1. tz
  2. Sport
  3. Wintersport

Irre! Skispringer bei Vierschanzentournee ist eigentlich fast blind - und springt trotzdem

Erstellt:

Von: Florian Schimak

Kommentare

Philipp Aschenwald leidet unter seltener Augenerkrankung
Philipp Aschenwald leidet unter seltener Augenerkrankung. © IMAGO / GEPA pictures

Philipp Aschenwald kam in den ersten beiden Springen der Vierschanzentournee unter die Top 30. Dabei springt der ÖSV-Adler aktuell fast blind.

München/Innsbruck - Skispringer gehören gemeinhin zu den mutigsten Sportlern, möchte man fast sagen. Sie rasen mit einem Affenzahn einen steilen Hügel herunter und stürzen sich anschließend in die Tiefe. Wohl dem, der da alle Sinne bei sich hat.

Bei dem ganzen Tempo und Adrenalin ist es natürlich elementar, dass man alles im Blick hat und gut sieht. Oder etwa nicht? ÖSV-Adler Philipp Aschenwald ist bei der diesjährigen Vierschanzentournee quasi im Blindflug unterwegs! Der Tiroler leidet an einer seltenen Augenkrankheit, wie der österreichische Kurier berichtet.

Vierschanzentournee: Fast blind! Philipp Aschenwald leidet unter seltener Augenerkrankung

Auf dem linken Auge ist Aschenwald dabei fast blind, seine Sehkraft ist demnach kaum vorhanden. Bei einer Routine-Untersuchung wurde beim 26-Jährigen Keratokonus diagnostiziert, eine seltene Augenerkrankung, bei der sich die Hornhaut krümmt. Ohne rechtzeitige Behandlung droht diese immer dünner zu werden und auszutrocknen.

„Auf dem linken Auge sehe ich wie ein Maulwurf“, sagt Aschenwald, der sich im Oktober vergangenen Jahres einem operativen Eingriff unterzog. Eigentlich sollte er nun mit Hartlinsen springen. Problem: Diese kamen nicht rechtzeitig zur Vierschanzentournee an! „Die Linsen müssen individuell angepasst werden“, verrät Aschenwald: „Ich hab sie zwar bestellt, aber die kommen erst nach der Tournee an. Im Moment bin ich ohne Linsen am Weg.“

Trotz des krassen Handicaps läuft‘s ordentlich für den Österreicher. Platz 22 in Oberstdorf beim Auftakt und Platz 27 beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Nun geht‘s in die heimischen Gefilden, am Dienstag um 13.30 Uhr findet das nächste Tournee-Ereignis auf der Bergisel-Schanze in Innsbruck statt.

Video: Markus Eisenbichler vor Innsbruck - „Egal, was Kobayashi macht“

 „Ich bin froh, dass mein rechtes Auge und das Gehirn dieses Handicap so gut kompensieren können“, sagt Aschenwald, der sich trotz der Beeinträchtigung angriffslustig zeigt: „Es war noch kein Wettkampf dabei, der mich zufrieden gestimmt hätte. Ich mag mich nicht im Mittelfeld aufhalten. Ich will nämlich auch nicht sagen, dass alles scheiße ist wegen meiner Augen“, so der Zillertaler.

Dennoch freut sich Aschenwald schon, wenn die Linsen endlich geliefert werden. Als er das erste Mal damit sprang, war er völlig perplex: „Ich dachte mir: Bist du deppert, jetzt sehe ich alles in HD!“ Umso beachtlicher sind seine aktuellen Leistungen. Man darf also gespannt sein, wie weit es für ihn in Innsbruck und Bischofshofen noch geht. (smk)

Auch interessant

Kommentare