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Lena Neuner: "Supernett von Herrn Hoeneß"

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Magdalena Neuner © dpa

München - Olympiasiegerin Lena Neuner will sich für das Angebot des FC Bayern bedanken. Das sagte sie im Interview mit dem Münchner Merkur. Zu ihrer sportlichen Zukunft meinte sie: „Das wird eher noch besser“

Wieder daheim. Am Wochenende hatte Lena Neuner, 23, noch den Gesamtweltcup und Gold mit der Mixed-Staffel gewonnen. Bereits am Montagnachmittag flog die Biathletin aus Wallgau im Flughafen München ein, am Abend warteten die ersten Termine auf sie. Eine Live-Zuschaltung in Blickpunkt Sport und eine Präsentation bei ihrem neuen Sponsor, einem Erdinger Bierbrauer. Danach gab die Doppel-Olympiasiegerin noch eine Pressekonferenz, erzählte von ihrem zweiwöchigen Heimaturlaub, vom Generationswechsel im Biathlon-Team, von der Bedeutung ihres Mentaltrainings und vom Angebot des FC Bayern.

Lenas schönste Bilder

Lena Neuner, eine ebenso strapaziöse wie glanzvolle Saison liegt hinter Ihnen. Wie sehr freuen Sie sich auf den Urlaub, wohin geht es?

Ich bin jetzt zu Hause – und das ist mein Urlaub. Es ist schön, den Sport endlich nicht an erster Stelle zu haben. Ich werde erst einmal das normale Leben in Wallgau genießen.

Will man nach so viel Winter und Schnee nicht ab in den Süden?

Ich bin eben erst aus dem Flieger ausgestiegen. Und dann müsste ich in ein paar Tagen schon wieder wegfliegen. Ich brauche erst einmal Zeit zu Hause. Ich weiß, dass mir das auch mal gut tut. Ich habe auch meine Freunde wirklich vermisst in den letzten Wochen.

Sie haben eine lange Saison hinter sich, die Verschnaufpause wird aber nur kurz sein. Ist es da nicht schwierig, sich wieder neu zu motivieren?

Das ist bei mir nicht so. Die ersten zwei Wochen ohne Sport gehen super. Aber in der dritten Woche kribbelt es schon wieder. In der vierten Woche packe ich dann mein Radl aus und freue mich schon wieder auf den Trainingsbeginn.

Mit Kati Wilhelm, Martina Beck und Simone Hauswald sind drei Weltklasseathletinnen zurückgetreten. Die kommende Saison wird auch im Zeichen der Wachablösung stehen. Wie sehen Sie die Situation?

Die Drei hinterlassen auf jeden Fall eine große Lücke. Sie haben – zusammen mit Uschi Disl und Andrea Henkel – für mich früher immer die Nationalmannschaft verkörpert. Jetzt ist nicht mehr viel davon übrig. Nur noch die Andrea. Wir sind nun ein ganz neues, junges und auch starkes Team. Wir brauchen uns sicher nicht verstecken.

Noch nicht ganz geklärt ist, ob Miriam Gössner, die zwischenzeitlich als Langläuferin für Furore gesorgt hat, zum Biathlon zurückkehrt. Was glauben Sie: Wie wird sich die Miri entscheiden?

Ich habe mit ihrem Freund Simon Schempp gesprochen. Und der meint: Er glaube schon, dass sie wieder Biathlon machen werde. Und wenn der das sagt ... Ich für meinen Teil hoffe, dass die Miri wieder zu uns kommt. Auch wenn ich sie total gut verstehen könnte, wenn sie sagt: ,Ich geh’ zum Langlauf, das bringt mir mehr.’

Sie haben in dieser Saison alles abgeräumt, sind Olympia- und Weltcupsiegerin und am Ende auch noch Mixed-Weltmeisterin geworden. Konnten Sie diese Erfolge überhaupt richtig verinnerlichen?

Das geht wirklich alles sehr schnell. Olympia zum Beispiel ist schon wieder so weit weg. Ich muss vielleicht mal alle Kugeln hinstellen, die Medaillen hinlegen und alles Revue passieren lassen. Ich glaube, ich brauche einige Zeit, um das für mich unter einen Hut zu kriegen.

Wie lautet Ihre Bilanz dieses Winters?

Ich habe für mich alles erreicht. Und ich kann mir sagen: „Alles, was jetzt kommt, ist echt Zugabe.“ Ich habe nicht mehr den Druck, dass ich irgendetwas noch gewinnen muss.

Die hohen Erwartungen werden aber nicht geringer. Man will Sie weiter siegen sehen . . .

Damit bin ich bei Olympia damit auch gut zurecht gekommen. Ich habe da für mich meinen Weg gefunden. Und wenn ich so weiter mache, dann wird das in den nächsten Jahren eher noch besser. Ich glaube, dass ich sogar erst noch im Anfangsstadium bin. Da ist noch so viel möglich.

Wie sieht denn dieser Weg aus, auf dem Sie zu so enormer Stabilität gefunden haben?

Da spielt das mentale Training eine große Rolle. Darauf bin ich bisher nie groß eingegangen. Das ist so ein komplexes Thema. Und es ist mir so wichtig, dass ich nicht in ein, zwei Sätzen etwas sagen möchte, was dann falsch interpretiert wird. Ich habe mir aber vorgenommen, mit meinem Mentaltrainer im Urlaub einen Text zu verfassen, in dem wir erklären, wie wir arbeiten. Und das will ich dann auf meine Homepage stellen. Ich will das auch weitergeben, weil ich glaube, dass das vielen Sportlern helfen kann.

Für Aufsehen hat auch das Angebot von Uli Hoeneß gesorgt, der Ihnen einen Job beim FC Bayern angeboten hat. Was halten Sie von der Offerte?

Das Bayern-Angebot schmeichelt mir sehr. Das war supernett. Der Herr Hoeneß hat wirklich auf meinem Handy angerufen und mir auf die Mailbox gesprochen, dass er sich freuen würde, wenn ich ihn anrufen würde. Ich denke zwar noch nicht daran, meine Karriere an den Nagel zu hängen und zum FC Bayern zu gehen. Aber man denkt natürlich darüber nach: ,Mensch, was ist, wenn ich mal keinen Sport mehr mache?’

Wo würden Sie sich denn sehen als Angestellte des FC Bayern?

Momentan ist es schwer, mir das vorzustellen. Ich weiß nur: Wenn ich den ganzen Tag im Büro sitzen müsste, dann ginge das nicht. Ich bin so hyperaktiv, da würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden. Aber ich werde sicher bei Herrn Hoeneß anrufen und mich bedanken. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass jemand anruft und sagt: ,Ich habe einen Job für dich.’

Aufgezeichnet von Armin Gibis

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