Querschnittsgelähmter Müller zurück

Der wohl emotionalste Moment der Vierschanzentournee

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Lukas Müller sitzt seit seinem Sturz im Rollstuhl.

Bischofshofen - Kamil Stoch gewann bei der diesjährigen Vierschanzentournee deutlich. Doch den wohl emotionalsten Moment lieferte ein anderer: der Österreicher Lukas Müller.

Lukas Müller, 24, war ein hoffnungsvolles Talent im österreichischen Skisprungstall. „War“ nicht etwa, weil er gestorben ist, sondern „war“, weil er sich vor einem Jahr als Vorspringer auf der Skiflugschanze am Kulm in Bad Mitterndorf den sechsten und siebten Halswirbel brach. Seitdem ist Müller inkomplett querschnittsgelähmt.

Beim Dreikönigsspringen war er erstmals wieder an einer Schanze. In Bischofshofen, beim Finale der Vierschanzentournee. Dort sah er den weiten Flug vom Gesamtsieger Kamil Stoch. Aber auch den Wackler von dem bis zum dritten Springen führenden Daniel-Andre Tande. Ob er da an seine Momente kurz vor dem Sturz denken musste?

Denn eigentlich war Müllers Sprung in Bad Mitterndorf gut, doch in der Luft ging etwas schief. Er rutschte aus seinem Sprungschuh, bis er kurz vor der Landung komplett draußen war. Er drehte sich und schlug mit dem Rücken auf den Hang auf. Trotz sofortiger OP stellten die Ärzte damals eine „inkomplette Querschnittslähmung“ fest. Ein halbes Jahr später ging er zwar auf Krücken aus dem Reha-Zentrum, doch die meiste Zeit ist er auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich habe in den Füßen kein Temperaturgefühl“, sagt Müller an der Schanze zu welt.de. „Deshalb muss ich aufpassen, ob die Füße nicht abfrieren.“

Ähnlicher Fall wie bei Amerikaner Fairall

Der Juniorenweltmeister von 2009 würde „brutal gerne“ wieder springen. „Ich war gerade oben bei den Springern. Die haben sich mächtig gefreut, mich zu sehen“, sagt Müller. „Jetzt hier zu sein, ist schön und schwer zugleich.“ Trotzdem will er nicht lamentieren. Er akzeptiert sein Schicksal, arbeitet sich heran. Er wohnt im Sportzentrum Rif bei Salzburg, macht weiter Reha, spielt Rollstuhlrugby und hält Motivationsvorträge. 

Seine Hoffnung heißt Nicholas Fairall. Der US-Amerikaner stürzte am 5. Januar 2015 bei der Qualifikation in Bischofshofen schwer. Er sitzt ebenfalls im Rollstuhl, vor einem Jahr berichtete er, dass er wieder ein bisschen etwas in seinen Beinen fühlt.

Mit diesem Besuch an der Paul Außerleitner Schanze sorgte Müller wohl für den emotionalsten Moment der diesjährigen Vierschanzentournee.

sap

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