Vor dem ersten Slalom 2016

tz-Interview: Neureuther über Miri, Schweini und van Gaal

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Felix Neureuther mit seiner Freundin Miriam Gössner.

München - Im tz-Interview spricht Skistar Felix Neureuther unter anderem über seine Freundin Miriam Gössner, Kumpel Bastian Schweinsteiger und dessen Trainer Louis van Gaal.

Die letzten Tage des alten Jahres verbrachte Felix Neureuther trainierend in Südtirol, Silvester feierte der 31-Jährige zu Hause unter anderem mit Freundin Miriam Gössner und Ski-Spezl Linus Strasser. Am Mittwoch fährt Neureuther in Santa Caterina seinen ersten Slalom 2016, am 9. Januar geht’s weiter nach Adelboden. Das tz-Interview.

Herr Neureuther, wann standen Sie das letzte Mal auf Langlaufski?

Neureuther: Das war im April 2015 während meines Norwegen-Urlaubs mit Miri.

Und, wie macht sich der Alpin-Spezialist Neureuther beim Langlauf?

Neureuther: Ich finde es schwierig, sich selbst zu beurteilen, aber Verbesserungspotenzial ist definitiv da, so viel kann ich sagen.

So wie Sie zuletzt mit Ihrer Freundin Miriam mitgefiebert haben, sind Sie mittlerweile Biathlonexperte, oder?

Neureuther: Ich würde sagen, ich bin eher ein stiller Begleiter.

Sie haben in den Medien auffällig oft über sich gesprochen.

Neureuther: Wir planen das nicht, aber wenn man die Geschichte hinter dem Sportler kennt und weiß, was Miri durchgemacht hat, freut man sich, das ist ja verständlich. Aber das Private halten wir weiter privat, wenn, dann reden wir nur über die sportlichen Leistungen.

Felix Neureuther: "Bin zufrieden mit Saisonstart"

Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Saisonleistungen?

Neureuther: Mit meiner Vorgeschichte bin ich mit dem Start sehr zufrieden, damit konnte man nicht rechnen. Die guten Ergebnisse wecken natürlich Begehrlichkeiten, in Madonna di Campiglio habe ich wieder einmal gelernt, wie es nicht geht. Nach einem schwächeren ersten Lauf habe ich es im zweiten Durchgang mit der Brechstange anstatt mit Ruhe und Cleverness versucht. Im Vergleich zu meinen Konkurrenten habe ich noch viel Nachholbedarf, daran gilt es zu arbeiten. Allerdings darf ich dabei nicht fünf Schritte auf einmal machen wollen.

Ziemlich cool scheint derzeit der Norweger Henrik Kristoffersen, obwohl er erst 21 Jahre alt ist. Was ist er für ein Typ?

Neureuther: Ich kenne ihn jetzt ein paar Jahre, für sein Alter ist er unfassbar abgebrüht. Der geht das alles mit einer Professionalität an, die ich in dem Alter so sicher noch nicht hatte. Henrik hatte das Glück, dass Aksel Svindal und Kjetil Jansrud die Aufmerksamkeit in den vergangenen Jahren in Norwegen auf sich gezogen haben, dahinter konnte er sich gut entwickeln. Im Umgang ist er ein netter Kerl, aber er weiß auch ganz genau, was er will. Henrik geht gnadenlos seinen Weg.

Er sagt selbst, dass seine Jugendjahre nicht immer einfach waren, weil sein Vater ihn im Sport getrieben hat.

Neureuther: Ich kenne seinen Vater nicht, aber er ist für ihn eine sehr wichtige Bezugsperson. Das ist ein bisschen vergleichbar mit der Beziehung von Marcel Hirscher und seinem Vater. Henriks Weg war vorgezeichnet, alles ist sehr gezielt abgelaufen. Ivica Kostelic oder auch Benni Raich sind ähnliche Beispiele. Bei mir war das ganz anders, meine Eltern haben nie mit Druck versucht, mir das Skifahren beizubringen oder mich in eine Skikarriere gedrängt. Ihnen wäre es genauso recht gewesen, wenn ich etwas anderes gemacht hätte. Sie wollten nur, dass ich Spaß am Skifahren habe.

Im Gegensatz zu Hirscher stehen Ihre Eltern fast nie an der Strecke. In diesem Jahr haben Sie sie gebeten, nach Adelboden zu kommen. Kommen sie?

Neureuther: Ich weiß es gar nicht, aber ich habe ihnen gesagt, dass sie sich dieses Spektakel unbedingt einmal anschauen müssen. Die Atmosphäre ist einzigartig. Die Menschen leben den Skisport. In München denkt man bei tollen Skirennen immer an Kitzbühel oder den Nachtslalom in Schladming, weil es näher liegt. Aber Adelboden ist mindestens genauso toll, da kriegst du beim Fahren Gänsehaut. Der Riesenslalom ist der schönste und traditionellste des Weltcups.

Beschreiben Sie das Drumherum.

Neureuther: Bei der Startnummernauslosung werden wir Fahrer mit einem Flying Fox auf die Bühne abgelassen, auf den Straßen geht’s die Tage drunter und drüber, überall spielen Bands. Ich glaube, wir haben mit Abstand das lauteste Hotel, aber die Stimmung ist einfach toll.

Felix Neureuther über Duell mit Marcel Hirscher

Im Riesenslalom gilt es 2016 vor allem Hirscher zu schlagen. Ihm wurden kürzlich die Ski geklaut, wie haben Sie die Situation erlebt?

Neureuther: Ich habe zu Marcel am nächsten Tag im Spaß gesagt: „Ich hab den Ski probiert, so gut geht der gar nicht, ich weiß gar nicht, warum du dich so aufregst.“ Aber im Ernst, so etwas habe ich in den ganzen Jahren noch nie erlebt, es ist eine Sauerei, dass so etwas passiert. Einen Ski aus dem Zielraum zu klauen, so dreist muss man erst mal sein.

Mittlerweile ist der Ski wieder aufgetaucht, man munkelt, es könnte eine andere Skifirma gewesen sein.

Neureuther: Meine war es nicht. Ich kann mir das beim besten Willen auch nicht vorstellen. Wenn das rauskommen würde, hätte die Firma ein Problem, der Imageverlust wäre enorm.

Apropos Imageverlust, wir müssen noch über Drohnen im Skisport sprechen. War das Malheur in Madonna ein Ausrutscher?

Neureuther: Es war zu krass, um es als Ausrutscher zu bezeichnen, Marcel hat ein Riesenglück gehabt, dass nichts passiert ist, das war eine heftige Nummer. Wir wollen unseren Sport besser präsentieren, aber nicht um jeden Preis. Es wird Veränderungen in den Sportübertragungen geben, aber mit Drohnen wird in Zukunft wohl nicht mehr geflogen. Nebenbei bemerkt, ich fand die Bilder der Drohne auch nicht übermäßig spektakulär.

Verblüffendes spielt sich dafür bei Ihrem Spezl Bastian Schweinsteiger in England ab. Wie verfolgen Sie die Entwicklung von Manchester United unter dem umstrittenen Trainer Louis van Gaal?

Neureuther: In Manchester gab es vor der Saison viele neue Einflüsse, die müssen erst noch fruchten. Zudem haben sich viele Konkurrenten massiv verstärkt, aber ich bin mir sicher, dass sich die Mannschaft aus dem Tief herauszieht, gegen Swansea haben sie zum Glück wieder gewonnen.

Waren Sie ein Fan von Louis van Gaal, als er Trainer in München war?

Neureuther: Er hat Thomas Müller, David Alaba und Holger Badstuber in die erste Mannschaft geholt, das war sein Verdienst, aber wenn man gesehen hat, wie die Mannschaft danach unter Jupp Heynckes gespielt hat, war bei van Gaal sicher nicht alles perfekt. Was beispielsweise die Qualität seines Trainings betrifft, darüber kann ich nichts sagen, darüber spreche ich mit Basti auch nicht.

Interview: Mathias Müller

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