Vom Hinterherflieger zum Meistermacher

Schuster für DSV ein "Glücksgriff"

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DSV-Trainer Werner Schuster.

Oberstdorf - Werner Schuster hat die deutschen Skispringer seit 2008 aus der Talsohle geführt. Das Ende des Weges sieht der Österreicher noch nicht erreicht.

Werner Schusters eigene Tournee-Bilanz ist eine mittlere Katastrophe. Mehr als Rang 55 im Winter 1992/1993 sprang für den heutigen Bundestrainer bei zehn Teilnahmen nicht heraus. Schuster nimmt diese Zahlen inzwischen mit Humor. „Als Aktiver war ich wohl eher in der zweiten Reihe“, sagt der 46-Jährige, der als Trainer der DSV-Adler zuletzt Erfolge in Serie feierte.

Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Seit Schusters Amtsantritt im März 2008 ist die Zahl der deutschen Podestplätze Jahr für Jahr gestiegen, von anfangs zwei auf zuletzt 18. Und endlich durften die DSV-Adler auch wieder Titel feiern: 2014 holte sein Team in Sotschi Olympia-Gold, 2015 wurde Severin Freund Weltmeister und Gewinner des Gesamtweltcups.

Schuster kam ins Grübeln

Kein Wunder, dass Schuster zuletzt ein wenig ins Grübeln geriet. „Es gab ehrlicherweise eine Phase, in der ich überlegt habe, wie es weitergehen sollte. Sind wir am Zenit? Diese Frage habe ich sehr offen gestellt“, sagte er im Sommer. Mit einer klaren Antwort: „Wir waren uns schnell einig, dass wir nicht am Zenit sind. Dass wir trotz der tollen Erfolge noch Potenziale sehen, die noch nicht ausgeschöpft sind.“

Tatsächlich ist Schuster ein Experte für das Ausschöpfen von Potenzialen. Richard Freitag, Andreas Wellinger, Marinus Kraus - der Mann aus dem Kleinwalsertal hat nach Freund fast jährlich einen neuen Namen aus dem Hut gezaubert. „Jetzt ist in diesem Fass leider nicht mehr so viel drin“, sagt er über sein derzeit vielleicht größtes Problem.

Entscheidung für Schuster nicht unumstritten

Kaum zu glauben ist heute, dass 2008 die Entscheidung für Schuster nicht unumstritten war. Ausgerechnet ein Österreicher, hieß es. Doch für den DSV kündigte Schuster nach nur einem Jahr seinen Job als Schweizer Nationalcoach. Nicht ohne Nebengeräusche. „Das war so nicht abgesprochen“, sagte der viermalige Olympiasieger Simon Ammann damals.

Schuster wählte dennoch den steinigen Weg und führte als Nach-Nach-Nachfolger des noch immer verehrten Reinhard Heß das deutsche Team zurück an die Spitze. „Er ist für uns ein absoluter Glücksfall“, sagt Horst Hüttel, sportlicher Leiter beim DSV. Und auch Freund, Freitag und Co. sprechen stets voller Respekt über die Arbeit mit dem Trainer, der als Aktiver nur einmal auf dem Podest landete und 1995 seine Karriere beendete.

Im November 2014 verlängerte der DSV den Vertrag mit Schuster bis 2019, auch weil dem Trainer Angebote aus anderen Ländern ins Haus flatterten. Sollte Schuster tatsächlich elf Jahre im Amt bleiben, würde er sogar den großen Heß übertreffen.

Die Ziele gehen Schuster jedenfalls nicht aus. „Wir glauben, dass wir einige Leute haben, die sich noch entwickeln können. Daraus schöpfen wir Kraft und Motivation, um unsere Arbeit fortzusetzen“, sagt Schuster. Und vielleicht klappt es dann ja auch irgendwann mit der Vierschanzentournee.

sid

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