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OB Ude im Interview: „Wir setzen auf Sieg“

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Uli Heichele Christian Ude
tz-Reporter Uli Heichele (links) interviewte OB Christian Ude (rechts) © Heichele

Vancouver - Weit, weit weg von München, aber trotzdem ein bisschen wie daheim, hat tz-Reporter Uli Heichele Münchens Oberbürgermeister Christian Ude zum großen Olympia-Interview getroffen:

Oberbürgermeister Christian Ude sitzt im gemütlich eingerichteten Kufenstüberl in Whistler. Dort trifft er die tz zum Olympia-Interview:

So viel verdienen OB Ude und Co.:

Herr Ude, Sie sind bereits seit Mittwoch in Vancouver. Ihre Eindrücke?

Ude: Sehr unterschiedlich. Wirklich begeistert bin ich von der Freundlichkeit und Spontaneität der Bevölkerung. Dann ist natürlich nicht zu leugnen, dass es wenig winterlich ist – jedenfalls unten in Vancouver.

Was kann die Münchner Bewerbung für Olympia 2018 hier lernen?

Ude: Man kann zum Beispiel die Infrastruktur studieren. Natürlich würde ich nie als Gast Negativpunkte erwähnen. Aber eines darf ich sagen: Ich bin sehr froh, dass Garmisch nur eine – ich betonte: eine – Autostunde von München entfernt ist. Und ich bin sehr froh, dass unser Stadion mit bald zwei U-Bahn-Linien eine fantastische öffentliche Verkehrsanbindung hat.

Was steht in Vancouver alles auf Ihrem Olympia-Programm?

Ude: Zum Beispiel schaue ich mir Biathlon in Whistler an. Und, weil das sehr vergleichbar mit dem Münchner Fall ist, Eissport-Veranstaltungen in Vancouver. Außerdem führen wir viele Gespräche mit IOC-Mitgliedern – damit haben wir sofort am Mittwoch angefangen. Manchmal ist das nur Smalltalk, manchmal sind das aber auch Gespräche, die sehr schnell in die Tiefe gehen.

Wenn’s in die Tiefe geht: Was denken die Gesprächspartner über München?

Ude: Fast alle Veteranen der Sportwelt – und IOC-Mitglieder sind das in der Regel – haben beste Erinnerungen an München. An die Stadt, wie sie sie im Jahr 1972 kennenlernen konnten – und an eigene sportliche Erfolge. Beglückend ist vor allem, dass in sämtlichen Gesprächen ausnahmslos festzustellen ist, dass kein IOC-Mitglied das Attentat der Stadt München anlastet. Alle wissen: Das war der Einbruch des internationalen Terrorismus in die olympische Welt. München war zufällig der Ort des Geschehens. Das hätte sich in jedem anderen Ort auf diesem Globus genauso abspielen können. Da gibt es tatsächlich keinen Schatten. Es ist beruhigend, das festzustellen.

Die Reaktionen sind also durchweg positiv?

Ude: Ich gehe nicht so weit, zu glauben, dass jeder, der freundliche Worte über München sagt, auch seine Stimme entsprechend abgeben wird. Ich weiß zwischen Konversation und Entscheidungsfindung zu unterscheiden.

Haben Sie schon beobachten können, was die 2018-Konkurrenz in Vancouver unternimmt, also zum Beispiel Pyeongchang?

Ude: Es ist zutreffend, dass Sie Pyeongchang nennen. Ich habe zwar auch mit dem Bürgermeister von Annecy ein Gespräch geführt – aber ich habe den Eindruck, dass diese Bewerbung nicht mit voller Power vorgetragen wird. Pyeongchang ist dagegen allgegenwärtig. Das habe ich schon in Peking beobachten können. Die haben sich schon zweimal beworben und wissen immer mehr, worauf es ankommt. Ich halte ­Pyeongchang für einen sehr starken Mitbewerber. Aber ich sehe keine Argumente, die uns mutlos machen müssten. Wir setzen auf Sieg, nicht auf Platz.

Ist Vancouver ein Vorbild für die Münchner Bewerbung?

Ude: Vancouver ist in vieler Hinsicht ein Vorbild. Zum Beispiel, was das Engagement der Bevölkerung, das oylmpische Dorf und die fabelhafte Eröffnungsfeier angeht. Beim Wetter suche ich mir aber noch andere Vorbilder.

Ist das jetzt die wichtigste Woche für die Münchner Bewerbung?

Ude: Es ist eine ganz maßgebliche Woche, weil hier wirklich die Wintersport-Welt versammelt ist. Und es besteht zum letzten Mal vor der Entscheidung im Jahr 2011 die Chance, positive Beispiele zu befolgen und aus Fehlern zu lernen.

Was man jetzt kaputtmacht, kann man nicht mehr reparieren?

Ude: Wir machen nichts kaputt. Aber was man jetzt nicht kapiert, hätte man zu spät gelernt.

Aufgezeichnet von Uli Heichele

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