Münchner Olympia-Hoffnung übt mit den Besten

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Christophe Schmidt (Archivfoto)

Gaylord/USA - Sauber, schön und hoch. So muss es beim Freestyle-Snowboarding aussehen, um den Wettkampfrichtern zu gefallen. Nicht so einfach, weiß Münchens Olympiahoffnung.

Christophe Schmidt (26) bereitet sich in diesen Tagen mit den Allerbesten der internationalen Snowboard-Szene in Gaylord im US-Bundesstaat Michigan auf die bevorstehenden Winterspiele in Vancouver vor. “Leider fehlt Christophe die teaminterne Konkurrenz. Deshalb ist es umso besser, sich hier mit anderen Sportlern zu vergleichen“, sagt Bundestrainer David Selbach.

Teams aus Australien, Neuseeland, Italien, Frankreich, Japan, Kanada, Polen, Korea, der Schweiz und Deutschland haben sich in dem kleinen 3800 Einwohner zählenden Ort vier Autostunden nördlich von Detroit getroffen, um sich auf Olympia vorzubereiten. Schmidt ist der einzige Deutsche, der sich für den Wettkampf in Vancouver qualifiziert hat. Seit vorigen Samstag nutzt er die idealen Bedingungen in Gaylord. Der private, nur für Mitglieder zugängliche Ski-und Golfclub hat in diesem Jahr das erste Mal eine Halfpipe mit Terrainpark gebaut - und das gleich in olympischen Dimensionen.

Der “Geheimtip“ hat sich schnell in der Szene herum gesprochen, und nun kommen die Athleten in Scharen in den kleinen Ort. “Die Bedingungen sind einfach genial“, sagt Schmidt. Die Leute hier seien super freundlich und die Trainingsmöglichkeiten seien andernorts bei weitem nicht so gut. “In den meisten Trainingsgebieten müssen wir manchmal über eine halbe Stunde im Skilift sitzen, nur um einmal die Halfpipe zu benutzen. Hier können wir alles in drei Minuten regeln. Die Abfahrt und den Skilift“, erzählt der gebürtige Gräfelfinger.

Und so trainieren Japaner, Schweizer, Polen, und Australier gemeinsam mit Schmidt in dem sechs Meter tiefen und 150 Meter langen Halbtunnel. In den vergangenen Monaten sei das Niveau rasant in die Höhe gegangen, berichtet der Münchner. Der neueste Trick, der Double- Cork - ein zweifacher Salto - galt bis Mitte letzten Jahres noch als zu schwer. Heute gehört der Trick zwar immer noch nicht zum Standardprogramm, doch wird er von vielen mit Bravour gemeistert.

Schmidt wird den gefährlichen Double-Cork in Vancouver nicht zeigen. Vor zwei Jahren hat er sich das Knie verletzt und im letzten Jahr die Schulter. Erst seit ein paar Monaten ist er wieder topfit und die Zeit bis zu den Spielen ist zu knapp, um den neuen Salto noch lupenrein einzustudieren. Stattdessen wird Schmidt die Jury mit einem Cab 1080, einem auf der Zehenkante ausgeführten Sprung mit dreifacher Drehung, und einem Backside Nine, einer auf der Fersenkante ausgeführten zweieinhalbfachen Drehung, begeistern.

Auch wenn eine Medaille eher unwahrscheinlich ist, Trainer und Athlet hoffen bei Olympia auf einen Platz unter den ersten Zehn. Dass dies möglich ist, hat Schmidt bereits bei den Spielen 2006 in Turin gezeigt - dort wurde er im Finale Achter. Am Sonntag fliegt das Team wieder nach Europa. Doch in Deutschland sind die Bedingungen für Halfpipe-Snowboarder miserabel, denn es gibt keine einzige Trainingsstätte mit dem Halbtunnel. “Leider haben die deutschen Skigebiete das mögliche Potenzial der Snowboardgeneration noch nicht erkannt“, sagt der Bundestrainer. Deshalb geht es vor Kanada noch einmal in die Schweiz zum Trainieren. Am 17. Februar ist es dann in Vancouver für Schmidt soweit. Und dann guckt nicht nur die ganze Welt zu, sondern zum ersten Mal auch der Papa. Schmidt: “Der hat mich noch nie beim Wettkampf fahren sehen“.

dpa

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