Der simulierte Tourneesieg

Vor Vierschanzentournee: Bundestrainer geht neue Wege

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Bundestrainer Werner Schuster hat in Severin Freund, Andreas Wellinger  und Richard Freitag gleich drei Athleten in seinem Team, denen der Sprung ins Spitzenfeld der Vierschanzentournee zuzutrauen ist.

Oberstdorf - Bundestrainer Schuster ging mit den deutschen Springern wieder neue Wege – und will nun eine schwarze Serie beenden

Update vom 13. Januar 2016: Nach der Vierschanzentournee steht die Skiflug-WM am Kulm an. Wie Sie bei der Skiflug-WM live und im Stream zuschauen können, sagen wir Ihnen hier.

Zumindest Werner Schuster tat sich am Sonntag noch ein bisschen schwer, so etwas wie Tournee-Gefühl zu entwickeln. Als der Bundestrainer der deutschen Skispringer bei der Anfahrt nach Oberstdorf durch das frühlingshafte Allgäu tourte, habe er Leute beim Golfspielen gesehen. „Das ist schon extrem“, fand Schuster.

Spätestens am Montag wird sich die Stimmungslage des 46- Jährigen gewiss ändern. Um 17.15 Uhr (live in der ARD) steht mit der Qualifikation am Schattenberg der erste Ernstfall auf dem Programm. Und die soll schon erste Fingerzeige bringen, wie es denn um die deutschen Perspektiven bestellt ist bei dieser Vierschanzentournee.

Das deutsch-österreichische Springerturnier steht bei den Beteiligten ja immer hoch im Kurs. Diese 64. Auflage ist nun noch ein bisschen strahlender in einem Jahr, in dem abgesehen von der Skiflug-WM die großen Höhepunkte fehlen. Auch im deutschen Lager sieht man das nicht anders. Die Sache allerdings hat einen Haken: Wann immer der Springertross die Reise von Oberstdorf nach Bischofshofen antrat, lief es nicht mehr, beim ansonsten so dominanten Team. „Die Tournee mochte uns zuletzt nicht so“, hat auch DSV-Sportdirektor Horst Hüttel ausgemacht.

Warum das so ist, und wie man das ändern könnte, das ist so ein Punkt über den sich Werner Schuster in diesem Jahr mit die meisten Gedanken gemacht hat. Der Erfolgscoach von Severin Freund & Co. ist auf so manch kreativen Gedanken gekommen. So absolvierte der Kleinwalstertaler mit seinen Schützlingen im Herbst so etwas wie eine Tournee-Simulation. Der deutsche Tross bereiste schon einmal die vier Stationen. Logierte in den gleichen Hotels, absolvierte auf allen vier Schanzen nur wenige Trainingssprünge und je einen internen Testwettkampf. Am Ende stand Severin Freund nach souveränem Auftritt ganz oben – so würde es Schuster am Dreikönigstag auch gerne sehen. Doch bis dahin wird vieles anders sein als im Testlauf: „Uns ist es leider nicht gelungen, 15 000 Freiwillige an die Schanzen zu bringen. Will heißen: Der Ernstfall bringt eine Note ins Spiel, die sich nicht simulieren lässt.

Severin Freund zählt bei Vierschanzentournee zu Topfavoriten

Vorflieger Freund, der gemeinsam mit dem slowenischen Seriensieger Peter Prevc als Topfavorit gehandelt wird, sieht die Sache entsprechend pragmatisch. Für die Details beim Wechsel von Schanze zu Schanze sei der Testlauf nützlich gewesen. Doch die Realität ist nur bedingt beeinflussbar. „Die Topform, die du für einen Tourneesieg brauchst, passiert einfach“, sagte der Münchner, „du kannst nicht mehr tun als dich gut vorzubereiten.“

Vorbereiten und Stress wegnehmen, das ist die Idee, die Schuster in diesen Tagen verfolgt. Letzterem ist auch die veränderte Quartierwahl geschuldet. Von Oberstdorf zieht der, derzeit optimale 13 Springer starke, deutsche Tross am Mittwoch nach Seefeld um von wo man die Tourneestationen in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck bereist. Dadurch hat man zwar einige Kilometer Anfahrt zu den Schanzen vor sich. Doch das ist zu verkraften, gemessen an einem für Schuster unschätzbaren Vorteil: „Die Jungs haben sechs Tage im gleichen Bett“, sagte der Bundestrainer, „Solche Dinge sollen dazu beitragen, dass sie sich voll auf ihre Sprünge konzentrieren können.“

Dass man sportlich das Zeug für große Taten hat, will ohnehin niemand ernsthaft bezweifeln. Im Gegenteil, Freund bringt aus den ersten sieben Saisoneinsätzen bereits zwei Siege mit. In Richard Freitag und dem wieder aufstrebenden Ruhpoldinger Andreas Wellinger hat man zwei weitere Athleten, denen Schuster „Top-5-Potenzial“ attestiert. „Irgendwann werden sie hier erfolgreich sein“, sagte er, „die Frage ist nur wann.“

Patrick Reichelt

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