Wenzel auf dem Gäuboden gezeugt wurde. Tina – „ein Stern, der unseren Namen trägt“. Als sie in Führung geht, weint Lara Gut. „Die Spiele der Tränen deuten sich an.“ Dann schießt Anna Veith, die Ex-Fenninger, ins Ziel: „Veith oder Weirather? Es ist Veith, es ist Veith! Was für ein Fight von Veith!“ Schmelzer vom Wahnsinn gepeitscht, Überschwang aus Balderschwang. Später gibt Anna im ORF das erste Interview: „Für mich der schönste Sieg.“ Sie hat Gold – aber nur für 26 Minuten und 36 Sekunden.

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BR-Moderator Schmelzer: „Du bist es! Ester! Ist! Erste!“

Akt 3, ein Wunder namens Ester: Bei Nummer 26 hat sich Schmelzer wieder entspannt und traut der Hybrid-Skifahrerin einen guten Platz zu: „Sie hat sich top entwickelt auch im Alpinen.“ Als Ester bei der zweiten Zwischenzeit 18 Hundertstel vorne liegt, entfährt dem BR-Mann ein knappes „Großartig“, ansonsten ist er sprachlos. Doch als die Tschechin ins Ziel rast, bricht der Wahnsinn los: „Ledecka fliegt fast am Tor vorbei, Ledeckaaaaaaaaa!“ Ihr Nachname hat jetzt elf „a“, wir haben mitgezählt. Schmelzer dreht am Rad: „Du bist es! Ester! Ist! Erste!“ Und als die Snowboarderin immer noch an einen Fehler der Zeitnahme glaubt: „Das ist kein Spaß, Kind! Das ist Olympia!“ Und: „Wenn Sie mich gefragt hätten, wird Ester Ledecka Olympiasiegerin, hätte ich gesagt: Davor wird Schulz Kanzler.“ Das geht minutenlang so, es ist großartig. Und wir glauben jetzt wieder an den lieben Gott, der dafür gesorgt hat, dass nicht die Flachlandtiroler vom ZDF dieses Rennen übertragen haben.

Ester Ledecka
Selbst am Ausflippen: Ester Ledecka. © AFP

Plus: Bravo, heute-show! Da verjubelt das ZDF Abermillionen fürs Olympia-TV. Und Moderator Olli Welke ätzt: „Wer zur Hölle stützt das kranke System des IOC?“ Genau – sein eigener Sender!

Minus: Guter Job von Tom Bartels beim Springen von der Großschanze. Aber: Bei Eurosport mit Matze Bielek und Sven Hannawald macht’s so viel mehr Spaß. Dagegen wirkt ein einsamer ARD-Bartels altbacken und bieder.

Jörg Heinrich

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