Snowboard-Weltmeisterin UND Ski-Weltcup-Starterin

tz-Interview: Das Doppelleben der Ester Ledecka

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Ob Ski oder Snowboard, immer volle Schräglage: Ester Ledecka.

München - Ester Ledecka fährt Snowboard- und Ski-Weltcup parallel. Vor ihrem zweiten Ski-Start am Wochenende in Crans Montana hat die Pragerin mit der tz gesprochen.

Eine Erfolgsgeschichte auf zwei Brettern! Beziehungsweise drei… Als Zweijährige begann Ester Ledecka mit dem Skifahren und nahm als Kind nebenher an Freestyle-Snowboard-Wettkämpfen teil. Mit 13 wechselte sie aufs Raceboard – und 2015 wurde die Tschechin Snowboard-Weltmeisterin im Parallelslalom. Aber das ist längst nicht alles: Vergangenes Wochenende feierte die 20-Jährige in Garmisch ihr Debüt im Ski-Weltcup und sammelte auf der schwierigen Kandahar in der Abfahrt (24.) und im Super-G (25.) auf Anhieb Punkte. Opa Jan Klapac war 1972 mit der Tschechoslowakei Eishockeyweltmeister, Vater Janek ist ein berühmter Sänger, Ledecka will nach der Saison zusätzlich zu ihrem Schnee-Doppelleben ein Wirtschaftsstudium beginnen. Vor ihrem zweiten Ski-Start am Wochenende in Crans Montana hat die Pragerin mit der tz gesprochen.

Frau Ledecka, die legendäre Kandahar war eine gewagte Entscheidung für Ihr Debüt.

Ester Ledecka: Ich wollte auf einem leichteren Hang starten und dachte an den Riesenslalom in Courchevel, aber der Snowboardkalender war so vollgepackt, dass sich nichts anderes angeboten hat. Garmisch war meine erste Chance, die habe ich genutzt.

Kann man so sagen.

Ester Ledecka: Ich wollte nur die Ziellinie überqueren und hatte nie erwartet Punkte zu holen. Ich wollte Erfahrungen sammeln, wissen, wie es im Weltcup so läuft. Aber ich muss sagen, es ist kein großer Unterschied, beim Skifahren sind vielleicht etwas mehr Zuschauer.

Im Super-G lagen Sie knapp zwei Sekunden hinter Lindsey Vonn. Können Sie die schlagen?

Ester Ledecka: Ich weiß es nicht, ich will es und mache alles dafür, weil es mein größter Traum ist. Ich will mein Maximum erreichen. Die Besten sind noch weit weg, aber ich bin gut genug, um teilzunehmen. Das ist auch mein Ziel für 2018. In Sotschi hat es nicht gereicht, in Pyeongchang will ich in zwei Sportarten an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Wie ist es als Snowboarderin unter Skifahrern?

Ester Ledecka: Ach, voll in Ordnung. (lacht) Wenn ich bei den Skifahrern bin, lästere ich über die Snowboarder und wenn ich wieder im Snowboard-Weltcup starte, sage ich, wie uncool die Skifahrer sind.

Ihr Doppelleben ist sehr aufwendig, wie finanzieren Sie das alles?

Ester Ledecka:  Das Geld, dass ich beim Snowboarden gewinne, investiere ich ins Skifahren, auf dem selben Level würde ich beim Skifahren aber mehr verdienen. Und ich bekomme Unterstützung von anderen Athletinnen, Veronika Velez-Zuzulova beispielsweise ist eine gute Freundin, sie hat mir fürs Training ihren Geparden-Rennanzug geschenkt.

In Garmisch haben Ihre Eltern mitgefiebert. Das Talent haben Sie wohl von Ihrem Opa, wie steht es mit Blick auf Ihren Papa um Ihre Gesangskünste?

Ester Ledecka: Mein Papa ist in Tschechien ein bekannter Sänger und Komponist, er sagt immer, ich könnte sehr gut singen. Und ich singe auch – unter der Dusche. Papa ist im Übrigen aber auch ein guter Snowboarder und Skifahrer.

Interview: Mathias Müller

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