tz-Experten-Kolumne von Stefan Gaisreiter

"Vorsicht vor der Entwicklung"

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Stefan Gaisreiter.

München - In seiner tz-Experten-Kolumne zieht Stefan Gaisreiter, Bronze-Gewinner bei Olympia 1972, Zwischenbilanz zur Halbzeit der Bob-WM.

Zur Halbzeit der Bob-Weltmeisterschaften in Winterberg muss man festhalten, dass die deutschen Damen und Herren nach der blamablen Nullnummer in Sotschi wieder zurück an der Weltspitze sind. Vor allem die Titelverteidung im Zweierbob durch Francesco Friedrich und der herausragende zweite Platz von Nachwuchstalent Johannes Lochner sind hervorzuheben. Nachdem in der vergangenen Saison das Material nicht gepasst hat, feiert die deutsche Mannschaft jetzt mit rückgebauten Bobs wieder Erfolge. Für Sotschi hatte man sich einfach verkonstruiert, das kann schon mal vorkommen. Was mir nicht gefällt, ist das Materialwettrüsten im Bobsport. Heutzutage kostet ein Zweierbob locker 50 000 Euro, der Vierer rund 75 000, hinzu kommen Optimierungen oder spezielle Kufen. Darunter leiden viele ehemals starke Nationen, wie beispielsweise die Österreicher, Italiener und Schweizer. Sie stellen meist nur noch eine Bob im Wettbewerb. Auch Vereine können da nicht mehr mithalten, früher haben Bobs zwischen zehn und 15 000 Mark gekostet, aber so eine Anschaffung kann sich niemand ohne potenten Geldgeber leisten. Ich hoffe, dass sich der Internationale Bobverband FIBT diesbezüglich für einen Einhalt der Entwicklung und Rückbau des Materials einsetzt. Am kommenden Wochenende werden in Winterberg noch die Weltmeister in der Königsdisziplin, dem Viererbob, gekürt. Ich denke, dass Maximilian Arndt und Francesco Friedrich, beflügelt durch die guten deutschen Ergebnisse des ersten Wochenendes, um den Sieg mitfahren werden. Auch den Letten Oskars Melbardis muss man aufgrund seiner Weltcupergebnisse und seiner starken Startzeiten auf der Rechnung haben. Vielleicht kann auch der Schweizer Rico Peter für einen Paukenschlag sorgen. Medaillen hätten im Übrigen auch die WM-Veranstalter verdient, wir sehen spannende Wettkämpfe, alles läuft perfekt.

Von Stefan Gaisreiter, Bronze bei Olympia 1972

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