Freilichtmuseum am Schliersee

tz besucht Wasmeier: "Das ist was für die Seele"

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tz-Reporter Mathias ­Müller und Markus ­Wasmeier.

Schliersee - Die tz besuchte Markus Wasmeier in seinem Freilichtmuseum am Schliersee und wollte vom Doppelolympiasieger wissen, was für ihn Heimat bedeutet.

Wasmeier vor einem Hof ­seines ­Museums.

Am Schliersee vorbei und nach einem Kilometer an der Bahn links abbiegen und schon steht man vor Markus Wasmeiers Freilichtmuseum. Im Osten liegt der Hirschgröhrkopf, im Süden die Brecherspitz, der See ist nur einen Hupfer entfernt. Hier wollen wir von Doppelolympiasieger Markus Wasmeier wissen, was für ihn Heimat bedeutet.

Herr Wasmeier, hat Sie die Vergangenheit schon immer begeistert?

Wasmeier: Die Leidenschaft hat sich durch Ausflüge mit meinem Vater ins Freilichtmuseum Glentleiten entwickelt. Wir hatten den Traum, selbst so ein Haus zu haben. Anfangs haben wir das nur privat gemacht, das Museum konnten wir nur durch meine Bekanntheit auf die Beine stellen.

Privat wohnen Sie in einem transferierten Haus, richtig?

Wasmeier: Das stimmt. Zum ersten Haus, in dem meine Eltern jetzt wohnen, hat meine Mutter gesagt: „Ein teures Brennholz haben wir gekauft.“ Heute sind sie total glücklich. Es wäre schade, wenn die alten Häuser verschwinden, sie haben viel zu erzählen, jede krumme Wand atmet Leben, das ist nichts Steriles.

Mit Ihrem Museum…

Wasmeier: …will ich der Nachwelt zeigen, wo unsere Wurzeln liegen. Die Technologisierung hat uns überrollt, das alte Handwerk und viele Traditionen sind verloren gegangen. Durch das Museum bieten wir eine Plattform. Die Besucher können sehen, wie ein Schmied oder ein Uhrenmacher gearbeitet haben, wie früher Brot gebacken wurde und vieles mehr.

Das Museum, der See, die Berge, ist das für Sie Heimat?

Wasmeier: Heimat ist nicht nur der Ort, an dem man geboren ist. Um von Heimat zu sprechen, muss viel zusammenpassen: die Landschaft, die Freunde, die Kultur, die Traditionen und natürlich die Familie. Man muss es sich wie einen großen, runden Kuchen vorstellen, der viele kleine Stücke hat. Wenn alles zusammenpasst und man sich wohlfühlt, dann kann man von Heimat reden.

Auf der Anfahrt habe ich einen Song im Radio gehört, „Zu Hause ist da, wo deine Freunde sind“, hieß es darin.

Wasmeier: Freunde alleine sind es nicht, ich habe in der ganzen Welt verteilt Freunde, deswegen gehört das nur bedingt zur Heimat. Aber ich bin froh, dass ich von einigen Menschen weiß, die mir ohne zu Zögern helfen würde. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit.

Dennoch, könnten Sie woanders leben?

Wasmeier: Nein, ich habe viel gesehen, aber es hat mich nie rausgetragen. Ich könnte auch nie ohne Schnee leben. Das Weiß und die Stille, die entsteht, das fasziniert mich. Außerdem bietet der Schnee einen riesengroßen Spielplatz. Die ersten Schneeflocken, die fallen, wer fängt die nicht mit dem Mund? Auch wenn anderswo viel passt, oft fehlt die Kultur und die Tradition.

Weil es nicht Ihre Kultur ist?

Wasmeier: In vielen Ländern gibt es überhaupt keine Kultur mehr. Nehmen Sie Kanada, ein wunderschönes Land, aber die Kultur ist nicht vergleichbar mit den bayerischen Traditionen. Wir sind mit einem Schatz bestückt, das findet man kein zweites Mal auf der Welt. Mit dem Museum wollen wir die Menschen daran erinnern, wie schön alte Dinge sein können. Wenn es gelingt, Einzelne zu begeistern, wäre das toll. Die Freude der Gäste ist wie der Applaus für den Künstler, das ist mein Brot. Ich g’frei mich narrisch, wenn es den Leuten gefällt.

Wie stehen Ihre drei Söhne zu dem Thema?

Wasmeier: Die helfen mit, wenn Not am Mann ist. Ob sie später so leben möchten, das weiß ich nicht. Sicher ist auch einer dabei, der es sich moderner wünscht. Das wäre natürlich auch in Ordnung. Als Vater kann ich meine Leidenschaft nur vorleben und mit Herzblut vermitteln, aber nicht bestimmen, dass die Buam sie teilen müssen.

Gibt es im Umkreis von 30 Kilometern einen Berg, auf dem Sie noch nicht waren?

Wasmeier (lacht): Sicher nicht, ich kenne jeden Stock und jeden Stein, alle Wälder und alle Hänge. Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert, ich wollte immer wissen, wie die Welt von oben aussieht.

Sie sind alleine gestreunt?

Wasmeier: Meine Mutter war oft dabei. Allerdings war ich als Achtjähriger schon alleine Skifahren. Nach Hause bin ich über wilde Weg über die Bodenschneid oder per Anhalter gekommen.

Mit acht Jahren?

Wasmeier: In den Sechzigern war das normal, ich war aufgeräumt. Ich hätte meine Buam nie mit achten Jahren auf den Berg geschickt.

Gibt es einen Platz, den Sie besonders mögen?

Wasmeier: Unser Hausberg ist die Brecherspitz, da bin ich oft. Man läuft circa zwei Stunden hoch, kommt auf den Weg an.

Wie viele Wege kennen Sie?

Wasmeier: Ja alle. Ich kann Ihnen keine Stückzahl nennen, es gibt viele Jägersteige, die nur wenige Einheimische kennen.

Die sind nicht ausgewiesen?

Wasmeier: Gottseidank, sonst hätten wir gar keine Ruhe mehr. Am schönsten ist es, abends raufzugehen, wenn alle wieder heimgegangen sind. Dann schaust dir oben den Sonnenuntergang an und gehst wieder heim. Das ist was für die Seele.

Sie waren lange Teil des Skizirkus. Auch eine Art Heimat?

Wasmeier: Der Skizirkus ist eine eigene Welt. 200 Menschen, die das ganze Jahr zusammen sind und im selben Boot sitzen. Mein Gegner war immer die Piste, nicht die anderen Fahrer.

Als Teil der Skifamilie haben Sie sich sicher auch über die Medaillen von Fritz Dopfer und Felix Neureuther gefreut.

Wasmeier: Und wie, es macht total Spaß zu sehen, wie die Burschen Gas geben, Linus Strasser und Stefan Luitz gehören da auch dazu. Linus ist mit meinen Jungs gefahren, der Vater von Stefan war Servicemann bei uns in der Mannschaft. Mit der Familie Neureuther sind wir sowieso sehr eng verbunden.

Wie viele Ski-Freunde haben das Museum besucht?

Wasmeier: Einige, oft sind auch aktive Sportler hier, die vorher oder nachher zur medizinischen Betreuung ins Osteozentrum fahren. Sie kommen zur Brotzeit vorbei, wir sind so was wie der Kaffee-Brotzeit-Wartesaal.

Interview: Mathias Müller

Wasis Museum

Am liebsten würde Markus Wasmeier die Zeit vordrehen, denn im Moment ist sein Museum, in dem rund 70 Angestellte arbeiten, geschlossen. Ab 1. April öffnen die Pforten wieder und die Uhrmacher, Schmiede, Bäcker erwecken das Dorf zum Leben. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von zehn bis 17 Uhr. Mehr Infos unter www.wasmeier.de.

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