tz-Experten-Kolumne

"Felix Neureuther hat zu viel nachgedacht"

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Felix Neureuther will erstmals den Slalom-Gesamtweltcup gewinnen.

München - Nach dem vorletzten Weltcup in Kranjska Gora hat Felix Neureuther noch 55 Punkte Vorsprung auf Marcel Hirscher. Wie er die Slalom-Weltcupkugel noch gewinnen kann, verrät Frank Wörndl in der tz-Experten-Kolumne.

Frank Wörndl.

Marcel Hirscher als Sechster und Felix Neureuther als Neunter, so war das nach dem ersten Durchgang und dem groben Patzer von Hirscher natürlich nicht geplant, aber letztendlich ist nicht viel passiert. Felix ist nicht mit einem blauen Auge davongekommen, sein Punktepolster ist vor dem abschließenden Slalom in Méribel nur etwas geschmolzen und zwar von 66 auf 55 Punkte. Für den Saisonabschluss ist die Ausgangslage im Kampf um den Slalom-Gesamtweltcup nun klar: Wenn Felix mindestens Vierter wird, ist ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen – egal, was Hirscher macht. Er hat es also selbst in der Hand. Klappt das nicht, geht die große Rechnerei los – sofern Hirscher nicht gewinnt. Felix sollte sich darüber aber gar nicht den Kopf zerbrechen, sondern einfach sein Rennen fahren, auch wenn das leichter gesagt als getan ist. Gestern hat er wohl ein bisschen zu viel nachgedacht und ist deshalb nicht so frei und locker gefahren wie in den anderen Saisonrennen. Felix sollte in Méribel nicht versuchen, seinen Vorsprung zu verteidigen, sondern auf Angriff zu fahren.

Er hätte sich den Slalom-Gesamtweltcupsieg definitiv verdient, letztes Jahr lag er nur knappe 15 Punkte hinter Hirscher, hoffentlich erleben wir in einer Woche diesbezüglich kein Déjà-vu. Wie wertvoll der Titel ist, kann die Öffentlichkeit vielleicht nicht ganz nachvollziehen, aber wenn du der konstanteste und beste Fahrer über eine ganze Saison hinweg bist, ist das mindestens genauso viel wert wie eine WM- oder Olympia-Medaille, wenn nicht mehr. Die Hoffnung, dass Hirscher aufgrund seiner vielen Erfolge ein Stück nachlässt, ist vergebens, der Typ ist süchtig nach Erfolg. Aus deutscher Sicht wäre es natürlich schön, wenn er Felix in diesem Fall den Vortritt gewähren würde.

Von Frank Wörndl, Slalom-Weltmeister 1987

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