tz testet Strecke mit Ski-Ass Linus Strasser

Gekühlt aufbewahrt: So gut ist Schnee aus dem Vorjahr

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tz-Reporter Andreas Beez testet die "Altschnee"-Strecke.

Kitzbühel - Der Oktober neigt sich dem Ende zu. In den Kitzbüheler Alpen ist es ein goldener Herbst. Trotzdem gibt es auf der geheimsten Trainingspiste Tirols schon jede Menge Schnee. Die tz erklärt, wie es dazu kommt.

Goldener Herbst in den Kitzbüheler Alpen: Sonne satt bei Verwöhn-Föhn mit deutlich zweistelligen Plusgraden. Wanderer bestaunen die bunten Blätter an den Bäumen – und nur einen Kastanienwurf entfernt carven die Ski-Asse bereits durch den Stangenwald. Weltcup-Vorbereitung auf der (noch) geheimsten Trainingspiste Tirols!

Der Start liegt auf gerade mal knapp 1900 Metern Höhe. Genauer gesagt am Resterkogel überm Pass Thurn. Hier haben die Kitzbüheler Pisten-Profis eine rund 50 Zentimeter dicke, stabile und sehr griffige Schneedecke über den Herbst-Hang gezaubert. Wie ihnen das gelungen ist, was Rennläufer dazu sagen – die tz hat sich an Kitzbühels neuem Zauberberg auf Spurensuche gemacht.

Die Qualität der Piste verblüfft sogar die Athleten: „Der Hammer, hier geht’s besser als am Gletscher!“, schwärmt der Münchner Slalom-Shootingstar Linus Strasser. Und seine österreichische Kollegin Bernadette Schild meint augenzwinkernd: „Ich dachte immer, Wasser gefriert nur bei Temperaturen um die null Grad, und im Frühjahr schmilzt irgendwann der Schnee. Aber hier haben sie wohl die Naturgesetze außer Kraft gesetzt.“

Hokuspokus am Hang? „Na, na, keineswegs“, sagt Kitzbühels-Bergbahn-Chef Dr. Josef Burger bei der Streckenbesichtigung mit der tz. „Dahinter stecken eine tolle Idee, viel Herzblut und knallharte Arbeit unseres Betriebsleiters Andreas Hochwimmer mit seinem Team. Sie haben den alten Schnee vom letzten Winter direkt auf der Piste gelagert und über den Sommer gebracht. Jetzt nutzen wir ihn als Grundlage und haben nur minimal drauf beschneien müssen.“

Möglich wurde das spektakuläre, vergleichsweise umweltschonende Schnee-Re­cycling dank eines ausgeklügelten Isolationssystems. „Uns hat natürlich auch die Lage geholfen. Es ist ein Nordhang, der Winkel der überwiegenden Sonneneinstrahlung ist günstig. Bei der Planung waren Geologen und Grundeigentümer eingebunden“, erläuert Dr. Burger.

Zunächst schoben Pistenraupen 24 000 Kubikmeter Altschnee gepresst zusammen, es entstand ein gewaltiges, rechteckiges Schnee­depot. Dann verpackten die Kitzbüheler Bergbahn-Experten das weiße Gold mit zehn Zentimeter dicken Kunststoffplatten, die sonst im Hausbau zur Dämmung verwendet werden. Und drumherum kam eine spezielle Folie, die sich in landwirtschaftlichen Silos bewährt hat. Das erstaunliche Ergebnis: Trotz des heißen Sommers gingen nur 20 Prozent des eingelagerten Schnees verloren.

„Somit hatten wir 20 000 Kubikmeter Altschnee zur Verfügung, um als erstes Nicht-Gletschergebiet schon im Herbst eine so tragfähige Top-Piste herrichten zu können. Und das auf der Breite von etwa elf Pistenraupen (60 Meter) und mit einer ehrlichen Dicke von einem halben Meter – nicht geschätzt, sondern mit GPS-Technik vermessen“, erläuert Marketingchef Christoph Hirnschall.

Es ist die Premiere eines Pilotprojekts, das die Kitzbüheler über den Sommer bewusst nicht an die große Glocke gehängt haben. „Wir wollten erst mal abwarten, ob unser Plan auch wirklich aufgeht“, gibt Bergbahn-Boss Burger zu. „Jetzt sind wir natürlich total happy, dass die Piste hält, was wir uns von ihr versprochen haben.“ Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: „Der Hang ist ideal zum Trainieren“, lobt ÖSV-Ass Bernadette Schild.

Davon haben inzwischen immer mehr Weltcup-Teams Wind bekommen – neben den Österreichern auch Liechtensteiner, Niederländer und die DSV-Asse. „Wir haben Anfragen von den deutschen Herren und Damen für Trainingszeiten in der nächsten Woche“, verrät Bergbahn-Boss Burger.

Den Deutschen drückt der gebürtige Westendorfer neben seinen Landsleuten ohnehin immer die Daumen – ganz besonders Linus Strasser. „Zum einen, weil er aus München kommt und wir uns ein bisserl als Münchner Vorort sehen. Und zum anderen, weil der Linus bei uns in Kitzbühel das Skifahren gelernt hat. Vielleicht können wir ein klein wenig mithelfen, damit er beim ersten Weltcup-Slalom in Levi zwei Hammerläufe raushaut.“ Wenn sie denn dort Schnee haben…

Andreas Beez

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